Autismus #07: Neurodivergenz begleiten – Antonias Geschichte

Shownotes

Wie begleitet man sein Kind, wenn der vorgesehene Weg immer weniger zu ihm passt?

In der vorherigen Folge hat Elisa selbst von ihrem Aufwachsen mit Neurodivergenz und ihren Erfahrungen mit Schule erzählt. Diesmal betrachten wir diesen Weg aus der Perspektive ihrer Mutter Antonia.

Antonia nimmt uns mit zu den ersten Schwierigkeiten in der Schule, zu einer Zeit immer größerer Belastung und schließlich zu einer Phase, in der ein regelmäßiger Schulbesuch nicht mehr möglich war. Sie erzählt von der Suche nach Unterstützung, von der Online-Schule und davon, wie sich nach vielen Umwegen neue Perspektiven entwickelt haben.

Doch in diesem Gespräch geht es nicht nur darum, was mit Elisa passiert ist. Es geht vor allem darum, wie Antonia diese Jahre als Mutter erlebt hat: um Sorgen und Zweifel, um schwierige Entscheidungen, um Hürden im Schul- und Hilfesystem – und um die Frage, wie man sein Kind unterstützt, wenn man selbst manchmal nicht weiß, welcher nächste Schritt der richtige ist.

Heute ist Elisa 18 Jahre alt. Antonia blickt zurück auf einen langen gemeinsamen Weg und erzählt sehr offen davon, was sie gelernt hat, was sie sich rückblickend anders gewünscht hätte und was sie anderen Eltern mitgeben möchte.

🎧 Zwei Perspektiven auf einen gemeinsamen Weg: In Autismus #06: Neurodivergent aufwachsen – Elisas Geschichte erzählt Elisa ihre Geschichte selbst. In dieser Folge hören wir nun die Perspektive ihrer Mutter.

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00:00:00: Elisa ist eine unglaublich integere, freundliche

00:00:06: sehr

00:00:07: klare Person die mit unglaublich wachen Augen durch die Welt geht.

00:00:13: Und das gibt so dieses Bild von den hochbegabten Kindern, die dann einfach aufblühen wenn sie schwierige Aufgaben kriegen.

00:00:19: Das war bei uns nicht so.

00:00:22: Ich habe irgendwann mal den Begriff Momshaming gehört viele Jahre später und da ist es mir ein bisschen wie Schuppen von den Augen gefallen weil ich so dachte achso Das ist es.

00:00:34: Also ich brauche jetzt diese Phase, wo ich ganz viel heilen zur Ruhe kommen, selbst für Sorge mal wieder verstehen wie sich das anfühlt wenn ich Zeit habe

00:00:45: mich um mich zu kümmern.

00:00:47: neu.

00:00:50: In unserer letzten Folge hat uns Elisa sehr offen erzählt wie es sich anfühlen Neurodivergent aufzuwachsen und welche Spuren vor allem ihre Schulzeit hinterlassen hat.

00:01:00: Heute wechseln wir die Perspektive.

00:01:02: Ihre Mutter Antonia nimmt uns mit auf denselben Weg, aber aus ihrer Sicht von den ersten Schwierigkeiten in der Schule über eine lange Zeit der Schulabstinenz und die Online-Schule bis zu der Frage wo ihre inzwischen achtzehnjährige Tochter heute steht.

00:01:18: Dabei geht es aber vor allem um Antonia selbst – wie erlebt man als Mutter wenn das eigene Kind immer mehr an Schule scheitert?

00:01:26: Was macht die ständige Suche nach dem richtigen Weg mit einem?

00:01:29: Wo stößt man an Grenzen auch an die eigenen.

00:01:33: Antonia erzählt davon sehr offen, bewegt und gleichzeitig mit vielen Erfahrungen, die auch anderen Eltern Orientierung

00:01:39: geben können.

00:01:55: Antonia, heute werden wir ganz persönlich.

00:01:58: Denn wir sprechen mit dir über eure Familiengeschichte und bevor wir da in die Tiefe gehen und erzählen was das mit Neurodivergenz zu tun hat möchten wir dich und deine Familie kurz kennenlernen.

00:02:10: Wer gehört zu deiner Familie?

00:02:12: Ja!

00:02:13: Das bin ich als Mama.

00:02:15: Das ist Elisa meine Tochter Die jetzt achtzehn ist Und ganz wichtig ist auch Flauer unser Hund.

00:02:22: Ah, okay.

00:02:23: Nicht zu vergessen.

00:02:24: Natürlich!

00:02:26: Wichtiges Familienmitglied.

00:02:27: Genau und wir sind ein Mädchenhaushalt seit anderthalb Jahren.

00:02:32: Seit wir nicht mehr mit einem Papa zusammenleben.

00:02:38: Wenn du an deine Tochter Elisa denkst ... Wie würdest du sie beschreiben?

00:02:43: Unabhängig von irgendeiner Diagnose?

00:02:45: also was macht sie aus und was liebst du besonders an ihr?

00:02:50: Das ist ja ne ganz kleine Frage.

00:02:51: Ja, genau!

00:02:53: Also Elisa is eine unglaublich integere freundliche sehr klare Person die mit unglaublich wachen Augen durch die Welt geht und immer auch darauf guckt was überall so los iß also in Sinne von Mitkriegen, wie es anderen geht.

00:03:21: Sie ist sehr antennig in der Welt.

00:03:26: Sehr sensibel auch.

00:03:28: Ja.

00:03:29: Aber mit so einer Integrität ... Das hatte sie schon als Baby, die hat eine innere Achse.

00:03:36: So was Unkorrumpierbares.

00:03:37: Die ist wie ein kleiner aufrechter stabiler Kern da drin.

00:03:46: Das beeindruckt mich wahnsinnig an ihr!

00:03:48: Das

00:03:50: ist ein sehr schönes Bild.

00:03:51: Das ist wunderschön,

00:03:52: das ist so

00:03:53: schön!

00:03:54: Toll!

00:03:57: Lass uns ein kleines bisschen in der Zeit zurückgehen.

00:04:00: Du hast gerade schon gesagt, als Baby hat dich diese Seite in ihr so beeindruckt und angefasst.

00:04:07: Wir gehen mal so in die Grundschulzeit.

00:04:11: Wie hast du deine Tochter da erlebt?

00:04:14: Ja ... ach schwierig also... Sie hat sich wahnsinnig auf die Schule gefreut und ist dann leider innerhalb von einer Woche vor die Wand gefahren.

00:04:24: Das war flott?

00:04:25: Ganz

00:04:26: flott,

00:04:27: ja!

00:04:28: Ich hatte mir fest vorgenommen ... Vor Weihnachten steh ich da nicht auf der Matte.

00:04:31: Ich hatte schon so eine Ahnung, weil sie konnte lesen bevor sie in die Schule kam.

00:04:36: Sie hat geschrieben, sie hat ein bisschen gerechnet... Und es ging dann sehr viel schneller.

00:04:42: also wir waren vor den Herbstferien.

00:04:45: Wie sah dieses vor die Wandfahren aus?

00:04:48: Das ist ein krasses Bild.

00:04:50: Ja, es war auch wirklich schlimm.

00:04:55: Sie hat innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen eingenässt.

00:05:00: Es hat sie nie gemacht.

00:05:01: Als Kind nie gemacht und wir hatten da nie Probleme mit.

00:05:05: Und sie war sehr unglücklich.

00:05:08: also wirklich ein bisschen zu völlig verzweifelt, die wir haben ... Hausaufgabenblätter gehabt.

00:05:14: Eine Reihe U-Schreiben und mein Kind hat anderthalb Stunden gebraucht und konnte diese Us nicht schreiben.

00:05:22: Ein lesendes Kind!

00:05:23: Und saß dann den Rest des Tages anderthalsstunden mit glühenden Ohren auf dem Sofa im Wohnzimmer und las Patterson und Findus und die Uhr.

00:05:33: Und machte alle Rätsel und war völlig begeistert Reihe mit den Us.

00:05:39: Ich hab gedacht, ich spinne!

00:05:40: Ich wusste das nicht, dass es das gibt?

00:05:43: Das ist auch da nicht erklärbar, weil das kennt ja so viel Kan eigentlich

00:05:46: nicht.

00:05:46: Jetzt mach doch, schreib doch einfach eben und mal geht bei Elisabeth heute noch nicht.

00:05:52: Ist nicht ihr Modus.

00:05:54: Und bis ich verstanden hatte, was die da so fehlt hat bisschen gedauert.

00:06:00: Weil das ja auch viel Wissen ist, was einem dann auch fehlt als Mutter.

00:06:04: Ich fand mein Kind super.

00:06:07: Schon schön und besonders, aber natürlich auch irgendwie ganz normal.

00:06:10: Also ich fand das so ist das eben wenn man ein Kind hat.

00:06:14: So sind eben Kinder in dem Alter.

00:06:17: Du hast ja jetzt bisher auf

00:06:19: dieses

00:06:20: Lernen, auf den Unterrichtsstoff eingegangen.

00:06:22: dass das so hart war und sich in den Hausaufgaben manifestiert hat Das wird ja auch im Unterricht gewesen sein könnte ich mir vorstellen Dass Elisa Aufgaben bekommen hat deren Wichtigkeit und Notwendigkeit sie vielleicht nicht nachvollziehen konnte.

00:06:42: Und wo sie sich eben auch mitgequält hat, hat sie das erzählt?

00:06:47: Wenig also.

00:06:49: ich glaube Sie hatte damals noch nicht diese Distanz zu sich selber oder diese Reflektiertheit um das so zu berichten wie Ich sitze dann da und muss was machen was ich ganz blöd finde und ich mache es dann trotzdem oder so.

00:07:03: Uns ist er aufgefallen, dass sie einfach nicht glücklich war.

00:07:06: Dass sie gestresst war und unzufrieden war, dass ihr auch nicht wirklich von schönen Momenten in der Schule erzählt habt.

00:07:13: Sie hat ihre Lehrerin sehr geliebt.

00:07:14: Das war ein riesengroßes Plus.

00:07:17: Ganz junge Person, das war ihre erste Klasse.

00:07:19: Und die war eine Seele von Mensch.

00:07:23: Aber zum Beispiel andere Kinder waren schwierig ... Wir sind dann vor den Herbstferien da gewesen.

00:07:30: Ich fürchte, wir müssen irgendwas tun.

00:07:32: Und dann sagte die Lehrerin so ja mir ist das auch schon aufgefallen?

00:07:36: Die kann das alles schon.

00:07:38: und dann fing halt eine Phase an wo wir ein bisschen Begabtenförderung gemacht haben.

00:07:42: Sie durfte in die Leserecke gehen wenn sie fertig war zum Beispiel oder ich hab dann angefangen mal zu überlegen was würde Elisa denn Spaß machen und habe eigene Materialien mitgebracht.

00:07:53: und dann durfte Elisa das machen.

00:07:56: Das waren aber mehr Tropfen auf den heißen Stein.

00:07:59: Ich glaube insgesamt, dann sind das diese Klassiker.

00:08:02: Sie meldet sich, sie kommt nicht dran weil wenn sie dran ist wissen alle anderen sofort was die richtige Antwort ist.

00:08:09: Wir haben teilweise ... ich hab sie abgeholt von der Schule und die kleinen Knöpfe stehen so vor mir und gucken mich mit großen Augen an und sagen Warum weiß die Elisa das alles?

00:08:17: Ich sag so ja kann ich euch auch nicht sagen

00:08:20: Ist auch schwierig zu erklären dass das so ist.

00:08:24: Jetzt ist sie da Ja, durch die Grundschulzeit gegangen.

00:08:27: Die erste Phase war schwierig und ist so schwierig geblieben?

00:08:32: Es

00:08:32: gab nicht irgendwo einen Punkt wo man sagt, jetzt hat sich auch mit viel Kontakt zu der Lehrerin gebliehen.

00:08:40: Zum Glück!

00:08:42: Ich hab immer darauf gewartet weil es hieß immer in der dritten Klasse wird's schwer.

00:08:47: Da habe ich drauf gewartet dass das nicht passiert.

00:08:50: Und das Blöde war ... dass Elisa mit sehr viel Krankheit reagiert hat.

00:08:56: Sie hat einfach sehr viel Unterricht auch verpasst, also wir hatten so im Schnitt, würd ich sagen ... ein bis zwei Feeltage in der Woche.

00:09:05: Also das hat sich

00:09:06: von so ein

00:09:07: bisschen abgezeichnet im Gründer?

00:09:09: Und wir haben damals gedacht vielleicht ist es irgendwas, sie braucht Vitamine oder die Schilddrüse oder wir sind beim ... Ja klar!

00:09:20: Gastroenterologen gewesen.

00:09:21: Wir haben Homöopathie probiert und alles, was uns eingefallen ist, haben den Kinderarzt gewechselt.

00:09:26: Wir sind von Ponzius zu Pilatus gerannt weil wir dachten irgendwo muss doch mal was spürbar werden, was handfestes wo man was verbessern kann.

00:09:34: Ja also das ganz naheliegende eine medizinische Ursache suchen dafür.

00:09:38: Warum ist das Kind so häufig krank?

00:09:40: Also dann hat sich schon somatisiert im Grunde nach wenigen Wochen.

00:09:43: Ganz früh schon ja.

00:09:45: Und du hast ja gerade ausgeführt dass die Klassenlehrerin so eine Art Anker für sie war, dass die Elisa eine gute Bindung hatte.

00:09:54: Wie war das denn mit Kindern aus der Klasse?

00:09:58: Mit Mitschüllerinnen und Mitschülern.

00:10:01: Sie hat eine gute Freundin gehabt auf seiner Nachbarschaft, die war eine Klasse weiter.

00:10:06: Und sie hat eigentlich die Pausen mit dieser Freundin und ihrer Klicke verbracht.

00:10:10: Die waren also alle ein Jahr älter.

00:10:13: Ich glaube so in der zweiten, dritten Klasse hat sie auch Freundinnen bei sich in der Klasse gefunden.

00:10:17: Sie hatte dann einfach zwei Mädchen mit denen ... drei.

00:10:22: Drei Mädchen, mit denen sie befreundet war und das gut ging.

00:10:25: Aber was zum Beispiel schwierig war, war so etwas wie nachmittags eine Spielverabredung gingen oft nicht, weil sie konnte nicht mehr.

00:10:31: Und so erschöpft?

00:10:33: Genau!

00:10:34: erschöpft oder sie war zu lange krank und Kindergeburtstage waren immer eine Riesenaufregung.

00:10:39: Ich musste da immer dabei bleiben, das ging nur mit viel Vorbereitung und Nachbereitung.

00:10:43: Trotzdem gab es dann manchmal währenddessen einen Crash, wo klar war jetzt geht nichts mehr.

00:10:50: Das ist eben die Seite gewesen ... Wir waren früher auf dieser Schiene mit der Hochbegabung, weil's extrem auffällig war, weil sie so wahnsinnig früh auch schon gesprochen hat

00:10:59: usw.,

00:11:00: aber das war ne Seite, die dazu nicht passte.

00:11:04: was sich ja dann mit dem Autismus auch später gezeigt hat.

00:11:07: Aber damals wären wir da überhaupt nicht draufgekommen,

00:11:10: also...

00:11:10: Wie war das für dich als Mutter?

00:11:12: Wenn du in so eine Verabredung mitgegangen bist und wenn du dein Kind erklären musstest?

00:11:17: Fürchterlich!

00:11:18: Ganz fürchterlich.

00:11:20: Ich fand es wahnsinnig schwierig.

00:11:21: Also ... Das war ab Geburt schon so, dass ich eigentlich immer mein Kind erklären musste, weil ich konnte meinen Kind nicht ablegen Mein Kind konnte nicht Kinderwagen fahren, mein Kind hat nicht gegessen.

00:11:32: Das hat nur gestillt ... immer!

00:11:36: Und ich hab irgendwann dann mal den Begriff Momshaming gehört viele Jahre später und da ist es mir so ein bisschen wie Schuppen von den Augen gefallen, weil ich dachte, ach so, das ist's.

00:11:47: Weil sie ist immer, du musst dich besser abgrenzen und du musst die auch mal fordern und muss, muss, must.

00:11:55: Und ich war ... ganz aufgerieben, das war wahnsinnig schwierig.

00:11:59: Weil du willst es natürlich gerne richtig machen?

00:12:01: Aber egal was du gemacht hast, es war schwierig letztendlich im Ergebnis.

00:12:05: Ja also wenn ich zu hundert Prozent auf Elisabeth's Seite war Wenn das möglich war, wenn die Bedingungen so waren, was auch oft hieß nach Hause gehen sich rausziehen gar nicht erst hingehen Wie oft habe ich in Köln damals haben wir noch in köln gewohnt still und an der Bushaltestelle gesessen weil es einfach klar war Es geht jetzt nicht mehr.

00:12:27: Dann war für Elisa die Welt in Ordnung.

00:12:29: Für mich war sie auch viel besser, wenn ich das ausblenden konnte, außen rum.

00:12:33: Aber sobald wir zum Beispiel eine nette Krabbelgruppe hatten ... Da bin ich irgendwann rausgegangen, weil's einfach nicht ging.

00:12:41: Weil auch die anderen Mütter dann ... Wir wurden nicht freundlich angeguckt mit diesen Besonderheiten, sondern wir waren anstrengend und es war nicht zu verstehen, warum das nicht läuft.

00:12:54: Das ist ja eine Phase, die dich extrem gefordert hat.

00:12:57: Das von Anfang an eigentlich ... Wann hat sich das mal verändert?

00:13:04: Also als wir den Platz an der Online-Schule hatten und als klar war, wir haben die Schulbefreiung und sie muss nicht mehr in die Präsenzschule und sie darf jetzt zu Hause lernen, da hab ich damals, weiß ich noch ganz genau, hab gesagt so, dass war ein Opus Magnum in meinem Leben, dass ich es geschafft habe, dass wir bis hierher gekommen sind.

00:13:23: Da war sie ...

00:13:26: Also eine wirklich extrem lange Phase, die dich auch sehr gefordert hat.

00:13:31: Wo du ganz viel Energie gelassen hast.

00:13:33: Wie war das denn?

00:13:34: Ich bleibe noch mal so ein bisschen in der Grundschule ... Wie hat denn die Schule in diesen vier Jahren reagiert?

00:13:40: Gab's da was, wo du sagst, da gab es mal ne Veränderung oder generell?

00:13:44: Oder war das einfach für die Schule schwierig drauf zu reagieren?

00:13:47: Ja,

00:13:47: das war für die Schule schwierig.

00:13:49: also wir haben sehr viele freundliche wertschätzende Gespräche gehabt mit dieser Lehrerin.

00:13:59: Das war natürlich nicht die einzige Lehrerin, es gab auch andere.

00:14:01: Es gab zum Beispiel ein Sportlehrer.

00:14:03: der hat dann in die damals noch die Zeugnisse ohne Noten geschrieben.

00:14:07: Elisa ist einfach nie im Sportunterricht.

00:14:10: Ich kann dir gar keine gute Note geben und sowas ärgert einen als Mutter weil man irgendwie denkt ja natürlich war sie oft nicht da aber wenn sie da war was hat sie denn gemacht?

00:14:18: das kann man doch benoten?

00:14:21: Und die Klassenlehrerin mochte auch elisa glaube ich sehr gerne.

00:14:25: das war sie durchaus gegenseitig, aber die war völlig hilflos.

00:14:30: also die wollte uns glaube ich gerne helfen.

00:14:33: Ja es hört sich so an ne?

00:14:34: Das war ihre erste klasse.

00:14:35: Sie hat sich bemüht ihr herausfordernde Aufgaben zu geben.

00:14:39: Sie hatte sich mit dir besprochen.

00:14:42: Ich glaube was eben auch aus Sicht der Schule schwierig war war dieses doppelte Kognitiv total unter und sozialtotal überfordert sein.

00:14:53: Da war, das war auch für die Schule nicht irgendwie ... Er gab kein klares Bild.

00:14:58: Das gibt so dieses Bild von den hochbegabten Kindern, die dann einfach aufblühen, wenn sie schwierigere Aufgaben kriegen?

00:15:04: Das war bei uns nicht so.

00:15:06: Lisa ist nicht aufgeblüht mit schwierigeren Aufgaben.

00:15:08: Also vor allem nicht mit Aufgaben, die ihr mehr Freiraum geben sollten.

00:15:13: Sondern Sie waren einfach so unter Druck und unter Stress die ganze Zeit, dass das dann auch keinen ... Ich kann endlich mal zeigen, was ich kann.

00:15:24: Da war für die Lehrerin und das ist etwas, was mich dann auch weitergebildet als Etcher-Coach in Münster am Internationalen Zentrum für Begabtsförderung.

00:15:33: Was der totale Klassiker ist in dieser hochbegabten Spezialistenwelt.

00:15:38: Das einfach an Schulen im Studium, in den Fortbildungen für Lehrkräfte ... Problem fällt sehr wenig vorkommt, weil halt sehr viele Hochbegabte auch angenehme Schüler sind.

00:15:52: Das läuft so

00:15:54: und ... Aber das war bei ihr nicht so?

00:15:56: Nee!

00:15:56: Ja, weil sie sich so viel regulieren musste.

00:15:59: Weil so viele Reize auf Sie eingeströmt sind, die sie erst mal verarbeiten musste und mit denen sie zurechtkommen musste.

00:16:06: Sie hat mal gesagt, da war sie in der zweiten Klasse Mama, der ganze Raum ist voll mit Gefühlen Und die sind alle negativ.

00:16:15: Die Kinder sind alle Die kämpfen gegeneinander, die kämpfen gegen die Lehrerin.

00:16:20: Die wollen nicht lernen und raufen.

00:16:22: Es ist Unruhe, es ist Konkurrenz.

00:16:24: Da ist überhaupt keine Luft in diesem Raum, um in Ruhe zu

00:16:28: lernen.".

00:16:29: Ist das das Sensible was du am Anfang angesprochen hast?

00:16:32: Dass sie auch da so sehr sensibel ist und ganz feine Antennen hat für alles Mögliche?

00:16:37: Ja!

00:16:38: Und was ich damals eben auch schon so bemerkenswert fand... ...die Fähigkeit sowas auszudrücken Das war auch ein bisschen, das war natürlich gut.

00:16:47: Weil dann kriegte man mal so einen Gefühl dafür was die da den ganzen Tag eigentlich ... managed und reguliert.

00:16:54: Was bei ihr abgeht?

00:16:55: Genau!

00:16:56: Und was halt dann auch blöd war.

00:16:57: aus Sicht der Schule war sie ein superfreundliches hilfsbereites Kind dass immer den Unterricht stützte und voranbrachte Stand in den Zeugnissen eigentlich durch die gesamte Schulaufbahn, bis sie dann ausgestiegen ist.

00:17:11: Dieses Erlebnis gehabt bei den Eltern-Sprechtagen ... Ja also, die Elisa das is ja toll!

00:17:17: Also es so, wir sind so froh, dass du in unserer Klasse bist und da haben wir gesagt, jeden Samstag spätestens Kopfschmerzattacke, Kopfschmärzmittel, Migräne völlig aus dem Tritt, ach was echt?

00:17:34: kam von der Schule, die haben das nicht, das war für die wirklich auch über diese ganze Neuridiversitätswelt sehr gelernt haben.

00:17:42: Was ist denn Masken eigentlich, maskieren?

00:17:45: Was machen ... was ist der Unterschied bei einem Mädchen das hochbegabt ist und sich zu Tode langweilt und Autistin ist im Gegensatz zu einem Jungen, der dann über Tische- und Bänke geht?

00:17:54: Das war uns natürlich überhaupt nicht klar.

00:17:56: Das haben wir ganz spät erst zusammengebracht.

00:18:00: Das war auch der Schule nicht klar.

00:18:02: Es gibt keine Erfahrungswerte, sondern im ersten Moment läuft sie ja, weil es die Leistungen abgibt und Tanteil nimmt am Unterricht und ganz viel Input aufnimmt und weitergibt.

00:18:17: Dass das so eine Schieflage ist, glaube ich dann schwer zu erkennen, weil man nur diesen Unterrichtsvormittag wahrnimmt?

00:18:24: Nee, das kann man auch der Schule nicht vorwerfen.

00:18:26: Gar nicht!

00:18:27: Das ist auch nicht zu erkennen.

00:18:28: Ich habe das heute noch manchmal, dass ich hinterher sage so schlecht ging's dir heute, das hab' ich gar nicht gemerkt.

00:18:37: Wir springen

00:18:37: mal zur Weiterführendschule weil die Grundschulzeit war ja für sie super herausfordernd.

00:18:44: Mit was für einem Gefühl ist sie auf die weiterführende Schule gegangen?

00:18:47: Hat sich gefreut, vielleicht auch dass da noch mehr Fächer auf Sie zukommen

00:18:53: und

00:18:54: es spannende Dinge gibt wie Chemie oder Physik.

00:18:57: Keine Ahnung!

00:18:58: Nicht spannend aus Elisabeth Sicht.

00:19:00: Nicht

00:19:00: spannend, die ist eher so sprachbegabt.

00:19:02: Na

00:19:02: ja ... Nee, sie hat sich überhaupt nicht gefreud.

00:19:06: Und das ist auch etwas, was sie wahrscheinlich ihr Leben lang begleiten wird.

00:19:10: Sie hatte wahnsinnige Schwierigkeiten gehabt sich zu verabschieden von dieser Grundschule.

00:19:15: Weil obwohl das so schwierig war, hat sie sich da insgesamt sehr wohlgefühlt also ... Sicher auch!

00:19:21: So wohl wie man sich fühlen kann.

00:19:22: ne?

00:19:22: Genau Sie kannte es ja nicht anders und sie hatte glaub ich großen Respekt vor der neuen Schule.

00:19:28: Das ist eine Riesenschule.

00:19:31: Sie musste Abschied nehmen.

00:19:32: Es ist nur ein Mädchen aus ihrer Grundschulklasse Ist mit ihr in die weiterführende Schule gegangen In dieselbe Klasse Sechszügig Und das war alles sehr beängstigend.

00:19:45: Ein langer Fahrradweg, eine lange Fahrradstrecke in die Stadt rein ... Die Grundschule war bei uns fußläufig im Dorf quasi und jetzt musste sie in die Stadträne radeln.

00:19:54: Das

00:19:56: habt ihr geübt wahrscheinlich auch?

00:19:58: Ja, das haben wir geübten.

00:19:58: Es war trotzdem ein Desaster.

00:20:00: Also es hat vier, fünf Jahre gedauert bis sie entspannt in die stadt radeln konnte.

00:20:06: Okay

00:20:06: ja

00:20:07: da steckt man sich gar nicht so vor dass das so ... So krass ist, so eine Hürde sein kann für ein Kind.

00:20:14: Die meisten setzen sich aufs Fahrrad und fahren dann die zwei Kilometer an die Weiterführende Schule.

00:20:19: Ohne

00:20:19: Helm?

00:20:20: Oder setzt den Helm zwischen den ab oder sowas.

00:20:22: Aber das war ja gar nicht die Problematik bei ihr.

00:20:25: Die

00:20:25: kamen manchmal an der Schule an und waren schweißgebadet von der zehn Minuten Fahrtstrecke.

00:20:32: Und du hast ja gesagt Hochbegabungsstand für euch eigentlich ganz früh fest, dass das in die Richtung geht.

00:20:39: Aber ihr habt euch auf den Weg in eine Diagnostik gemacht?

00:20:42: Ja aber auch die Hochbegarung stand nicht fest.

00:20:44: also ich habe immer gedacht ja sie ist schlau

00:20:47: Okay okay

00:20:49: aber ich wusste nicht viel über Hochbergabungen.

00:20:51: jetzt würde ich sagen Inzwischen weiß ich dass auch sehr viele von meinen Freunden hoch begabt sind dass ich hoch begabt bin, dass mit Sicherheit auch mein Mann hochbegabt ist.

00:21:00: Aber das war damals alles nicht ... Das

00:21:03: war nicht das Thema?

00:21:04: Doch schon.

00:21:05: aber diese Messung, dass du wirklich sagen kannst okay, hier ist was jetzt gemessen und Elisa ist deutlich über die Grenze noch drüber also es schrappert nicht so am Rand.

00:21:18: Nee, das war nicht klar.

00:21:19: Es war klar, dass sie sehr schlau ist.

00:21:22: Ja, und dann kam eben der komplett Absturz quasi in der fünften Klasse.

00:21:26: Da ist sie nach den Herbstferien nicht mehr in die Schule gegangen.

00:21:29: Das heißt ...

00:21:31: Nur mal kurz um die zeitliche Schiene zu haben.

00:21:34: Sommer bis Herbst-Ferien sind oft so sieben, acht Wochen.

00:21:38: Mhm.

00:21:38: D.h.,

00:21:39: Sie ist angekommen?

00:21:40: War das denn mit Krankheit auch begleitet?

00:21:43: am Anfang schon direkt?

00:21:45: Es gibt eine Einführungswoche, wo die eine ganze Woche lang erst mal nur Kennlernsachen machen.

00:21:49: Ich glaub von dieser Woche hat sie zwei oder drei Tage geschafft.

00:21:53: Dann war schon vorbei.

00:21:55: So ging das dann weiter, ne?

00:21:56: Das war ja unser Rhythmus.

00:21:57: Im Grunde genommen kannten wir das so ein, zwei Tage in der Woche konnte Elisa nicht in die Schule gehen.

00:22:07: Ja und jetzt ist es aber an der Weiterführenden-Schule so neue Klassenlehrerinnen, neuer Klassenräte ... Die sind meistens als Team unterwegs ganz oft an den Weiterfühlenden Schulen.

00:22:16: also zu zweit die Klassenleistung.

00:22:18: Ja, sowas auch genau.

00:22:19: Ähm...ja wie war das da?

00:22:23: Auch da hatten wir wieder großes Glück.

00:22:25: Die waren toll, die beiden.

00:22:27: Aber es gab ja auch noch viel mehr Fächer und mehr Lehrkräfte.

00:22:30: Das war natürlich überhaupt nicht so wie in der Grundschule.

00:22:33: Diese Strategie von Elisa sich dann erst mal an die Erwachsenen zu binden hat gar nicht mehr funktioniert.

00:22:39: Es gab

00:22:39: so viele davon?

00:22:40: Ja!

00:22:40: Es gab auch sehr nette ... Ihre Englischlehrerin zum Beispiel mochte sie sehr... Was gab's denn da noch?

00:22:47: Weiß ich gar nicht.

00:22:49: Aber die waren zu selten da.

00:22:51: Das ist kein großer Anteil mehr der Woche Und das hat nicht funktioniert.

00:22:55: Sie hat dann eine Freundin gehabt, mit der sie sich sehr gut verstanden hat.

00:23:00: Die hat sie da neu kennengelernt.

00:23:01: Das war gut aber auch nicht gereicht.

00:23:05: und dann ist sie halt nach den Herbstferien ... wollte sie nicht mehr in die Schule gehen.

00:23:09: Dann hatten wir schnell die eine Klassendererin bei uns am Küchentisch sitzen.

00:23:16: Weil die gesagt haben okay jetzt müssen wir hier mal sofort was tun?

00:23:19: Das war toll!

00:23:20: Und dann hat uns die Schule wirklich ganz, ganz toll begleitet, aber es gibt natürlich so einen Rahmen der irgendwie auch funktionieren muss.

00:23:29: Es ist ja eine Ganztagsschule, ne Gesamtschule und wir hatten erst so die Idee vielleicht kann man irgendwie das so regeln dass sie immer nur bis mittags gehen muss weil diese langen Tage halt auch sehr anstrengend waren Und das ging zum Beispiel nicht.

00:23:41: da hat die Schule gesagt nee das können wir nicht machen.

00:23:45: Aber die Schule hat schon die Notwendigkeit gesehen ganz extrem und zwar relativ früh.

00:23:49: Ja muss was passieren.

00:23:51: Das ist ja schon wirklich ganz toll, dass der Kontakt auch so gesucht wurde und Lösungswege vielleicht gemeinsam aufgetan werden konnten.

00:24:02: Es hat relativ schnell, gab es ja diesen Kipppunktübergang von der Grundschule in die weiterführenden Schule und dann ist es da extrem gekippt.

00:24:10: Aufgrund der Bedingungen, wie du hast gerade gesagt, dass ganz viele Lehrer, die Struktur war ganz anders und es gab überhaupt gar keinen Ankerpunkt für so eine Verlässlichkeit.

00:24:20: Ja genau.

00:24:22: Und was war ein erster Lösungsschritt in einer Richtung?

00:24:27: Also was zum Beispiel ... Wirklich auch die Schule, wo wir den Eindruck hatten sie sind bereit wirklich viel zu tun.

00:24:34: Die haben dann für Elisa eine Leserecke eingerichtet damit sie in der Pause nicht auf dem Hof muss und das war dann so ein bestimmter Bereich im Flur wo sie sich dann aufhalten durfte und dann sind auch meistens zwei drei von den anderen Mädchen da mit gewesen und dann haben die da in der pause gesessen haben gelesen.

00:24:53: Das hat dann so ein paar Wochen funktioniert.

00:24:54: Und irgendwann haben Leerkräfte die Pausenaufsicht hatten, die Rüppel, die da gerade Mist gebaut hatten zum Bestrafen, die in diese Leserecke gesetzt.

00:25:03: und dann war natürlich diese Leser-Ecke relativ schnell wieder hinüber ... Frau

00:25:06: Brantelerde!

00:25:07: Genau.

00:25:08: Da hat man auch dran gesehen, dass so'n System Schule nicht beliebig weitgehen kann mit solchen Maßnahmen.

00:25:15: Das war schon sehr hilfreich dieser Leserecke aber sie war eben auch nicht...

00:25:20: Wann ist die Lösung?

00:25:22: Ja, auch diese Stundentafel.

00:25:26: Das hört sich für mich nach gebundenem Ganztag an und das ist halt reguliert da kann man nicht früher gehen.

00:25:34: Da gibt es ganz klare Vorgaben.

00:25:36: unter welchen Bedingungen können Schülerinnen und Schüler eine Reduktion der Stundetafel erhalten war dann erst mal nicht möglich.

00:25:45: Und da muss man sich als Schule halt auch auf den Weg machen, das ist gar nicht so einfach tatsächlich.

00:25:51: Genau und das war ein großes Glück wir hatten eine Sonderpädagogin in der Klasse die Natürlich eigentlich für die zuständig war, die am unteren Ende der Leistungskala sich befanden.

00:26:01: Und auf einmal landete unser Kind da und fühlte sich da tatsächlich auch gesehen und aufgehoben.

00:26:06: Diese Sonderpädagogin hatte zwei-, dreimal vorher schon hochbegabte Kinder aus sehr ungewöhnlicher Art und Weise versorgt.

00:26:13: Da war ein Junge, der ist dann auf einmal ... Als er in der fünften Klasse war, ich glaub, in Biologie in die Zehen gegangen.

00:26:20: Das war für den super!

00:26:22: Solche Sachen haben wir angefangen mit dieser Sonderpedagogin.

00:26:25: Und es gab dann zum Beispiel, als Elisa in der Fünffahr ist sie in Deutsch in einer achten Klasse gewesen.

00:26:31: Da war der Himmel auf Erden, da war sie total glücklich.

00:26:35: Sie war aber sehr akzeptiert und hat mitgearbeitet ganz normal im Unterricht.

00:26:38: Sie hat sogar eine Klassenarbeit mitgeschrieben.

00:26:40: Hat nach den Benotungskriterien der Achtenklasse ne Drei gehabt?

00:26:46: War seelig über diese drei, wo sie sonst immer sagte, was soll ich denn mit diesen Einsen?

00:26:49: Ich hab doch nichts dafür getan!

00:26:51: Das ging aber leider nur ein halbes Jahr ... Weil es dann nicht mehr passte und dann war das wieder weg.

00:26:57: Und was passte da?

00:26:59: Die haben im nächsten halb Jahr Bewerbungsschreiben geübt, und Liebeslyrik.

00:27:03: Da hat die Lehrerin gesagt, was soll ich denn mit einer Fünfklässlerin, wenn wir Bewerbungsschreiber machen und Liebslyrik lesen?

00:27:11: Und dann war's vorbei.

00:27:11: Das war natürlich auch sehr stark eine Lehrer-Persönlichkeitsentscheidung, das war einfach so ne Person von der zu erwarten war, dass die ein kleines Mädchen da wirklich mit reinholen kann.

00:27:21: und genauso war es auch.

00:27:23: Das hätte ja nicht jede Lehrkraft gekonnt oder gewollt.

00:27:29: So gab's halt die klassischen Begabungsförderungssachen.

00:27:31: Sie durfte Lernautonomie, sie durfte Aufgaben weglassen ... die ihr zu leicht waren oder die sie schon geübt hatte, wo sie sagte das kann ich alles schon.

00:27:41: Das ist dann aber gescheitert daran dass Elisa Autistin extrem regelorientiert ist.

00:27:47: und dann stand da so eine Aufgabe drauf und sie sollte die weglassen.

00:27:50: Das ging nicht!

00:27:52: Und dann hatte sich also zusätzlich dazu dass sie sich mit den Aufgaben gelangweilt hat noch den inneren Kampf was sie gesagt bekommen hat du sollst das weglassen und sie konnte es nicht wegl lassen.

00:28:02: Das haben wir halt einfach, im Nachhinein war das alles sonnenklar.

00:28:05: Aber in dem Moment war es wie so ein Riesenrätsel.

00:28:07: Warum lässt du die nicht weg?

00:28:09: Ja ich kann nicht!

00:28:10: Ich muss sie

00:28:10: machen.".

00:28:11: Und sie hat ihr dann auch gemacht?

00:28:13: Mit großem Stress.

00:28:15: Also es gab zum Beispiel so Merckkästen in den Schulbüchern, die die Kinder abschreiben mussten... Da war klar ...ich schreibt die nicht ab.

00:28:23: Das hat sie geschafft aber bei den Aufgaben, die hatte sie gemacht mit großem stressgenau.

00:28:28: Jetzt haben wir schon ganz viel gehört von der Zeit, wie es in der Grundschule gewesen ist.

00:28:32: Übergang in die Weiterführende Schule und es gab ganz viele Brüche aber auch ganz viele positive Wege für Elisa.

00:28:41: Was hat das mit euch als Familie gemacht?

00:28:46: Ich glaube dass hat auf mehreren Ebenen Dinge gemacht also ich war ja quasi immer mittendrin Und habe lange sehr gekämpft mit einem Gefühl von ich hab was falsch gemacht.

00:29:00: Ich habe immer gedacht, ich bin irgendwas Schuld.

00:29:04: Ich hab etwas nicht gesehen an meinem Kind oder ... Ja

00:29:07: klar!

00:29:07: Ich

00:29:07: hab die zu sehr ... keine Ahnung vor der Welt beschützt?

00:29:13: Oder

00:29:13: hätte

00:29:13: sie mir fördern müssen?

00:29:17: Das hast du ja auch gespiegelt bekommen.

00:29:21: Dass du das immer wieder gespiegelt bekommen hast ...

00:29:24: Einerseits hab ich das gespiegelt bekommen, andererseits ist es wahrscheinlich ein absurder Shortcut.

00:29:30: Was macht so ein menschliches Gehirn, wenn's eine Ist-Soll-Differenz gibt?

00:29:34: Irgendwo muss man hin.

00:29:35: Kognitive Dissonanz.

00:29:37: und da alle diese Sachen nicht halfen und wir auch medizinisch nichts fanden und wir so viel positive ... Wir haben wirklich mit allen Menschen im ... Bildungssysteme, mit denen wir unmittelbar zu tun hatten.

00:29:50: Wahnsinniges Glück gehabt!

00:29:51: Die waren alle total auf unserer Seite und es half trotzdem nicht.

00:29:55: Und dann denkste natürlich irgendwann ...

00:29:57: Was stimmt hier nicht?

00:29:58: Wo ist der Missing Link?

00:29:59: Ja genau.

00:30:01: Mir fiel immer nur ein das muss wohl dann ich sein.

00:30:05: Da konnte ich ja wenigstens irgendwas dran tun.

00:30:07: Das war wirklich sehr schwierig.

00:30:09: Das finde auch für meine persönliche Entwicklung als Mutter inzwischen sehr interessant weil das hat glaube ich ganz viel auch zu tun Strukturen, in denen wir uns befinden mit Bildern von was Mutter ist und was Vater ist.

00:30:21: Ja, Erwartungshaltung.

00:30:23: Genau, was Funktionieren ist, was Bildung ist usw.

00:30:26: Es ist eigentlich ein sehr politisches Thema auch.

00:30:31: Und was auch schwierig war, war dass ... Wir als Familie nicht alle am selben Strang gezogen haben.

00:30:38: also ich war sehr aktiv.

00:30:39: Ich bin aber auch so eine Kämpferin.

00:30:41: Ich bin immer wieder neu losgezogen.

00:30:42: Wir haben dann zum Beispiel das haben wir noch gar nicht erwähnt es gab ja in Langenfeld hier diesen großartigen Menschen, der das Begabungszentrum geleitet hat.

00:30:51: Der Robin Flüger?

00:30:53: Da sind wir gewesen.

00:30:54: Ich hab immer neue Wege gesucht und bin rausgegangen.

00:30:57: Ich habe gelesen, geforscht und versucht zu verstehen.

00:31:02: Mein Mann hat das gar nicht gemacht.

00:31:04: Das entstand dann schnell so eine Dynamik von Elisa und ich wie ein eingeschworenes Team.

00:31:09: Und er ist da draußen.

00:31:11: Was ist das an den Gegenden?

00:31:12: auch wirklich sehr schwierig ... Und ich meine, wenn man in so einer Situation nicht irgendwie daran glaubt dass man es doch schafft die Kuh vom Eis zu kriegen dann bleibt einem ja eigentlich nur zu sagen Ja muss mal halt resignieren.

00:31:28: Muss mal irgendwie klarkommen.

00:31:29: und dafür war Ich also ich bin ja selber im Bildungssystem tätig und Dafür war ich zu widerspenstig auch da in So eine Resignation zu gehen und zu sagen ja so ist aber Schule Muss halt mit klar kommen.

00:31:41: Das kann aber nicht der Weg sein?

00:31:43: Nee, das war mir völlig klar, dass es nicht so ist.

00:31:45: Aber das ist auch eine Besonderheit bei mir ... Ich wusste zu viel über Bildung, über Lernen, über Schule, übers Bildungssystem, wenn man so sagen will und war gleichzeitig zu wenig bereit, mein Kind einfach auch so preiszugeben.

00:32:02: Du kannst das nicht anschauen, wenn dein eigenes Kind jahrelang leidet.

00:32:06: Das geht einfach nicht!

00:32:07: Ja, absolut.

00:32:08: Und das war eine schwierige Dynamik, so.

00:32:10: Mhm.

00:32:13: Bis es dann eben soweit war, dass Elisa gar nicht mehr zur Schule gekommen

00:32:16: ist?

00:32:16: Ja genau!

00:32:17: Wie war das an einem Morgen?

00:32:19: Also wie seid ihr in den Tag gestartet?

00:32:21: Das stell ich mir katastrophals schwer vor.

00:32:24: Es gab zwei Schritte also ... In der sechsten Klasse.

00:32:28: bis dahin hatten wir uns durchgehangelt und es kam Corona.

00:32:32: Und es lag gar nicht in unserer Hand ob Schule ist oder nicht.

00:32:35: Es war einfach keine Schule mehr.

00:32:38: Unser Kind blühte auf.

00:32:41: Von Woche zu Woche, zu Woche.

00:32:43: Also was mir so im Kopf geblieben ist, die baute sich auf einmal im Wohnzimmer abends Hindernisse aus Kissen und sprang den ganzen Abend über diese Hindernisse wie ein Pferd, ne?

00:32:54: Ein großer Pferde-Fan natürlich!

00:32:56: Und sprangen und sprachen und sprangen, ich saß da und dachte dieses Kind hat Energie.

00:33:01: abends um zehn das Kind springt über Kissen wie eine wilde Irre.

00:33:05: Das war vorher nicht so.

00:33:07: Die war ja erschöpft.

00:33:08: Ja, genau.

00:33:08: Die hat stundenlang auf dem Sofa gelegen und dann war eben klar Corona zeigt uns da was.

00:33:15: Dann war diese komische Phase mit irgendwie anderthalb Stunden Unterricht alle zwei Tage oder so.

00:33:20: Da haben wir uns durchgeschleppt, dann kamen die Sommerferien Und in den Sommerferieren gab es einen sehr prägen Moment.

00:33:27: Wir waren im Urlaub und sind Im Harz an einem kleinen Ort an einer Grundschule vorbeigefahren Elisa hinten im Auto und auf einmal taucht sie in den Fußraum ab Und mein Mann und ich haben beide gesagt, was machst du da?

00:33:39: Da ist eine Schule.

00:33:40: Ich kann da nicht hingucken!

00:33:41: Und dann hab' ich gedacht, oh Gott, das ist jetzt noch mal etwas ganz

00:33:44: anderes.".

00:33:44: Dann näherte sich das nächste Schuljahr, siebte Klasse stand an... ...und ich habe irgendwann gesagt, weißt du was, Elisa?

00:33:53: Du gehst da nicht mehr hin.

00:33:57: Und dann sind wir natürlich sofort, haben wir Kontakt mit der Schule aufgenommen.

00:34:01: Dann war klar, wir brauchen jetzt eine Diagnostik und eine Basis damit die Schule das mitmachen kann.

00:34:06: Dann kam das eben ... Das war ne Freundin von uns, ne Gesangslehrerin bei der Elisa Gesangsunterricht hat, die sagte irgendwann mal zu mir, ich glaube, ich will dir nicht auf die Füße treten aber ihr müsst da diagnostisch noch ein bisschen woanders gucken?

00:34:20: Nicht nur im Bereich Hochbegabung.

00:34:22: Hat uns ne Praxis empfohlen zum Glück Psychologin dort, die da Diagnostik macht, die sie kannte.

00:34:30: Und das war dann ein Riesenglück und das passte, ne?

00:34:32: Das fiel alles so zusammen.

00:34:34: Die Schule war sowieso erst mal im Corona-Trubel.

00:34:37: Das war quasi der erste Coronawinter, der ran rückte.

00:34:40: Deswegen war auch gar nicht so viel Fokus auf uns.

00:34:44: Wir haben gesagt ... wir haben keine Diagnose, sind in der Diagnastik.

00:34:47: Die Diagnostic zog sich von Oktober bis Mai also praktisch das ganze Schuljahr.

00:34:54: nichts machen, solange wir nicht wissen was los ist.

00:34:56: Wir wissen nur unser Kind geht vor die Hunde wenn wir die da jetzt wieder hinschicken.

00:35:01: und dann haben wir mit der Schule und dem begabten Menschen hier aus der Stadt Langenfeldt und mit der Schulsozialarbeit Und wie Eltern haben so einen runden Tisch gehabt So etwa einmal im Monat das auch unglaublich ist dass die schule das in Corona gemacht hat möglich

00:35:16: gemacht hat ja

00:35:17: Wahnsinn.

00:35:17: also die haben sich wirklich wirklich gekümmert.

00:35:21: Und dann haben wir immer berichtet, was macht Elisa?

00:35:23: Wir haben zu Hause versucht, irgendwelche Lernmethoden zu finden die zu Elisa passen.

00:35:28: Sie hat damals gerade rausgekommen von Michelle Obama dieses Becoming und das gibt es ja für junge Menschen Und das haben wir ihr geschenkt.

00:35:36: Das hat sie gelesen und dann gab es eine Doku auf Netflix über die Lesereise von Michelle Obama zu diesem Buch, da haben wir das angeschaut.

00:35:43: Dann habe ich ihr so Fragen aufgeschrieben.

00:35:45: Was denkst du denn?

00:35:47: Was ist Michelle Obama wichtig und warum macht sie sowas?

00:35:49: Damit haben wir gearbeitet aber natürlich ... Ich hab gearbeitet, mein Mann hat gearbeitet Elisa hatte einfach... Wir haben versucht, das irgendwie zu bauen.

00:36:00: Dann haben wir das immer der Schule berichtet und es hat eine ganze Zeit lang auch funktioniert.

00:36:04: Die Schule war gar nicht auf diesem Weg von Schulpflichtverletzungen oder so.

00:36:08: Da hatten wir natürlich ein bisschen Angst vor.

00:36:11: Aber weil wir so gut im Kontakt waren, war klar ... Das steht erst mal nicht an.

00:36:15: Diagnostik hat erstmal Vorrang?

00:36:17: Das heißt, es gab keine Lernstandserhebungen, Klassenarbeiten,

00:36:22: sowas

00:36:22: alles.

00:36:23: Es ging wirklich darum... dass sie da eben auch kognitiv gefordert wird, ein bisschen zu Hause.

00:36:29: Und

00:36:30: ja das ist großes Vertrauen von der

00:36:31: Schule auch muss ich sagen.

00:36:33: Also absolut!

00:36:34: Ja, das finde ich ganz toll.

00:36:37: Wir haben die auch deswegen ausgesucht, weil wir einfach solche Sachen ... Wir wussten natürlich sowas nicht aber wir wussten, dass die sehr pro Schüler sind und besonders pädagogisch aufgestellt sind.

00:36:49: Deswegen war klar Sie geht nicht hier ins Gymnasium was ja naheliegend gewesen wäre.

00:36:54: bei der Hochbegangen, aber ...

00:36:57: Also eine Schule die zusammen mit euch nach Möglichkeiten gesucht

00:36:59: hat.

00:37:00: Und jetzt war die Phase der Diagnostik, die ihn ein halbes Jahr gedauert hat und am Ende gab's dann wirklich die Klarheit?

00:37:09: Den Durchbruch für euch, weil die Diagnostic dann so klar war?

00:37:13: Ja also es gibt ja laut ICD keine verschiedenen Autismustypen mehr.

00:37:20: wir haben aber trotzdem eine Diagnose gekriegt für atypischen Autismus.

00:37:25: Wir hatten ein Zwischengespräch mit der Psychologin, die Diagnostik gemacht hat.

00:37:29: Da hat sie zu uns gesagt, wissen Sie, Ihre Tochter ist so'n Fall?

00:37:32: Für die ist die Forschung eigentlich noch zehn Jahre zu jung!

00:37:35: Wir müssten eigentlich noch viel mehr wissen... da es ganz viel was nicht zusammenpasst.

00:37:41: aber ich bleibe dran.

00:37:42: und dann hat sie uns wirklich gesagt Ich sitze manchmal am Ende wenn ich alles alle Tests gemacht habe, alle Gespräche geführt hab wie so einen Spürhund Und gehe wochenlang durch dieses Material durch und suche nach Mustern.

00:37:54: Und so ist diese Diagnose zustande gekommen.

00:37:55: Also, wenn man sich das anguckt ... Die Cut-offs sind ganz klar an den jeweiligen Stellen aber total unstrukturiert und viel passt nicht zusammen.

00:38:05: Aber es hat gereicht für die Diagnosis.

00:38:07: Deswegen war das jetzt keine ... Dass man sagt, ja, war doch völlig klar Asperger!

00:38:13: Aber es war eben auf wirklich ... ernsthaft diagnostiziert.

00:38:19: Es war aktenkundig, der Psychiater hat uns dann noch aufgeschrieben er sieht auch eine massive Schulangst.

00:38:27: das war für uns natürlich auch gut.

00:38:29: ich hatte da auch ein bisschen Angst vor weil die Standardtherapie bei Schulangster ist eigentlich Klinik und das wollten wir natürlich auf gar keinen Fall.

00:38:37: aber das hat uns denn die Tür geöffnet für den Weg raus aus der Präsenzschule.

00:38:44: insofern war es auch gut.

00:38:46: Was hat denn die Diagnose bei dir ausgelöst?

00:38:48: Erleichterung.

00:38:49: Ja!

00:38:50: Total,

00:38:51: total.

00:38:53: Also ... dass irgendwas nicht stimmt war ja die ganze Zeit schon völlig klar.

00:39:00: Ich hätte jetzt nichts erschreckt im Sinne von so eine Diagnos hat ja sowas von, da stimmt was mit ihrem Kind nicht, das wusste ich.

00:39:09: Den war ja nicht auszuweichen und die Diagnose war für mich vor allem Eine Lösung für das Formale.

00:39:17: Weil einfach klar war, wir haben jetzt was womit ... Wir können argumentieren und reden.

00:39:23: Und ich war längst auf dieser Schiene mit den Online-Schulen.

00:39:26: Das wusste ich alles schon.

00:39:27: Ich hatte ja sehr viel recherchiert.

00:39:31: Ich hab immer gedacht... Also, wenn ich jetzt mal so total utopisch denke ... Ich glaube das wäre richtig gut für die Elisa.

00:39:37: Und ich wusste aber aus Social Media zum Beispiel oder auch aus Kontakten mit Familien, die ich dann so gefunden hatte, dass das wahnsinnig schwierig ist ne?

00:39:46: Weil das Jugendamt muss mitspielen und muss das bezahlen.

00:39:49: Die Schulbehörde muss das Ruh in der Schulflicht aussprechen.

00:39:52: Auch das passiert je nach Schulbehöde nur sehr widerwillig.

00:39:58: Ja.

00:39:59: Mhm.

00:40:00: Schulamt Düsseldorf ist da eigentlich streng, die machen das nicht.

00:40:04: Und deswegen war das wie so eine Utopie.

00:40:07: Aber ich hatte sie im Kopf und mit der Diagnose war klar wir können jetzt wirklich anfangen diesen Weg zu gehen.

00:40:15: Lernsthaft!

00:40:17: Wie war es diesen Weg?

00:40:18: Du hast jetzt schon ein paar rechtliche Dinge angesprochen.

00:40:20: was musste alles geklärt werden um dann auch in einer Online-Schule hineinzugehen also sich von der ganz normalen... von dem ganz normalen regulären Schulbetrieb zu lösen, was du vielleicht vor euch schon im Kopf hast.

00:40:32: Was ja auch Realität bei euch gewesen ist aber das jetzt offiziell zu gehen?

00:40:36: also was mussten da alles für Schritte in die Wege geleitet werden?

00:40:40: Naja also du bist ja nicht mehr in der Regelbeschulung d.h.

00:40:45: Du musst irgendwie klar haben dass du die Schulpflicht nicht erfüllst, die ja gesetzlich geregelt ist bei uns in Deutschland.

00:40:54: Deswegen muss das Schulamt die erlauben, dass die Schulpflicht ruht.

00:41:00: Das wird meistens nur temporär erlaubt also für ein Schuljahr zum Beispiel weil die Idee natürlich ist das eine Maßnahme ist die dazu führen soll, dass dieses Kind wieder zurück in die Schule gehen kann.

00:41:12: Das war der eine große Pfad und der andere ist natürlich irgendjemand muss das bezahlen, weil diese Online-Schulen sind natürlich teuer.

00:41:20: Das hätten wir nicht bezahlen können Kennt tatsächlich Familien, die das selber bezahlen.

00:41:24: Dann ist schon mal diese Seite weg, aber das war bei uns nicht drin.

00:41:27: Das sind, glaub ich, ein Tausend Fünfhundert Euro im Monat, die es dann kostet.

00:41:31: Und da muss dann das Jugendamt quasi ... Also wir haben diesen Paragraf-Fünfundreißig A Teilhabe und online Schulen sind im Prinzip Jugendhilvereinrichtungen, wo Unterricht passiert.

00:41:43: Ja.

00:41:43: Das Jugendamt muss sagen okay, wir sehen dass hier eine Teilhabegepferdung ist und wir unterstützen das so.

00:41:51: Wir hatten das Glück, dass wir ... Das war auch mal so eine Irrsinn-Aktion von mir.

00:41:57: Um den Jahreswechsel rum in der Diagnostik hab ich gedacht, ich habe so ne Angst vom Jugendamt!

00:42:02: Ich rufe da jetzt einfach an.

00:42:04: Da bist du nicht alleine?

00:42:05: Das ist flächendeckend.

00:42:07: Also

00:42:07: Panik vor dem Jugendamt.

00:42:08: Es gibt ja leider furchtbare Geschichten.

00:42:11: Ich kenne ganz viele Geschichten, wo die Leute wirklich über Jahre ... die Unterstützung nicht kriegen, die sie eigentlich bräuchten.

00:42:19: Das ist das, was man wahrnimmt?

00:42:21: Das sind immer diese schrecklichen Geschichten ... Die gibt es auch!

00:42:24: Wir müssen gar nicht darüber sprechen.

00:42:27: Aber das andere nimmt man eben nicht wahr.

00:42:29: Nee, weil das auch nicht so in die Öffentlichkeit gerät.

00:42:31: und was wirklich verrückt war, ich hab da angerufen und ich wusste aus der Schule welche Personen möglicherweise für uns zuständig sein könnten im Jugendamt.

00:42:39: Ich hatte so einen Namen im Ohr und genau diese Person ging dran, hatte Tagesdienst.

00:42:44: Und dann habe ich gesagt Ich muss Sie jetzt mal was ganz Verrücktes fragen.

00:42:48: Ich hab hier ein hochbegabtes Kind, das nicht zur Schule gehen kann und ich weiß nicht, was ich machen

00:42:52: soll.".

00:42:52: Und dann sagte die zu mir, mein Gott muss das anstrengend sein für sie!

00:42:56: Da habe ich erst einmal eine Runde geheult.

00:42:58: Dann haben wir ne halbe Stunde telefoniert und hat sich herausgestellt, die hatte auch ne halbes Jahr vorher einen hoch begabten Autisten der ... Dann glücklich wurde in einem Internat, der war aus seiner Familie raus zu sein.

00:43:11: Der kam in so einen Spezialinternat für Hochbegabte und das hatte die gerade hinter sich.

00:43:16: Deswegen waren bei dir die Türen so offen?

00:43:18: Ja genau sie kannte das schon.

00:43:21: Ihr habt euch ja auch noch parallel dazu therapeutische Unterstützung gesucht.

00:43:28: Wie war da die zeitliche Schiene?

00:43:30: War das deutlich nach der Diagnostik schon, also nachdem das mit der Online-Schule angelaufen ist.

00:43:38: Ja wir haben immer gesagt jetzt erstmal dieser Wechsel mit der Schule ist genug an neuem Umstand und Elisa musste ja auch erst mal wieder in sowas rein finden wie ein regelmäßiges Lernen Und am Anfang in der Online-Schule hatten wir den Eindruck, die musste sich auch erst mal ganz neu kennenlernen als jemanden, der auch leistungsfähig ist und der Freude hat.

00:43:59: Auch dieses Alleinarbeiten ... Du sitzt da vor deinem Rechner wie so ein Erwachsener, kriegst eine Aufgabe und musst die alleine.

00:44:04: Das ist völlig anders alles!

00:44:06: Wir haben gesagt, solange da jetzt der Einstieg läuft machen wir nicht parallel noch irgendwas anderes.

00:44:11: Wir haben uns aber natürlich schon auf Wartelisten schreiben lassen Also eine autistische Jugendgruppe für Autistische Jugendliche.

00:44:24: Und ich glaube, wir haben da noch mal ein Jahr gewartet bis wir eine Einzeltherapie hatten.

00:44:29: Das hat ziemlich lange gedauert

00:44:30: ... Schon immer Zeitraum, das muss ich auch sagen.

00:44:33: Wobei, ich glaube dass was wir so an Maßnahmen hatten dieses Reinfinden in die Schule überhaupt erst einmal verstehen.

00:44:41: Ich bin sicher!

00:44:41: Das hat bei Elisa auch ganz lange gedauert, bis sie das Gefühl hatte ich bin sicher ich muss nicht mehr plötzlich morgen doch wieder in die schule gehen und dann war ja Corona Da hatten sowieso alle sehr viel damit zu tun.

00:44:52: Dann waren zum Beispiel so Kleinigkeiten, ne?

00:44:54: Eine Nachbarin von uns ist Tierärztin, die hat ein Pferd und mein Mann kam auf die großartige Idee zu fragen, kann ich die Elisama da ein bisschen das Pferdd

00:45:02: pflegen?".

00:45:04: Und so was fing dann an.

00:45:05: Auf einmal war sie zweimal in der Woche im Stall und hatte einen Pflegepony.

00:45:08: Es war wahnsinnig dran gewachsen!

00:45:11: Das war ganz toll für Sie.

00:45:12: Das hat sie immer noch.

00:45:13: Das Pflege-Pony geht immer noch zwei Mal in einer Woche hin.

00:45:17: Wir haben auch gewusst ... nicht mal eben so eine neue Welt erfinden, dann läuft das alles.

00:45:23: Wir müssen ganz langsam mit Elisa und die musste wirklich auch erst einmal heilen.

00:45:26: Die war wirklich sehr angeschlagen auch und auch sehr erschöpft und sehr unglücklich mit sich.

00:45:33: Die musste sich erstmal neu kennenlernen, sie musste verstehen was für ein Diagnose ist?

00:45:38: Was heißt denn das?

00:45:40: Das haben wir auch sehr langsam gemacht mit Schattenspringer.

00:45:42: Das ist eine Comic-Serie von einer autistischen Illustratorin.

00:45:46: Ganz toll!

00:45:49: verarbeiten konnte, damals.

00:45:52: Und ja die Therapie.

00:45:53: ich meine es fingen... ...Dreiundzwanzig im Herbst fing die Einzeltherapie glaube ich an.

00:46:03: Aber das ist etwas was so gerade erzählt dass dieses langsame hereinfühlen ihn vielleicht ein ganz anderes Selbstbild.

00:46:09: oder Ich fange an mich zu verstehen Das hat gut funktioniert

00:46:16: würde ich im Nachhinein sagen, da kam natürlich viel zusammen.

00:46:20: Corona kam zusammen, Elisabeth war dreizehn, das ist ja auch so ein Alter, wo sowieso sich viel verändert.

00:46:25: und dann kam diese Diagnose und die Veränderung nicht mehr zur Schule zu gehen ... Ja?

00:46:33: Also man konnte das wirklich beobachten wie sie wuchsinnerlich.

00:46:39: Und sich ganz neu kennenlernte.

00:46:41: Sie hat das heute noch manchmal, dass sie sagt, innerlich noch so schnell an diesem Punkt ist, wo sie denkt oh Gott ich muss jetzt eigentlich irgendwas hier leisten in der Schule und ich kann aber eigentlich gerade nicht.

00:46:53: Das ist ganz tief immer noch in ihr drin.

00:46:55: das ist glaube ich wirklich einfach auch eine große Belastung für Sie gewesen und da erstmal so langsam raus auszusteigen hat gedauert aber hat auch funktioniert.

00:47:06: Ich glaube auch, weil wir so gnadenlos unterstützend waren.

00:47:08: Wir haben einfach... Also es war überhaupt kein Ansatz von jetzt reiste ich mal zusammen oder?

00:47:14: Du müsstest doch jetzt mal oder stelle dich nicht so an oder so.

00:47:17: das gab's bei uns zu Hause nicht.

00:47:19: Das war verboten quasi!

00:47:21: Ja, auch Hoffnungslosigkeit war verboten.

00:47:25: Das ist so dieses ... Da hab ich das Gefühl, dass du immer das Licht hochgehalten hast

00:47:30: und ganz

00:47:31: viel dafür getan hast.

00:47:33: Wenn wir nicht nach rechts gehen, dann gucken wir mal, dass wir halb rechts gehen oder geradeaus, ne?

00:47:39: Dass du ganz viel...

00:47:42: Ich find das irre wieviel Energie da drin steckt.

00:47:44: Also wiev-wieviel ...

00:47:46: Ich

00:47:47: muss jetzt fragen, wo hast du die hergenommen?

00:47:49: Frag mich nicht!

00:47:50: Okay, ich frag dich nicht.

00:47:51: Also

00:47:51: das ist echt Wahnsinn.

00:47:53: Ja, ich glaube es ist einfach die schiere Liebe zu meinem Kind und ich bin tatsächlich jetzt auch in keinem so richtig guten Zustand.

00:48:07: also ich brauche jetzt diese Phase wo ich ganz viel heilen zur Ruhe kommen selbst für Sorge mal wieder verstehen wie sich das anfühlt wenn ich Zeit habe mich um mich zu kümmern.

00:48:19: neu und gewohnt Lern ich gerade.

00:48:25: Ja, weil du der Anker warst?

00:48:27: Also das konntest du dir ja nicht leisten in der Phase irgendwie auszusteigen, sondern du warst die verlässliche Basis im Grunde.

00:48:36: und nicht nur die verlessliche Basi, sondern auch die Person, die nach neuen Wegen gesucht hat, Zusammenhänge gefunden hat sich weiter informiert hat.

00:48:47: Bin ich auch heute noch ... Und ich merke jetzt, wo Elisa so groß ist mit achtzehn und eigenständig.

00:48:53: Und so viel für sich selber auch geschafft hat ... dass das eine total schöne Sache ist, einen Anker zu sein.

00:48:58: Das ist wunderbar!

00:48:59: Eine ganz tiefe Bindung.

00:49:02: Wir sind ne wunderbare Mädchen-WG, sag' ich immer.

00:49:05: Es ist halt längst nicht mehr anstrengend wie früher.

00:49:08: Wenn man das vergleichen würde mit anderen Leuten, die achtzehntjährige Töchter haben, ganz was anderes?

00:49:13: So Themen wie Party-, Trinken-, Drogen ... wilde Sachen machen, das haben wir alles nicht.

00:49:20: Das sind keine Ängste mit denen ich mich rumschlagen

00:49:23: muss.".

00:49:24: Ich glaube da sind wir sehr anders unterwegs als die meisten anderen aber jetzt funktioniert das gut, jetzt...

00:49:33: Habt ihr euch dann neu erfunden oder ist das wirklich gewachsen über die Zeit?

00:49:37: Mit all den Schwierigkeiten und auch positiven Elementen?

00:49:42: Ich glaub wir beide hatten diese Verbindung schon immer.

00:49:45: aus irgendeinem Grund sind wir schon immer weiß ich auch nicht.

00:49:50: Vielleicht sind wir uns zu ähnlich oder so, weiß ich nicht kann ich dir gar nichts sagen.

00:49:55: also es ist einfach da.

00:49:58: aber wie sieht denn?

00:49:59: sagt doch uns ein paar mal wie sieht die Situation heute aus?

00:50:02: Also was ist so?

00:50:04: Stand der Dinge?

00:50:05: ja das ist natürlich auch.

00:50:07: also da bin ich.

00:50:08: auch muss ich auch wirklich sagen dass erzähle ich gerne weil Elisa dann auf der online Schule ihren real schulabschluss gemacht hat als externen Schülerin.

00:50:16: du bist ja dann quasi muss extern an eine Schule gehen und da deine Prüfung schreiben.

00:50:23: Deine mündlichen Prüfungen machen und so,

00:50:24: aber das ist ja auch unfassbar aufregend

00:50:26: oder?

00:50:27: Ja vor allem also die haben sechs mündliche Prüfungs an einem Tag gehabt alle Fächer.

00:50:33: Also gnadenlos wo man sich denkt hey das sind Schüler Schülerinnen und Schüler die nicht regulär in die Schule gehen können und die müssen dann so ein Klopper am Ende Ja, das sind

00:50:42: dann fünfzehn.

00:50:43: Würde ich sagen oder?

00:50:44: Fünfzehn,

00:50:44: sechzehn Jahre.

00:50:45: Genau.

00:50:46: Wow!

00:50:47: Und wir haben immer vorher gedacht, boah nee jetzt noch in die Oberstufe auf der Online-Schule was nicht mehr im eins zu eins geht sondern im Klassenverband.

00:50:55: Achtunddreißig Stunden ... Nee es waren keine acht ... Es waren achtundzwanzig wären's glaube ich gewesen auf der Onlineschule Inzoom mit schwarzen Kacheln.

00:51:04: Das ist es nicht mehr.

00:51:05: und dann war klar Wir würden den Schritt wagen dass Elisa wieder auf eine Regelschule geht.

00:51:10: Und dann fing eine Zeit der Schulsuche an.

00:51:13: Wir haben drei Schulen angeguckt, sehr intensiv und zwei waren dann auch wirklich so.

00:51:18: das wir gesagt hätten ... Das ist eigentlich ne Entscheidung zwischen zwei sehr guten Alternativen.

00:51:24: War das für Sie auch klar?

00:51:25: Ja, sie

00:51:26: wollte das auch.

00:51:28: Aber es war klar, sie geht nicht mehr an ihre Schule zurück, obwohl da einiges an Maßnahmen ... obwohl ihr euch da auch gestützt und gesehen gefühlt habt, war aber klar.

00:51:40: Das ist nicht mehr die Schule, wir gehen ... doch in einen.

00:51:44: Da ist sie jetzt!

00:51:45: Ach so?

00:51:46: Ah, okay.

00:51:47: Weil das hab ich schon

00:51:48: spannend.

00:51:51: Wir wussten's ja nicht, ne?

00:51:53: Es gibt in Düsseldorf so eine Schule, die haben ein Schwerpunkt, weiß gar nicht wie der heißt, Deutsch- und Literatur.

00:51:59: Mhm.

00:52:00: Da hätte sie ... Theater gehabt und Literatur und Psychologie und journalistische Schreiben und so eine Folierding.

00:52:08: Die war sehr ernsthaft im Betracht, dass wir machbar gewesen.

00:52:13: und dann eben die Schule auf der sie früher war.

00:52:16: Und die ist natürlich mit zehn Minuten Fahrradentfernung noch ein bisschen einfacher.

00:52:21: Und es war wieder so, dass sie sich so unglaublich nett gekümmert haben.

00:52:25: Also wir sind zu Eltern und Kinder ... also Eltern- und Schülergesprächen da gewesen.

00:52:29: Sie hat hospitiert, sie hat sogar die Stufenleitung, jetzt ihre Stufen leitung ist, kam auf die Idee du könntest doch eigentlich mal bei uns eine Klausur mitschreiben?

00:52:38: Dann siehst du mal wie das ist, ob du dich da konzentrieren kannst wenn du damit zwanzig anderen.

00:52:43: Dann hat die Online-Schule eine Klausur gestellt und Elisa ist mit ihrem eigenen Material dahingegangen.

00:52:49: Und hat dann ganz normal eine reguläre Klausure mitgeschrieben, also das war großartig wie sie sich gekümmert haben.

00:52:56: Und dann ist dieser Sprung ... Das war natürlich sehr aufregend aber es war relativ schnell klar, dass war genau die richtige Entscheidung.

00:53:03: jetzt in der QEins.

00:53:06: Ist ne Superschülerin geht da gerne hin, hat Freunde

00:53:11: Und das ist wirklich erstaunlich, wie du schon sagst.

00:53:13: Es ist ein Sprung!

00:53:14: Das ist ja auch für sie einen Sprung.

00:53:15: Für dich ist es eine Sprung... Da passiert plötzlich etwas was vorher gar nicht möglich war.

00:53:22: Warum war's jetzt möglich?

00:53:23: Weil hat Sie die Entscheidung für sich gefällt?

00:53:25: War das so aus dem Innersten heraus und das war jetzt der Antrieb.

00:53:29: Dazu bin ich jetzt bereit.

00:53:30: Ja

00:53:31: Ich glaube je älter sie wird desto mehr kommt Diese hochbegabte Seite nach vorne und will einfach die Welt kennenlernen.

00:53:39: Das ist ganz stark auch, sie hat Hunger!

00:53:42: Sie will Sachen verstehen, sie will raus, sie wollen Sachen erleben auch.

00:53:46: Sie ist jetzt im letzten Jahr in so einem internationalen Jugendcamp gewesen von den Lions wo ich im Leben nicht gedacht hätte dass sie das jemals machen würde.

00:53:56: Hat sich beworben wurde ausgewählt ist in der Gastfamilie gewesen war zehn Tage im Camp mit zwanzig Leuten aus achtzehn Ländern

00:54:05: Also was ganz anderes.

00:54:07: Ja, aber sie will

00:54:08: ... Sie ist wie ausgewechselt, wenn man sich das so anhört?

00:54:12: Die empfindsame Elisa, die schnell überfordert ist, die ist immer noch da.

00:54:17: Aber sie kennt die und sie kennt sich sehr viel besser.

00:54:20: Und sie kann sehr genau... Manchmal auch nicht, aber das haben wir ja alle.

00:54:24: Manchmal überzieht man sich aber.

00:54:26: Sie kann sich selbst auch besser einschätzen?

00:54:28: Ja!

00:54:29: Und auf Situation vorbereiten?

00:54:31: Ja.

00:54:32: Also, sie hat richtig auch ihre Strategien.

00:54:34: Sie hat ihre Stimmingsachen.

00:54:35: Sie weiß wann sie ... Sie hat Kopfhörer zum Beispiel die Noise-Canceling haben.

00:54:40: Sie weiss wann sie mal alleine in der Pause, obwohl sie diese beiden Freundinnen dann immer trifft.

00:54:45: aber sie weiß auch dass sie mal allein durch die Pausenhalle laufen muss oder mal ganz in der Ruhe in der Ecke sitzen muss.

00:54:51: das macht sie inzwischen wahnsinnig gut.

00:54:53: also sie hat wirklich rausgefunden.

00:54:54: du hast eben den Begriff regulieren gesagt ne?

00:54:58: an ganz vielen Stellen, wie sie sich gut regulieren kann.

00:55:01: Und sie lernt wahnsinnig gerne, ne?

00:55:02: Sie sitzt einfach da im Unterricht und findet's spannend... ...und ist wach und ist dabei und arbeitet zu Hause gerne, na?

00:55:09: Sie macht das einfach auch gerne!

00:55:12: Jetzt waren wir in vielen Bereichen einfach im Themenfeld Neurodivergenz was für uns jetzt sag ich mal eine ganz lebhafte Darstellung gewesen ist.

00:55:22: bislang und es zur Neuro-Divergänze haben wir jetzt gerade ganz viel über Autismus gehört.

00:55:27: Seid ihr aber auf dem Weg noch eine zusätzliche Diagnose hinzuzunehmen, nämlich wahrscheinlich ADHS?

00:55:38: Wie gehst du damit und oder wie geht deine Tochter damit um dass das jetzt plötzlich neues Thema ist was da ist.

00:55:46: Ja das ist so ähnlich wie dieses.

00:55:49: es ist ja nicht neu es ist schon immer da gewesen.

00:55:53: Ich hab mich nicht viel mit ADHS beschäftigt, was an einem vorbeifliegt.

00:55:56: Wenn man in dieser Szene unterwegs ist und Elisa hat ... Tatsächlich über Social Media entstehen ja grade ... Also es gibt sehr gute Kanäle.

00:56:05: Und es gibt immer mehr den Begriff des Audi-HSs, also Autismus und der ADHS.

00:56:10: Wo früher?

00:56:11: Ja!

00:56:11: Wenn du eine Autismusdiagnose hattest, war das die Garantie dafür, dass du keine ADHS-Diagnose hatte.

00:56:16: Das hat sich innerhalb von wenigen Jahren total verändert.

00:56:19: also ich glaub da ist auch wirklich ... Die Forschung sehr in Bewegung gerade.

00:56:25: und dieses AudiHS ist so, dass Elisa sagt ja damit kann ich was anfangen.

00:56:29: Also es gibt so ein Meme wo dann der Autist sagt Ich kämpfe wenn ich meine Routinen nicht hab Und der ADHSler sagt, ich kämpfe, wenn ich immer dasselbe machen muss.

00:56:45: Der ADHSlar sagt ... und das kennt ihr dieser!

00:56:50: Das seh ich auch von außen.

00:56:52: Das ist wirklich nachvollziehbar.

00:56:54: Man könnte jetzt meinen, was wollt ihr denn?

00:56:55: Ihr habt schon eine Diagnose.

00:56:57: Jetzt macht doch da nicht noch so ein

00:56:58: Wind.

00:56:59: Fast auf.

00:57:00: Aber es macht Sinn.

00:57:02: Gerade so mit der Perspektive auf Studium und sich selber organisieren.

00:57:07: Und vielleicht auch irgendwann mal einen eigenen Haushalt haben, dass das vielleicht einfach wichtig ist, das noch zu wissen.

00:57:18: Ja, um sich selbst auch einzuschätzen.

00:57:20: Also es steht ja jetzt, sag ich mal allein auf dem Boden und mit beiden Füßen ... Und muss sich auch selbst organisieren?

00:57:27: Das tut sie ja auch.

00:57:28: Und zwar großartig!

00:57:30: Und je mehr Puzzleteile hinzukommen und für sich selbst so ein ganzes Bild zu haben, das ist enorm wichtig für Sie.

00:57:35: Und das ist ja was, was wir auch erlebt haben.

00:57:37: Sowohl die Erkenntnis Aha Das ist eine Hochbegabung.

00:57:41: Was heißt denn das?

00:57:42: Da kann man sehr viel lernen drüber und das macht was mit einem, genauso wie die Erkenntnis Autismus.

00:57:49: Und so wird es jetzt auch wieder sein, wenn wir eine Diagnose kriegen oder wenn sie eine Diagnose kriegt, wird das auch wieder so etwas sein wo's heißt ... Ah okay!

00:57:56: Es macht einfach einen großen Unterschied, man guckt anders hin.

00:57:59: Man kann natürlich auch die Phänomene beobachten und sich fragen hat das was mit mir zu tun?

00:58:05: Da kann auch schon viel passieren, glaub ich.

00:58:07: Aber es ist was anderes, finde ich, wenn's dann noch mal so wirklich geklärt is'.

00:58:13: Ja in allen diesen Bereichen ist es ja so dass wenn eine Diagnose gestellt wird, TherapeutInnen sagen das wesentlich oder ein ganz wesentlicher Baustein ist Psychoedokation.

00:58:25: und genau da seid ihr unterwegs, dass man Zusammenhänge sieht zusammenhänge erkennt Situationen klopft auch.

00:58:36: Und das kann sehr entlastend sein, weil man versteht was passiert denn da gerade?

00:58:42: Sowohl für dich als Mama aber auch ganz genau so und in erster Linie für Elisa als Betroffene, aber eben auch für Menschen die sie unterrichten

00:58:52: oder... Genau!

00:58:55: Das ist wirklich etwas, was eine Menge macht, dass es nicht Unfreundliches Verhalten irgendwie abgestempelt

00:59:03: wird oder komisch.

00:59:06: Genau, ja genau.

00:59:09: Jetzt möchte ich so relativ am Ende einen Blick nach vorne werfen.

00:59:13: was wünschst du dir für deine Tochter?

00:59:19: Also Ich wünsche mir dass sie noch mehr Zutrauen zu sich fasst Dass Sie eigentlich die Dinge die das Leben für sie bereithält bewältigen kann.

00:59:33: Sie ist noch sehr in diesem Schoenraum zu Hause und sie sagt selber auch immer, ach ich bin gar nicht so richtig selbstständig.

00:59:40: Werde ich das denn alles mal irgendwann können?

00:59:44: Und das wünsche ihr dass das so ist.

00:59:46: Ich wünschte ihr dass sie vielleicht ein Studium findet was sie begeistert.

00:59:50: also ich bin ein Begeisterter Hochschulmensch.

00:59:54: Ich arbeite ja auch an der Hochschule.

00:59:55: Ich finde Hochschulen sind etwas ganz ganz Tolles.

00:59:58: Akademisch arbeiten ist was ganz Tolles und ich glaube, dass das zu ihr gut passen würde.

01:00:05: Dass sie irgendwas findet, wo sie einfach sagt ja, das trägt mich, begeistert mich, da kann ich wirksam sein.

01:00:11: Da kann ich meine Bedürfnisse mitversorgen und kann aber auch in der Welt ... Ich glaub es ist sehr wichtig, auch zu wirken.

01:00:20: Einfach einen Unterschied zu machen und eine bedeutsame Tätigkeit zu finden so.

01:00:27: Das wünsche ich ihr!

01:00:29: Und gibt es etwas, was du Eltern mitgeben möchtest?

01:00:33: Die vielleicht an einem ganz anderen Punkt stehen in der Entwicklung mit ihrem Kind aus deiner jetzigen Perspektive heraus.

01:00:43: Also ich würde immer sagen auf der Seite des Kindes zu stehen ist das allerwichtigste.

01:00:48: Mich schmerzt das immer sehr wenn Eltern über das Bedürfnis sozial angepasst zu sein die Kinder in sowas reinziehen.

01:00:58: so wie Du musst aber funktionieren.

01:01:01: Können wir keine Rücksicht draufnehmen?

01:01:03: Diese Klassiker stelle ich nicht so an oder

01:01:05: so.".

01:01:06: Ich glaube, das ist ganz schlimm für die Kinder, weil das einfach denen den Boden unter den Füßen wegzieht und ... Das Auszuhalten, dass man zu seinem Kind steht und dass das Kind nicht so ist wie die Welt es gerne hätte.

01:01:18: Das ist nicht leicht, aber ich glaube, wäre wichtig, dass Eltern das tun.

01:01:24: Und dann findet man Lösungen.

01:01:25: Also das ist, glaub ich, die Basis von allem!

01:01:29: Die Lösungen sind dann manchmal ein bisschen mühsam oder ein bisschen kompliziert, aber sie sind nicht mehr...

01:01:35: Nicht unerreichbar.

01:01:36: Ja

01:01:36: genau.

01:01:39: Antonia vielen Dank dass du uns heute so offen mitgenommen hast in eure Familiengeschichte In eurer Fragen, eure Brüche auch in eure und in deine Kraft über die ganze Zeit.

01:01:52: Deine Erzählung machen deutlich das es auf diesem Weg nicht um sagen wir schnelle Lösungen geht sondern um zu hören vor allem um aushalten und immer wieder neu nachjustieren.

01:02:05: Und darum, ein Kind – und vor allem dein Kind – immer wieder

01:02:09: neuzusehen.".

01:02:11: Ja, danke schön dass ich hier sein durfte!

01:02:14: Wir hoffen das dieses Gespräch an den Eltern wirklich Mut macht.

01:02:17: Mut dem eigenen Gefühl zu trauen?

01:02:19: Ich finde das hast du so plausibel dargestellt.

01:02:22: Mut Umwege zuzulassen also dieses Gratlinie nicht.

01:02:25: Mut auch sich Hilfe zu holen.

01:02:27: Auch wenn der Weg alleine zu schwer wird ist es eben gut Nach rechts und links zu gucken, welche Unterstützungssysteme kann ich aktivieren?

01:02:34: Vielen vielen Dank für deinen Vertrauen.

01:02:36: Und danke euch fürs Zuhören!

01:03:06: Bis zur nächsten Folge von Bunte Horizonte.

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