Autismus #06: Neurodivergent aufwachsen - Elisas Geschichte

Shownotes

In dieser Folge von Bunte Horizonte wechseln wir die Perspektive.

Nachdem wir in den vergangenen Episoden mit Wissenschaftler:innen, Therapeut:innen und erwachsenen Betroffenen gesprochen haben, kommt heute eine junge Frau selbst zu Wort: Elisa ist 18 Jahre alt und erzählt offen von ihrem Weg.

Wie fühlt es sich an, mit einer Neurodivergenz aufzuwachsen? Wie erlebt man Schule, wenn Anforderungen, soziale Situationen und Reize immer mehr Kraft kosten? Und wie verändert sich der Blick auf das eigene Leben, wenn eine Autismusspektrumsdiagnose erst spät gestellt wird und heute zusätzlich eine ADHS-Diagnostik im Raum steht?

Elisa nimmt uns mit in ihre Grundschulzeit, berichtet vom schwierigen Übergang auf die weiterführende Schule, von Phasen, in denen Schulbesuch kaum noch möglich war, und davon, wie sie ihren ganz eigenen Weg Schritt für Schritt wiedergefunden hat.

Es geht um weit mehr als Diagnosen. Es geht um das Gefühl, anders zu sein, um Selbstzweifel und Selbstverständnis, um Freundschaften, Erwartungen und darum, sich selbst immer besser kennenzulernen.

Ein ehrliches, bewegendes Gespräch – und eine Perspektive, die viel zu selten gehört wird.

Themen dieser Folge Neurodivergent aufwachsen Schule aus der Sicht einer Jugendlichen Späte Autismusspektrumsdiagnose Hochbegabung und ihre Auswirkungen ADHS – offene Fragen und Diagnostik Schulvermeidung und alternative Lernwege Selbstbild, Identität und Erwachsenwerden Wünsche an Schule und Gesellschaft

In der nächsten Folge betrachten wir denselben Lebensweg aus einer anderen Perspektive: Elisas Mutter Antonia erzählt, wie sie den Weg ihrer Tochter erlebt hat und welche Spuren diese Jahre bei ihr und ihrer Familie hinterlassen haben.

Transkript anzeigen

00:00:00: Und dann kamen auch immer mal so Sachen dazu wie Schulschwimmen.

00:00:02: Das war die Hölle für mich, das Ganze überhaupt also Turnhallen fand ich schon schwierig.

00:00:08: und dann sind aber Schwimmbäder unglaublich laute Orte wo unglaublich viel gleichzeitig passiert in der ständigen Druck Ich konnte lange nicht schwimmen wirklich für mich auch sehr wichtig weil ich noch nie gut Kontrolle abgeben konnte.

00:00:22: Ich hatte noch nie das Gefühl mich wirklich gut fein lassen zu können und ich glaube ich war immer schon und das habe ich auch heute noch die Tendenz war ich ein Einzelkämpfer Und wie ich einfach immer mehr meinen Glanz verloren habe und immer mehr von meiner Persönlichkeit, weil ich einfach nicht mehr konnte.

00:00:38: Die Energie war nicht da!

00:00:41: Ich glaube man funktioniert in einer Gesellschaft nicht gut wenn man das nicht hat.

00:00:45: Ich glaube es ist sehr schwer in der Gesellschaft klar zu kommen, wenn man sich gar nicht einsortieren kann wo man steht.

00:00:53: Was bedeutet es eigentlich als Kind oder Jugendliche mit einer Neurodivergenz aufzuwachsen?

00:00:59: Wie fühlt sich Schule an, wenn Dinge die für andere selbstverständlich erscheinen jeden Tag aufs neue Kraftkosten?

00:01:06: Und was macht es mit einem jungen Menschen, wenn die eigene Erklärung für all das erst viele Jahre später gefunden wird.

00:01:13: In den vergangenen Folgen haben wir mit WissenschaftlerInnen, Therapeutinnen und auch erwachsenen Betroffenen gesprochen.

00:01:20: Heute richten wir dem Blick auf eine Perspektive, die wir bisher noch nicht gehört haben Die einer jungen Frau Elisa.

00:01:27: Dabei geht es heute nicht nur um Autismus oder ADHS.

00:01:30: Es geht, um das Gefühl anders zu sein!

00:01:33: Es geht um das Erwachsenwerden, um Schule, Freundschaften, Erwartungen und darum sich selbst immer besser kennenzulernen.

00:01:40: Und in einer späteren Folge werden wir diesen Weg auch noch einmal aus der Perspektive ihrer Mutter betrachten Denn genau darin legt ihr besondere Kraft dieser beiden Gespräche Bunte Horizonte Vielfalt verstehen.

00:01:57: Mit Dirk und Lenka Christ.

00:02:06: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Bunte Horizonte.

00:02:09: Heute haben wir einen besonderen Gast bei uns, Elisa herzlich Willkommen!

00:02:14: Schön dass du bei uns bist.

00:02:15: Vielen Dank das ich hier sein darf.

00:02:17: Elisa bevor wir ins Gespräch einsteigen magst Du Dich kurz vorstellen?

00:02:22: Also... Ich bin Elisa, ich bin achtzehn Jahre alt.

00:02:25: Wohn in einer Kleinstadt und gehe gerade in die Oberstufe und geh langsam aufs Abitur zu.

00:02:31: Ich bin Autistin mit Verdachtsdiagnose auf ADHS nach Hochbegabung, also so ungefähr alles was geht.

00:02:37: Ähm ... Ich liebe Tiere!

00:02:40: Bin gerne musikalisch unterwegs, bewege mich gerne und verbringe meiner Zeit ansonsten mit sehr viel Lesen.

00:02:47: Wenn man deine Freundinnen fragen würde, was würden sie über dich sagen?

00:02:52: Gute Frage.

00:02:53: Ich glaube, das Schönste, was einer Freundin über mich gesagt hat ist ... dass ich ein Regenbogen sei.

00:03:00: Weil ich sehr facettenreich bin und was ich von meinen Freunden oft zu hören bekomme.

00:03:06: Ich würde mich gar nicht als übermäßig fröhlichen Menschen beschreiben.

00:03:10: Aber ich glaub, ich hab eine Art, dass sich Menschen irgendwie einlade mit mir ins Gespräch zu kommen.

00:03:15: Das kann ich nur bestätigen, das stimmt.

00:03:16: Wir haben ja jetzt gerade schon ein bisschen Vorlauf gehabt und so warm ab und da muss ich sagen, dass kann nicht unterstreichen?

00:03:22: Ja, das ist richtig!

00:03:23: Ja, es war sehr leicht und sehr... Ja, sehr flüssig.

00:03:28: wir freuen uns auf die nächsten Minuten.

00:03:30: Ich mich auch ganz genau.

00:03:33: Wir gehen mal so ein bisschen zurück, weil wir sprechen ja jetzt nicht mit dir.

00:03:37: Weil du ein netter fröhlicher junger aufgeschlossener Mensch bist ... Doch eigentlich auch deshalb!

00:03:43: Aber wir sprechen auch mit dir, weil in deiner Vergangenheit ganz schön viel passiert ist und du einen Weg gegangen bist den anderen jungen Menschen so nicht unbedingt gehen.

00:03:56: Wenn du an deine Grundschulzeit denkst Wie war das für dich?

00:04:01: Ich glaube, in Retrospektive rede ich mir meine Grundschulzeit gerne schöner als sie war tatsächlich.

00:04:07: Ähm ... Ich bin gerne in die Grundschule gegangen.

00:04:10: so ist nicht.

00:04:11: Das war eine kleine Dorfgrundschule und sehr heimlich und gemütlich.

00:04:16: Mein Problem war nur, ich hab mich im Prinzip von Tag eins angelangt wollt also ich weiß noch so Die erste Woche, die Beschäftigung bestand daraus wir malen mal eine ganze Seite lang ein A Und dann malen wir eine ganze seite lang ein B Und ich weiß noch, dass ich da gesessen hab.

00:04:31: Ich hatte mir vor der Schule Lesen und Schreiben mehr oder weniger selbst beigebracht.

00:04:35: Und ich habe mich ein bisschen veräppelt gefühlt tatsächlich.

00:04:38: Ich hab da meine Freundin gefragt und war so, findet ihr das auch so langweilig?

00:04:41: Das konnte keiner nachvollziehen!

00:04:44: Und es war so einen Moment, wo ich gedacht hab, was mach' ich denn jetzt?

00:04:47: Weil so konnte's nicht weitergehen.

00:04:51: Dann stand zur Debatte, ob ich ne ... Klasse überspringen sollte, war dann aber in der neuen Klasse vollkommen überfordert.

00:04:57: Also habt ihr das probiert?

00:04:58: Ich hab es probiert und ich war eine Woche hospitieren in der Klasse über mir, hatte da auch ne Lehrerin die der Meinung war, ich müsse den Stoff vom letzten halb Jahr komplett nachholen zusätzlich von dem Stoff im Halbjahr der ersten Klasse, was ich verpasst hätte.

00:05:13: Und das war für mich nicht zu leisten.

00:05:15: Da war tatsächlich der springende Punkt Mathe, was noch nie meins war Hunderter Bereich gerechnet, da war ich überfordert mit.

00:05:23: Ich bin also in meiner Klasse geblieben und hab mich aber weiterhin bei allem gelangweilt.

00:05:28: Und schnell kam dann auf dem Schulhof ganz viel Überforderung dazu mit den Menschen, mit dem ständigen Kümmern ums Essen müssen.

00:05:37: Das war noch nie meins.

00:05:38: Ich habe immer das Erste was nicht mehr geht wenn es mir nicht gut geht oder ich gestresst bin ist das Essen.

00:05:44: Aber als Kind war das noch sehr, sehr viel schlimmer bei mir Mit der Zeit ... so schlimm, dass ich in der zweiten Klasse für mehrere Monate gar nicht zur Schule gehen konnte.

00:05:56: Ich erinnere mich noch an Situationen, wie ich vor dem Schultor stand und zusammengebrochen bin, weil ich gemerkt hab, es ging nicht.

00:06:03: Es waren einfach zu viele Menschen, zu viele Eindrücke.

00:06:07: Zu viel was passiert ist.

00:06:08: Das hat aber von außen niemand gesehen, weil objektiv immer gute Noten geschrieben habe.

00:06:13: Also ich war eine der besten aus meiner Klasse.

00:06:18: Die Leistung war nie das, was ich nicht hätte leisten können.

00:06:21: Es war eher das Problem mit dem sozialen ... Warum ich tatsächlich heute noch sehr dankbar bin ist, dass sich Nie-Erfahrungen mit Mobbing machen musste.

00:06:30: Ich hab Klassenkameraden gehabt, die nicht verstanden haben, warum mich so viel krank war.

00:06:34: Weil ich mir im Prinzip jeden Infekt mitgenommen habe der irgendwie ging aus Überlastung.

00:06:40: Aber tatsächliches Mobbing an solches hab ich nie gehabt und da bin ich sehr dankba für.

00:06:44: Aber es ist schon so, wie du sagst.

00:06:46: Dass die zweite Klasse dann der Einschnitt war und in Klasse eins bist du aber ganz normal zur Grundschule gegangen oder dass es dazu große Brüchen kam?

00:06:56: Ich glaube, das hat sich aufgebaut.

00:06:57: Es war einfach eine steigende Überlastung des Nervensystems.

00:07:02: Das wurde immer schlimmer statt besser, weil ich ja auch keine Entlastungen bekommen hab.

00:07:07: Dann gibt's Sachen ... In den Ferien arbeitet ihr bitte mal dieses Übungsheft durch.

00:07:11: Und es kam ja immer die nächste Schulzeit.

00:07:14: Das war ja nie so, dass ich wusste, ich hätte wirklich mal Pause gehabt.

00:07:18: Ich glaube das war dann eher das Problem als dass es den einen Auslöser gegeben hätte der dann wirklich schlimm gewesen wäre.

00:07:25: und dann kam auch immer mal so Sachen dazu wie Schulschwimmen.

00:07:29: Das war die Hölle für mich.

00:07:31: Das Ganze überhaupt also Turnhallen fand ich schon schwierig.

00:07:35: Und dann sind aber Schwimmbäder unglaublich laute Orte, wo unglaublich viel gleichzeitig passiert.

00:07:42: Ich konnte lange nicht schwimmen, weil ich die Bewegung nicht zusammengebracht hab.

00:07:46: Heute ist es eher das Problem mit Schwimmpädern gewesen als mit der Schwimmbewegung.

00:07:51: Tauchen konnte ich früher schon, weil unten war's still und da hat mir nichts mehr gehört.

00:07:56: Das war alles in allem viel zu überlastend quasi für mich.

00:08:00: Es war auch eine Zeit, bei uns zu Hause ... gerne mal schwieriger war, wo irgendwie viel passiert ist.

00:08:08: Es war aber auch mit der Schule einfach stetig zuviel und das hat sich im Prinzip über die vier Jahre Grundschulzeit nie wirklich gebessert.

00:08:15: Also es war nicht so dass ich die ganze Zeit gelitten hätte.

00:08:18: Ich war halt viel krank.

00:08:19: Aber ansonsten hatte ich als Kind nicht das Gefühl schlimm unter irgendwas zu leiden.

00:08:24: Es war nur ein stetiges Gefühl von irgendetwas Ist nicht ganz gut.

00:08:29: Aber da mir auch niemand irgendwie helfen konnte oder auf die Idee gekommen wäre, es ernsthaft zu versuchen.

00:08:33: Ich hab dann halt schwierigere Aufgaben bekommen oder mehr Aufgaben.

00:08:38: Mein Problem war oft, dass ich, wenn ich krank war, sehr viel nachzuholen hatte der Stoff an sich aber unglaublich gelangweilt hat und ich in so einem komischen Zwischendingen aus Überlastung und Unterbeschäftigung stecken geblieben bin.

00:08:51: Aber das waren die einzigen Hilfsangebote, die's damals gab, weil keiner verstanden hat, was das Problem war.

00:08:58: Du hast ja gesagt, dass du häufig krank warst.

00:09:01: Wie war das dann zu Hause?

00:09:03: Also waren deine Eltern automatisch da und haben sich um dich gekümmert oder ... Weil das stell ich mir für eine Familie auch total belastend vor, wenn das Kind im Grundschulalter wirklich regelmäßig nicht in die Schule gehen kann.

00:09:19: Nicht regelmäßig, wovon reden wir da so in deiner Wahrnehmung?

00:09:22: Wir reden schon von spätestens alle zwei Wochen.

00:09:26: Also wir reden von mindestens einem Feeltag in der Woche aus Überlastung.

00:09:31: Wir reden von jeden Morgenbauchschmerzen beim Aufstehen, von sehr viel Kopfschmerzern ... Ich hab tatsächlich als Kind schon wirklich schlimme Kopfschmetzer-Tacken gehabt die sich auch irgendwie wirklich dann also später jede Woche.

00:09:44: aber das war glaub ich noch nicht im Grundschulalter da habe ich überhaupt nicht so viele Erinnerungen dran.

00:09:48: es war glaube ich schon für meine Eltern schwierig.

00:09:51: Ich hab nicht die Erinnerung dass sie's mir jemals zum Vorwurf gemacht hätten.

00:09:55: Da bin ich Ihnen auch sehr dankbar für.

00:09:56: Es gibt viele Eltern, die sagen, du musst jetzt zur Schule gehen!

00:09:59: Ich kann mich nicht um dich kümmern.

00:10:01: Das habe ich nie zu hören bekommen.

00:10:03: Meine Eltern haben immer eine Lösung gefunden, sich irgendwie zu kümmern.

00:10:07: Ich hab das große Glück, dass meine Großeltern damals schon in Rente waren und sehr nah bei uns hier in der Nähe wohnen.

00:10:14: Und dann war ich viel bei meinen Großeldern oder die waren bei uns und haben sich um mich gekümmert.

00:10:20: Ich meine, mein Vater hat zu der Zeit auch schon größtenteils Homeoffice gearbeitet.

00:10:24: Das hat natürlich auch geholfen und meine Mama ist zurzeit noch sehr viel gereist was für mich auch ganz schwierig war als Kind weil sie so ja meine Main-Bezugsperson glaube ich war.

00:10:36: also sie war die die sich irgendwie in meiner Erinnerung immer ein bisschen mehr um mich gekümmert hat Und wenn sie da war dann hat sie sich aber auch kümmert.

00:10:44: also es war immer wär Ich hab jetzt nicht Erinnerungen an lange Tage, wo ich alleine zu Hause gewesen wäre.

00:10:50: Das ging immer irgendwie, es war belastender für meine Eltern als die's zugegeben haben.

00:10:55: Wie hat die Schule darauf reagiert?

00:10:57: Weil wenn du einmal in der Woche fehlst und das so regelmäßig ist, dass ja schon etwas was extrem aus dem Rahmen fällt, den man ansonsten so gewohnt ist.

00:11:05: Die Schule oder auch deine Klassenlehrerin kannst du dich daran erinnern mit ganz viel Unwissen also ... Die haben schon auch gemerkt, dass irgendwas nicht richtig war.

00:11:13: Weil wenn ein Kind in dem Alter siebzig, achtzig, neunzig viel Stunden im Halbjahr auf dem Zeugnis hat, dann läuft irgendetwas nicht richtig so.

00:11:20: Das war denen auch bewusst.

00:11:22: Meine Lehrerin war sehr jung.

00:11:24: Wir waren ihre erste eigene richtige Klasse.

00:11:26: Die war gerade fertig geworden mit dem Studium und wir waren die erste Klasse, die sie selber übernommen hat.

00:11:32: Und deswegen war sie, glaub ich ... Ich würde einfach sagen, überfordert damit.

00:11:37: Also Sie hat sich wirklich ... wirklich viel Mühe gegeben in dieser Klasse von immer um die dreißig Kindern irgendwie auf mich einzugehen, hat sich Aufgaben einfallen lassen.

00:11:47: Hat irgendwie Elterngespräche gehabt und dann hatte ich so ... Ich hab als Kind so Logicals?

00:11:52: Ich weiß nicht mehr, das ist kein Logikgrätsel, fand ich total toll!

00:11:56: Und da durfte ich das halt machen, wenn ich mit der Arbeit fertig war.

00:11:58: Das waren so die Lösungsansätze.

00:12:01: Ich kann mich nicht erinnern, dass wir wirklich viel mit Schulleitung oder so was im Gespräch gewesen wären.

00:12:06: Da halt von meiner Leistung her Nie ein Problem bestand aus schulischer Sicht.

00:12:11: Sind die nie auf die Idee gekommen, was zu ändern?

00:12:13: Ja, das glaube ich auch genau.

00:12:14: Es war so ein Never-Change-Running-System ... So ist es!

00:12:17: Dass halt die Leistung nie Grund zur Sorge gegeben hätte.

00:12:20: Wenn ich jetzt drei und vierundfünfe nach Hause getragen hätte, wäre das vielleicht auch etwas anderes gewesen.

00:12:24: Aber bei einem Kind, was ausschließlich eins und zweien schreibt, macht man sich keine Sorgen, wenn's viel krank ist.

00:12:31: Und da war einfach das Bewusstsein nicht da.

00:12:34: dass man da hätte genauer hingucken müssen, um was zu verändern.

00:12:38: Ich glaub die Idee gab's so einfach nicht.

00:12:41: Aber du selber hattest schon das Gefühl im Vergleich zu den anderen Kindern in der Klasse anders zu sein?

00:12:49: Ich glaube erstaunlich wenig.

00:12:52: tatsächlich wenn ich mir auch so Geschichten von anderen Leuten auf dem Spektrum angucke, glaub ich hab erstaundlich wenig das Gefühl gehabt.

00:13:01: Ich war auch nie so ein komplettes Außenseiterkind.

00:13:04: Also ich war nicht so The Weird Kid, wo dann alle irgendwie schreiend wegrennen.

00:13:08: Das hatte ich nicht!

00:13:10: Ich hatte auch immer Freunde ... Ich hatte meine Freundesgruppen und das große Glück in der Grundschule eine Freundin zu haben, die genauso gerne gelesen hat wie ich.

00:13:18: Unsere Verabredungen bestanden daraus, dass wir irgendwo zusammen gelegen und gelesen haben für Stunden.

00:13:24: Das konnten wir tagelang machen.

00:13:26: Und ich glaube, das hat mir unglaublich geholfen, nicht dieses Gefühl zu haben anders zu sein.

00:13:31: Ich hab schon gemerkt dass da irgendwie, dass ich mehr krank war oder dass sich zum Beispiel dann im Gegensatz zu dieser Freundin mich schwergetan hat was anderes zu machen als lesen.

00:13:44: Solche Sachen gab es schon und auch immer mal Klassenkameraden die kamen mit.

00:13:47: warum warst du denn gestern nicht in der Schule?

00:13:49: Und heute bist du wieder da!

00:13:50: Du siehst doch total gesund aus.

00:13:51: Ja genau solche Sachen das kam schon auch tatsächlich von Eltern.

00:13:56: so Sprüche wie Warum ist die denn schon wieder krank?

00:13:58: Als hätte ich mir das ausgesucht krank zu sein.

00:14:01: Das Gefühl, wirklich Hardcore anders zu sein ... hatte ich selten.

00:14:05: Ich war mit meiner Andersartigkeit immer schon so selbstsicher, dass es mich nie gestört hätte.

00:14:11: Wenn man Kinderbilder von mir anschaut, bin ich das Kind mit den wildesten Outfit-Kombinationen und möglichst buntesten Klamotten.

00:14:19: Also als Kind hatte ich immer ganz lange Haare, die ich auch nie in irgendwelchen ... Ich hab nie Zöpfe getragen oder was, weil ich nicht wollte, dass jemand meine Haare anpatscht.

00:14:28: Und war immer ... Ich hatte, glaub ich als Kind so was Ungezähmtes irgendwie.

00:14:32: Also es hat ... Ich hab mich schwer getan das auszuleben weil ich, glaube ich sehr viel wilder gewesen wäre wenn ich die Energie gehabt hätte.

00:14:40: Weil einfach für dieses krank sein und diese ständige Überlastung ist unglaublich viel Energie drauf gegangen.

00:14:45: Deswegen lag ich nicht so anders wie ich hätte sein können.

00:14:50: Ich kann mich an wenig Nicht-Zugehörigkeitsgefühl erinnern.

00:14:54: also Es gab auch Zeiten, da hab ich jede Pause drin verbracht und in der Leserecke so getan.

00:14:59: Als würde ich schlafen damit ich nicht raus muss oder dass mich meine Lehrerin ans Essen erinnern musste.

00:15:04: also auch solche Geschichten gibt es.

00:15:06: aber das Gefühl wirklich anders zu sein hatte ich in der Grundschule glaube ich so noch nicht Ja.

00:15:12: Und die Zeit, in der du den Sprung in einer anderen Klasse gemacht hast?

00:15:16: Das war für dich schon eine große Hürde!

00:15:18: Das war ne große Hörde.

00:15:20: aber vor allem weil ich mich einfach nicht aufgenommen gefühlt habe.

00:15:22: also die Lehrerin hatte eben... das war so ne älterer Lehrerin kurz vor der Rente, was man heute glaube ich als vom alten Schlag bezeichnen würde in so ner typischen kleinen Dorfgrundschule, die irgendwie meinte ja du musst jetzt hier auch leisten und es geht ja nicht dass du hier so zimperlich bist, jetzt stellte ich mal nicht so an, das passt schon.

00:15:39: Das hat mir nicht geholfen.

00:15:41: Von den anderen Kindern kam einfach, was macht der Zwerg hier?

00:15:45: Ich war ne Erstklässlerin und die haben das überhaupt nicht verstanden, was ich da sollte.

00:15:51: Wenn es anders gewesen wäre, hätte ich's vielleicht gemacht ... Rückblickend war's nicht schlecht, dass ich's nie gemacht hab mit Blick auf meine weitere Schule auf Bahnen.

00:15:59: Aber tatsächlich war das auch nur diese Woche.

00:16:04: Und das war danach für mich abgehakt.

00:16:06: also ... Ich kann mich nicht daran erinnern, da länger noch drüber nachgedacht zu haben.

00:16:11: Dann hattest du auch keinen großen Freundinnenverlust in der Zeit?

00:16:15: Weil es ja nur die Woche als Probewoche gewesen ist und bist dann wieder zurückgekommen im gewohntes Setting?

00:16:21: Ja also ich hatte in meiner Klasse tatsächlich praktisch keine Freunde.

00:16:26: Ich hatte allerdings eine Freundin, die mit mir in der gleichen Nachbarschaft wohnte, die eine Klasse über mir war Und die hat mich mit ihren Freundeskreis reingezogen.

00:16:35: Dadurch war ich da so ein bisschen angebunden, dann hab ich später in der ersten und zweiten Klasse auch in meiner Klasse Freunde gefunden.

00:16:43: Aber dadurch war ich quasi versorgt und hatte immer jemanden, mit dem ich meine Pausen verbracht habe.

00:16:48: Okay!

00:16:48: Und die Freundin, mit der du gelesen hast?

00:16:50: Die kam ein bisschen später, weil wir uns am Anfang gar nicht verstanden haben ... Also, wir waren ... Wir sind am Anfang eher aus dem Weg gegangen, weil wir beide untypisch und ruhig waren.

00:17:04: Ich glaube, wir waren zu introvertiert, um voneinander zuzugehen.

00:17:08: Es hat sich erst mit der Zeit dann entwickelt ... Ich hatte aber generell eine gute Grundschulklasse, wo auch am Anfang haben sie viel schwergetan, damit da Freunde zu finden.

00:17:19: Es hört sich auch für mich so an, als ob diese Klassenlehrerin wirklich jemand Entscheidendes war.

00:17:25: Dass das jemand war, der dir Sicherheit geben konnte und in vielen Bereichen konntest du ja dann doch so sein wie es für dich richtig war, indem du dann in der Pause geblieben bist oder solche Dinge.

00:17:38: Ich glaube die Lehrerin war sehr zentral auch für die Entscheidung nicht in die obere Klasse zu springen weil das bedeutet hätte, dass ich von ihr hätte weggehen müssen tatsächlich.

00:17:50: Und ich glaube, das war tatsächlich ein sehr guter Einwurf.

00:17:53: Das war der springende Punkt, dass ich genug Welten hatte, wo ich sein konnte wie ich war.

00:17:57: Da ich für meine Leistung nie irgendwas tun musste in der Schule, hab ich folglich nicht viel Zeit mit Lernen oder so was verbracht und hatte viel Zeit um mich in meiner Fantasiewelte zu Hause zu flüchten und mit meinen Eltern unterwegs zu sein, um draußen zu sein und zu lesen.

00:18:14: Ich glaub, es hat mich auch gerettet, dass sich immer noch genug Ausgleich quasi hatte ... wo ich so sein konnte, wie ich war.

00:18:21: Und dann kommt ja irgendwann die vierte Klasse und die Entscheidung ... Also es hört sich natürlich nach einer Gymnasialempfehlung an?

00:18:29: Absolut!

00:18:29: Ja mit großem Ausrufezeichen.

00:18:32: Richtig.

00:18:34: Dann kommt die Entscheidung welche weiterführende Schule habt ihr das gemacht du und deine Eltern?

00:18:41: Wir haben uns die Schulen hier in der Umgebung angeguckt.

00:18:43: man muss auch dazu sagen, dass waren nicht viele weil die Gegend hier doch relativ ländlich ist für die Schulauswahl.

00:18:50: Wir hatten einen Gymnasium, eine Realschule und eine Gesamtschule zur Auswahl.

00:18:55: Und ich war sehr involviert in der Entscheidung.

00:18:57: Mir war das wichtig, wo ich hinkomme, weil es auch immer so ein Ding ist von, wo gehen die Freundinnen hin?

00:19:02: Wo gehen die Klassenkameraden hin?

00:19:04: Was ist der kürzeste Schulweg?

00:19:05: Zum Beispiel war für mich total wichtig.

00:19:07: Für mich wäre alleine Busfahren jeden Morgen zu der Zeit astronomisch weit weg gewesen.

00:19:12: Das hätte ich niemals bewältigen können!

00:19:15: Genauso war es aber auch nicht möglich, dass mich meine Eltern jeden Morgen gefahren hätten.

00:19:18: Das wäre auch nicht gegangen.

00:19:21: und dann haben wir uns die Schulen angeguckt.

00:19:22: das Gymnasium bei uns hier in der Gegend hat so ein bisschen den Ruf sehr streng zu sein und sehr elitär glaube ich so vom Ruf her.

00:19:30: Und die Gesamtschule die wir hier haben ist eine sehr bunte sehr offene großherzige Schule würde ich sagen allerdings mit ganz Tag.

00:19:40: Und das waren die beiden großen Dinge, die ich gegeneinander abwägen musste.

00:19:43: Das war Äpfel mit Birne vergleichen – also es kann man nicht sinnvoll abwähgen!

00:19:48: Letztendlich habe ich mich dann für die Gesamtschule entschieden tatsächlich weil mir dieses offene Konzept gefallen hat und alle unglaublichen Net davor kamen und ich einfach das Gefühl hatte sie sind sehr viel breiter auch mit Leuten zu arbeiten, die nicht mit diesem starren Bild von Schule klarkommen.

00:20:04: Und die Entscheidung hast du auch gefällt?

00:20:07: Oder in Kombination und im Gespräch mit deinen Eltern.

00:20:09: Natürlich, mit meinen Eltern.

00:20:11: Mit zehn Jahren entscheidet man so was noch nicht alleine.

00:20:15: Aber mir war das schon sehr wichtig ... Ich glaub, viele Kinder interessiert es weniger, wo sie hinkommen, weil es ist Schule, da will man sowieso nicht hin.

00:20:24: Mir war das einfach wichtig, weil ich damals schon einen Bewusstsein hatte, dass das ein Ort ist, wo man viel Zeit verbringt in seinem weiteren Leben.

00:20:34: Insofern war mir das schon wichtig, da irgendwo zu landen.

00:20:37: Das kann ich gut verstehen ... Indikator in dem Alter für alle ist ja immer, wo gehen die Freundinnen?

00:20:43: Ja, das ist ein Riesending!

00:20:46: Ich glaube, es birgt eine gewisse Gefahr tatsächlich, weil man dadurch schnell in so einen Gruppenzwang kommt.

00:20:52: Weil wirklich die Hälfte meiner Klasse ist auf das Gymnasium gegangen und da waren zwei von meinen drei Freunden dabei.

00:21:02: war die Prägung vorhanden.

00:21:04: Ich weiß auch nicht, was es ist, was mich dazu bewegt hat, auf die andere Schule zu gehen.

00:21:08: Heißt aber du bist auf die anderen Schule gegangen?

00:21:10: Also die Gesamtschule und hattest dort aus deiner Grundschule keine Freunde mitgenommen oder ... Doch die Freunde, mit denen ich gelesen hab tatsächlich!

00:21:21: Das war zur derzeit so die Konstante, die ich hatte.

00:21:24: Und zwei Jungs, mit dem ich gar nichts anfangen konnte, waren da auch noch mit hingewechselt.

00:21:29: Tatsächlich war das ansonsten ein kompletter Neustart.

00:21:33: Im Retrospektiv wundert mich, dass ich mich getraut hab, weil ich immer eher an dem festgehalten habe was mir klein und heimlich und möglichst nahe an dem, was ich davor hatte vorkam.

00:21:45: Und grade ... Dass ich so viele Leute quasi in dieser andere Schule verloren hab, da wunderts mich schon, dass sich mich dafür entschieden hat.

00:21:55: Ich hatte jetzt vorhin die Frage im Kopf, wann wird es?

00:21:59: Oder wann wurde es kompliziert für dich?

00:22:01: Und ich merke gerade... Ich hab schon ein bisschen vorgedacht für mich selbst.

00:22:05: Eigentlich ist es so, dass wenn man in der neuen Schule ankommt, dann irgendwann fängt's an kompliziert zu werden.

00:22:08: Weil die Fächer dann irgendwie oder ... Ja aber ich habe jetzt das Gefühl, es wurde vorher schon kompliziert weil all die Gedanken, die du dir gemacht hast mit dem, welche Schule ist die richtige und was muss ich alles abwägen?

00:22:19: Wie weit ist sie weg?

00:22:20: Ihr hättet einen Zettel sehen sollen!

00:22:22: Ich hab wirklich Listen geschrieben.

00:22:23: Prokontra.

00:22:25: Und das ist für nur zehn Jahre schon eine Leistung.

00:22:28: Also das hör' ich auch raus.

00:22:30: also wir sind ja auch Eltern.

00:22:31: bei unseren Kindern war die Entscheidung, gut wir hatten uns auch da was vorgestellt als Eltern.

00:22:36: Aber ganz wichtig waren Freundinnen und Freunde.

00:22:40: Und wie jetzt die Schule ist?

00:22:43: Ob sie jetzt bunt ist oder eher leistungsorientiert oder keine Ahnung das Spiel für unsere Kinder tatsächlich eine relativ kleine Rolle würde ich mal behaupten.

00:22:53: der Schulweg war noch relevant aber du hast dir wirklich Gedanken gemacht an Stellen dass tun eigentlich Kinder die zehn Jahre alt sind so in der Form nicht unbedingt.

00:23:04: Ja, ich glaube das war immer schon wirklich für mich auch sehr wichtig weil ich noch nie gut Kontrolle abgeben konnte.

00:23:11: Ich hatte noch nie das Gefühl, mich wirklich gut fallen lassen zu können und ich glaube ich war immer und das habe ich heute noch die Tendenz, war ich ein Einzelkämpfer.

00:23:19: also ich hab mich immer am ehesten an mir selber orientiert.

00:23:25: Meine Mama nennt das die innere Achse.

00:23:27: Ich hatte schon als ganz, ganz kleines Kind ein Gefühl dafür was ich richtig finde und was sich nicht richtig finde Und dem folge ich sehr sehr deutlich.

00:23:35: tatsächlich also ich merke auch wenn ich merken irgendwas fühlt sich nicht gut an dann gehe ich da wirklich weg Und setze dass auch relativ vehement durch und das habe ich auch als relativ kleines kind schon.

00:23:45: Und ich glaube in etwa daher kam diese entscheidung dass der kompas einfach dahin ausgeschlagen hat zu dieser schule.

00:23:51: Das ist auch wirklich Dann später auch Gold wert gewesen.

00:23:57: Aber tatsächlich ja, ich hab mir da sehr viel Gedanken drüber gemacht ... Auch da hätte jemand stutzig werden können, glaub ich!

00:24:12: Und dann sind wir jetzt bei dem Einstieg.

00:24:14: du bist eingeschult worden.

00:24:16: ein Riesensystem ist Gesamtschule immer Du hast den Ganztag angesprochen.

00:24:21: Ich glaube das werden wir noch mal ein bisschen betrachten.

00:24:25: Wie waren die ersten Tage?

00:24:27: Schluckt das alles so über dich ein oder ... Ja.

00:24:30: Konntest du dich da noch mit deiner Freundin als Anker durchbewegen?

00:24:36: Wenig, weil sich besagte Freundin tatsächlich die ersten vier Wochen praktisch gar nicht um mich gekümmert hat.

00:24:41: Das war immer schon eine etwas schwierige Person und die hat dann da irgendwie neue Freunde gefunden und war auf einmal einfach weg!

00:24:49: Und man muss sagen, ich komme von einer Dorfgrundschule mit vielleicht zu dreihundert-vierhundert Schülern wenn es hochkommt und war auf einmal auf einer Schule mit tausend einhundert Schüler.

00:24:58: Man kann sich auch vorstellen diese Schule ist damals erbaut worden mit zwei Realschulen, glaube ich, die zusammengelegt wurden plus ein Neubau.

00:25:06: Das ist eine Riesending!

00:25:08: Wir haben sie durchnummeriert von A bis F Gebäude.

00:25:10: also es sind wirklich viele verschiedene Trakte und allein so was wie wo habe ich welchen Unterricht?

00:25:16: Ich hatte dann das Glück dass wir bis auf Biologie und Kunst alles in dem einen Raum hatten.

00:25:21: Aber da fing es schon an.

00:25:22: Und ich hab die erste Orientierungswoche da gemacht mit irgendwie ... Wir schreiben unseren Stundenplan und basteln ein Fensterbild, bin danach sofort krank geworden und umgekippt vor lauter Überforderung.

00:25:34: Das heißt, das war alles überfordernet?

00:25:36: Es waren viele Menschen, die Struktur, das System, dass du nicht verstehen konntest, weil's komplett neu war.

00:25:43: Die Freundin war weg!

00:25:44: Ja, die Freundin ist auch weg.

00:25:47: Ich war ja in einer Klasse mit wirklich dreißigneuen Menschen.

00:25:50: Ich hatte neue Lehrer, ich hatte auch da.

00:25:53: Das zieht sich wirklich durch mein gesamtes Leben durch.

00:25:55: Ich hatte zwei unglaublich tolle Klassenlehrerinnen, die sich wahnsinnige Mühe gegeben haben.

00:26:00: Die haben bei den ersten Kennenlerntagen noch bevor das Schuljahr anfing schon mich entdeckt und waren so oh ja, da haben wir mal ein Auge drauf.

00:26:09: Ich glaube sie haben relativ oder zumindest die eine hat sehr schnell gemerkt dass da was außergewöhnlich war Und es war wirklich alles zu viel.

00:26:18: Wir hatten einen großen Schulhof für die Fünften und Sechsten Klassen, wir waren sechszügig,

00:26:21: d.h.,

00:26:21: wir hatten alleine sechstfünfte Klassen und ich glaube fünfsechste Klassen ... Ergo unglaublich viele Kinder auf dafür verhältnismäßig wenig Raum!

00:26:32: Nach dieser ersten Woche bin ich krank geworden, und ich weiß gar nicht mehr wie lange bis zum Herbstfein.

00:26:37: Ich weiß gar nie, ob ich nach dem Herbst fein schon wiedergekommen bin oder ob ich danach noch länger krank war.

00:26:42: Das war die zweite große Schulverweigerungsphase auch bestimmt wieder zwei, drei Monate nicht gehen konnte.

00:26:49: Das heißt, es gab sofort den Bruch im Grunde in der ersten Woche?

00:26:52: Ja, also sehr direkt!

00:26:54: Das finde ich jetzt sehr überraschend und sehr direkt.

00:26:57: Was hat dich in der Zeit gestützt?

00:26:59: Meine Eltern schon ... Auch eine Konstante die Ende der dritten Klasse bei mir dazu kam war mein Hund, die ich immer noch, die mir ... Also sie ist meine Welt.

00:27:12: Kann man glaub ich so sagen... Dieser Hund hat mich wirklich durch alles durchbegleitet.

00:27:17: Und das ist auch einer der ... Das ist also eines der zentralsten Wesen, was ich so in meinem Leben hab.

00:27:23: Ich habe zu der Zeit, ich weiß auch tatsächlich, ich hab praktisch keine Erinnerungen mehr an diese Zeit, fällt mir gerade auf.

00:27:28: Ich kann mich nicht erinnern, was sich da den ganzen Tag gemacht haben, womit ich meine Zeit verbracht hab?

00:27:33: Keine Ahnung, tatsächlich!

00:27:35: Und es war aber auch eine Phase, wo dann die Schule natürlich kamen, weil... weiterführende Schule.

00:27:41: Da wurde es schon ein bisschen ernst da auch, mit Kind geht lange nicht in die Schule und dann hatten wir einen runden Tisch.

00:27:46: Wir hatten irgendwann mal die Schulsozialarbeiterin und meiner eine Klassenlehrerin bei uns zu Hause am Küchentisch sitzen weil sie dann mal zuhause gucken wollten wie man mir helfen kann.

00:27:56: Wir haben Gespräche, wir hatten runde Tische.

00:27:58: Da ging das schon eher los dass auch die Schule gemerkt hat da müssen wir was tun, weil das nicht von alleine sich löst.

00:28:05: Und das war schon relativ am Anfang, nachdem du die langen Vierzeiten ... Beginnfünfte Klasse?

00:28:09: Beginn-Fünfte-Klasse war das schon.

00:28:11: Das heißt, die Schule hat da relativ zügig drauf zugegriffen.

00:28:16: Ja, ich glaube, weil ich halt einfach nur krank gemeldet war quasi ohne Grund angeben zu können.

00:28:20: Also ich war dann auch krankgeschrieben von der Kinderärztin.

00:28:26: so lange kann man ja gar nicht fernbleiben, ohne dass die Schule irgendwann sagt, du brauchst jetzt ein Attest oder sowas.

00:28:31: Ich hatte dann Zwischendurch, glaube ich, habe ich von dem Stress irgendwann eine Magenschleimhautentzündung entwickelt.

00:28:36: Und das war dann auch irgendwo tauchte das mal auf.

00:28:38: Das waren dann auch so Sachen ... So Anker wo ich wusste okay jetzt brauche ich zwei Wochen mir keine Sorgen machen da drum.

00:28:44: aber ansonsten War das schon auch ne wachligere Zeit als in der zweiten Klasse.

00:28:49: einfach wenn man ständig diese Angst mitlaufen hat?

00:28:52: Ich darf das eigentlich nicht was ich hier tue!

00:28:53: Ich hab mich praktisch nicht aus dem Haus getraut weil ich wusse eigentlich gehöre ich in die Schule und immer so ein Gefühl gehabt von, es ist nicht richtig, dass ich zu Hause bin.

00:29:03: Weil man ja beigebracht bekommt.

00:29:04: Man hat eine Schulpflicht und zur Schule zu mir.

00:29:07: Alle gehen ja auch zur Schule.

00:29:11: Das war dann wirklich so ein Gefühl von ... Ich hab natürlich auch so ein bisschen dann Fomo gehabt oder das Gefühl gehabt, mir fehlen einfach Sachen.

00:29:18: Weil gerade diese Anfangsphase, man muss sich klarmachen an meiner Schule werden die Klassen nicht durchgemischt.

00:29:24: D.h.,

00:29:24: man verbringt mit dieser Klasse, die man da kennenlernt in den nächsten sechs Jahren Und dann auch noch vierzig Stunden die Woche, das ist wahnsinnig viel Zeit.

00:29:35: Das zu verpassen hat mich schon auch gestresst.

00:29:37: Also das hab ich gemerkt, dass nicht der Normalfall sein sollte, was in der zweiten Klasse noch sehr viel weniger hatte.

00:29:44: Was ich total spannend finde, dass du sagst, ich weiß gar nicht, was ich da gemacht habe in der Zeit?

00:29:49: Ich weiß nicht wie so ein Tag vorbeigegangen ist durch diese Überforderung.

00:29:54: Leere Druck, Stress ... Ja!

00:29:57: Also ich kann mir das gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlen mag.

00:30:02: Weil ein Tag ist lang!

00:30:03: Ja, vor allem wenn man ihn mit niemandem verbringen kann weil ja auch meine ganzen Freundin weiterhin bis vier in der Schule waren.

00:30:08: Ja ganz genau.

00:30:10: Da war ja auch niemand mit dem mich irgendwas hätte machen können mal ganz abgesehen davon dass ich mich nicht getraut habe irgendwem zu erzählen was gerade los war.

00:30:18: also das kommt dann auch noch als riesige Komponente dazu dass es ganz schwierig war irgendwie Leuten zu vermitteln, warum die Sachen gerade so laufen wie sie laufen und warum ich nicht zur Schule gehen kann.

00:30:29: Also großer Belastungsfaktor für dich ganz viel Druck?

00:30:31: Absolut!

00:30:32: Ja ja ja und weil ich auch wirklich ... also ich glaub... Ich war dann zehn beziehungsweise dann elf, da hab ich auch ein bisschen mehr schon verstanden als noch mit so sieben acht.

00:30:41: Und man hört dann auch so Sachen wie du wirst irgendwann von der Polizei abgeholt wenn du zu lange in der Schule fernbleibst.

00:30:46: das sind dann die Schreckgeschichten quasi mit denen man dann irgendwie da konfrontiert wird.

00:30:50: als Kind und das habe ich schon gemerkt glaub ich einfach diesen irgendwo subtilen und irgendwo doch sehr direkten Druck auch für eine Schule dann Sachen nacharbeiten zu müssen was nicht ging weil ich einfach beim reinen Gedanken an Schule schon Panik bekommen hab.

00:31:03: im Prinzip Woher kam dieser Druck, dass jemand gesagt hat, du wirst von der Polizei abgeholt?

00:31:08: Ich hab keine Ahnung.

00:31:09: Wo das herkam ... irgendwo muss ich das mal aufgeschnappt haben.

00:31:14: Ich weiß nicht, ob meine Eltern erzählt haben über diese Sachen, weil ich da verstanden habe, dass es nicht geht und man so lange fernbleibt.

00:31:23: Ganz viel Druck, ganz viel Belastung aber auch ganz viele Ängste, die mich begleitet haben.

00:31:29: Ja, das war schon eine sehr schwere Zeit!

00:31:31: Und in der Zeit hast du dann von der Schule irgendwelche Aufgaben bekommen, die du zu Hause bearbeiten solltest?

00:31:38: Das weiß ich tatsächlich.

00:31:39: Weißt du alles gar nicht ... Nee!

00:31:42: Weil's so belastend war.

00:31:43: Ja, das ist wirklich ... Da merke ich gerade es einfach so komplette Leere in meinem Kopf.

00:31:47: wahrscheinlich werde ich was gehabt haben, woran ich arbeiten sollte.

00:31:53: Auch da war ja an meinem Grundschulzeugnis noch ersichtlich, dass da nicht viel war, warum man sich jetzt rein von der messbaren Leistung her hätte sorgenmachen müssen.

00:32:01: Aber da hatte ich auch das Gefühl, obwohl die mich so wenig kannten, waren sie sehr besorgt um mich.

00:32:06: Weil die gemerkt haben, dass was nicht stimmt und zwar nicht dieser klassische Fall von mann kriegt mit meinem Kind.

00:32:12: Stimmt was nicht?

00:32:13: Dann guckt man hin, dann weiß man, was man tut und hilft man.

00:32:16: Das war so nicht!

00:32:16: Da ist keiner auf die Idee gekommen, was das jetzt hätte sein können.

00:32:21: Ich war auch irgendwann in der fünften Klasse in einer Psychotherapie, einer Verhaltenstherapie ... Beinahe Kinder und Jugendpsychotherapeuten.

00:32:33: Auch die hat dann das Verhalten versucht, zu therapieren?

00:32:37: Dann hab ich so Aufgaben bekommen wie du kannst dich schlecht abgrenzen in der Schule wenn's dir nicht gut geht.

00:32:42: Dann üb doch jetzt mal Hausaufgaben einfach nicht zu machen!

00:32:46: Ist eine ganz tolle Idee bei einem Kind was sich möglichst noch Regeln ausdenkt um auf keinen Fall irgendwem auf die Füße zu treten.

00:32:54: Das hat überhaupt gar nicht geklappt, weil einfach dieser Ansatz nichts für mich war und auch diese Frau wieder nicht auf die Idee gekommen ist mal genauer hin zu gucken was das ist bei mir.

00:33:03: Also es zieht sich durch mein Leben dass ich ganz viele Leute hatte sich Sorgen um mich gemacht haben und gemerkt, dass da was nicht stimmt.

00:33:11: Aber keiner ist auf die Idee gekommen wirklich mal nachzuforschen.

00:33:14: Wenn du das jetzt gerade nennst ... Dass so viele Menschen sich da irgendwie um dich gekümmert haben?

00:33:18: Hast du das als ein Ziehen an dir auch empfunden?

00:33:22: Alle wollen irgendwas von mir, ich kann das nicht erfüllen oder weiß gar nicht in welche Richtung ich gezogen werde.

00:33:28: Ich glaube bei dieser Therapeutin schon ein bisschen, weil ich mit ihr als Person wenig anfangen konnte, glaub ich.

00:33:35: Das hat aber vom Ansatz nicht gepasst.

00:33:38: Es war eine nette Person, die hat vielen Leuten sehr geholfen.

00:33:42: Aber für mich passte es zu dem Zeitpunkt gar nicht.

00:33:45: Ansonsten tatsächlich wenig.

00:33:48: Wo ich das am ehesten gemerkt hab, waren meine Großeltern.

00:33:51: Die haben das nie versucht mir klarzumachen, aber konnten damit wenig anfangen.

00:33:57: In deren Welt ist schulische Leistung was ganz Wichtiges und das war für die ... Obwohl sie immer gesehen haben, dass es mir nicht gut ging.

00:34:07: Es war schwer zu begreifen aber Sie haben mir nicht Druck gemacht.

00:34:10: in dem Sinne also da war habe ich auch nie zu hören bekommen.

00:34:13: aber du müsstest doch eigentlich so zwar nur so das ist Dass sich das Gefühl hat dass es schwer den Leuten zu erklären was das Problem ist weil das einfach keiner nachvollziehen konnte.

00:34:23: Jetzt hattest du an der Gesamtschule eigentlich sehr positive Erfahrungen gemacht und Der runde Tisch der kam auch sehr schnell zusammen ja aus unterschiedlichen Konstellationen.

00:34:32: Was war da der nächste Schritt oder Weg, der besprochen wurde?

00:34:37: Auch da hab ich wenig Ahnung von.

00:34:39: Weil ich gar nicht dabei war.

00:34:40: Das waren meine Eltern, die das gemacht haben alles.

00:34:44: Das hat mit mir sehr wenig zu tun gehabt.

00:34:47: Davon habe ich auch wenig mitbekommen.

00:34:48: Das einzige, was ich davon mitbekam, war, dass der Termin im Kalender stand und meine Eltern hingefahren sind.

00:34:54: Was sie genau besprochen haben weiß ich tatsächlich nicht.

00:34:58: Es muss auf jeden Fall irgendwas in Richtung ... Wir lassen sie mal und gucken.

00:35:02: Und irgendwann wird es sich schon sortieren gewesen sein, weil ich mich nicht erinnern kann, dass die gesagt hätten, irgendwann musst du jetzt aber

00:35:10: wiederkommen.".

00:35:11: Aber so im Hintergrund war das natürlich schon vorhanden.

00:35:14: dieser Druck von man müsste doch eigentlich und da müsste jetzt was passieren.

00:35:18: Gab es nach dieser absoluten Erschöpfungsphase auch sowas wie ein Einstieg in die Schule?

00:35:28: Ja, ich bin irgendwann wiedergekommen.

00:35:29: Es ist mir sehr schwer gefallen vor allem weil man ... je länger man so etwas nicht geht, desto schwerer fehlt es einem zurückzukommen meistens und das war ein Problem was ich da auch ganz stark empfunden hab.

00:35:41: dann gab's tatsächlich auch einen Erlebnis, was mir sehr geholfen hat und zwar hatte ich zu der Zeit an Mädchen in meiner Klasse die aufgrund einer chronischen Erkrankung genauso lange wie ich nicht zur Schule gehen konnte Und die waren in meiner klasse.

00:35:54: Meine Lehrerin schob sie so rein und war so, da bist du ja.

00:35:58: Du kannst dich neben Elisa setzen?

00:36:00: Die war auch lange nicht da!

00:36:01: Und dann saßen wir da zusammengeschoben ... Meine andere Klassenlehrerin hat uns liebevoll die zwei verlorenen Schäfchen genannt.

00:36:09: Weil wir so lange beide weg waren und das geteilt haben.

00:36:12: Das war ein Knackpunkt für mich.

00:36:15: Ich hatte auf einen Schlag das Gefühl, ich hab jemanden, der das verstehen konnte.

00:36:20: Auch dieses Gefühl von... Man tut sich so schwer, nach so langer Zeit zurückzukommen.

00:36:25: Und wir kamen dann ja auch nicht mehr in eine neue Klasse, sondern in ein bestehendes System.

00:36:31: Ja, gewachsene Strukturen und ihr seid nicht mitgewachsen?

00:36:34: Genau!

00:36:35: Diese Klasse hatte sicher gebildet als Systemunterstand fest.

00:36:38: Wer ist es mit wem befreundet?

00:36:39: Wo sind die Hierarchien?

00:36:40: Das sind diese ganzen Sachen, die sich innerhalb der ersten Wochen festlegen und weitestgehend bleiben.

00:36:46: Und diese Phase hatten wir einfach beide ... komplett verpasst und das hat mir am Anfang unglaublich geholfen, diese Freundin zu haben.

00:36:52: Weil wir da einfach so viel geteilt haben und damit einander so dran gewachsen sind glaube ich.

00:36:58: Und es war aber trotzdem sehr schwerer Einstieg dann wieder reinzukommen in dieses System weil ich nun auch so lange aus dem Gesamtsystem Schule raus war.

00:37:09: Wie viele Monate waren das?

00:37:10: Oder Wochen ungefähr?

00:37:12: sehr schlecht einschätzen.

00:37:14: War das noch im fünften Schuljahr?

00:37:16: Das war, glaub ich auch noch vor den Weihnachtsferien.

00:37:18: Es wird wohl allerhöchstens ein halbes Jahr gewesen sein aber es waren noch fünfte Klasse definitiv.

00:37:24: Ich glaube, es waren zwei bis drei Monate werden das gewesen sein ungefähr und wir gingen das dann weiter.

00:37:30: also dann bist du jetzt wieder zur Schule gegangen.

00:37:33: Aber ich könnte mir vorstellen dass Erkrankungen oder Krankheitstage auch wieder da waren einfach weil Du so überreizt Ja, mit den Eindrucken komplett überfordert war es.

00:37:45: Die Belastung wurde nicht weniger, die Belastungen wurden eher mehr.

00:37:49: also ich glaube das hat sich über die nächsten zwei Jahre dann so unglaublich angestaut dass ich mich im nachhinein wirklich manchmal frage wie ich das überhaupt gepackt habe.

00:37:59: dass ich da irgendwann noch zur Schule gegangen bin, finde ich ein absolutes Mysterium.

00:38:04: Das versteh ich auch heute nicht, wie das funktioniert hat.

00:38:08: Aus einem Krankheitstag in der Woche wegen Bauchschmerzen wurden zwei bis drei.

00:38:12: Ich hab einmal im Monat schlimme Kopfschmerz, ich falle jeden Sonntag mit Kopfschmetzen ins Bett und kann den ganzen Tag nichts tun.

00:38:22: Ich habe morgens ein bisschen Bauch schmerzen, ich kann morgens praktisch nicht mehr Fahrrad fahren, weil's mir so schlecht geht.

00:38:29: Es wurde nicht besser.

00:38:30: Es wurde eigentlich über diese zwei Jahre immer noch schlimmer und das ist was, was sich wirklich durchgezogen hat, was glaube ich auch meinen Lehrern aufgefallen ist.

00:38:38: Ich war zum Beispiel immer schon sehr schmal und blass und auch das wurde nicht bessert.

00:38:43: die Gesichtsfarbe wurde nicht gesünder.

00:38:47: Das ist schon auch aufgefallen dass es mir nicht gut ging.

00:38:49: Ich glaube ich wurde einfach von der Persönlichkeit her immer weniger Und die Leistung war aber immer da.

00:38:56: Es war nie so, dass ich da sonderlich aufgefallen wäre.

00:38:59: Ich hatte eine etwas strenge Deutschlehrerin, sagen wir es mal so ... Aber ich hatte ja immer noch meine ganz tollen beiden Klassenlehrerinnen bei denen ich viel Unterricht hatte.

00:39:10: Ich habe eine ganz tolle Englischlehrin und ich hatte da viel was mich getragen hat durch diese schwere Zeit.

00:39:17: Meine Schule hat wirklich, das muss man ihnen hoch anrechnen Die haben sich unglaubliche Mühe gegeben.

00:39:26: Also, für mich wurde ... Wir hatten so einen kleinen Durchgang im Gebäude oben.

00:39:32: Wurde ein Leserecker für mich eingerichtet.

00:39:34: Da standen dann einfach ein paar Stühle und wir hatten eine breite Fensterbank.

00:39:37: Dann kam da noch so'n Bücherregal hin.

00:39:40: Und die wurde eigens für mich Eingerichtet!

00:39:42: Da durfte ich mit meinen Freundinnen die Pausen verbringen und lesen, weil ich auf dem Schulhof hätte nicht überlebt.

00:39:49: Das ist das Ding, das hab ich auch später.

00:39:53: in der Community wiedergefunden, dass das viele teilen.

00:39:55: Dass man meistens von den Pausen erschöpft ist als von den Stunden.

00:39:58: Das teile ich sehr solche Sachen.

00:40:01: Ich bin zum Beispiel in der fünften Klasse im zweiten Halbjahr dann für ein halbes Jahr in die achte Klasse in Deutsch gegangen weil Deutsch immer schon meins war.

00:40:08: sprachen waren immer schon Mainz und da war ich irgendwann Da war ich so das richtige Kurs-Maskottchen.

00:40:15: Die kannten mich einfach alle und da war ich irgendwie ... die Kleine, ich war sehr putzig, weil ich kam nicht an die hohen Fenster.

00:40:21: Ich konnte die hohe Fenster nicht zumachen.

00:40:23: Weiß aber noch, dass wir mal Zeitungen angeguckt haben.

00:40:26: Die Einzige war, die wusste, wer Eckhardt von Hirschhausen ist und lauter Sachen erklären konnte, wo die anderen konfussgeguckt waren.

00:40:34: Und da war irgendwann an dem Punkt, dass ich auch Klassenarbeiten mitgeschrieben hab wirklich gut abgeschnitten hab.

00:40:40: Da wär ich in so einem stabilen Dreierbereich gelandet, ich habe auch in der fünften Klasse meine Abschlussarbeit von der Zehn geschrieben und hätte die bestanden.

00:40:48: Solche Sachen war dann das was meiner Schule aufgefallen ist.

00:40:51: da kam aber zum Beispiel besagte Deutschlehrerin mit.

00:40:54: Aber das geht doch nicht.

00:40:55: wenn das Kind jetzt in die achte Klasse geht Dann kann es das doch später alles schon.

00:41:00: Das ist ja dann auch nicht gut.

00:41:01: Und ich war so Ja aber das ist wirklich diese Stunden in der achten Klasse waren meine Rettung In meinen Wochen Das Ding für mich.

00:41:10: Aber natürlich, all diese Sachen konnten das eigentliche Problem nicht lösen.

00:41:15: Ich muss auch sagen ich bin in einer schwierigen Klasse gelandet damals.

00:41:18: Also ich war in einer sehr lauten, aufgeregten Klasse wo wenig Ruhe herrschte und von den Kindern her wenig passiert ist was mir Sicherheit gegeben hätte.

00:41:30: so Und dann auch noch der gebundene Ganztag, ne?

00:41:34: Wenn du sagst, du warst so belastet und so erschöpft.

00:41:38: Absolut ja!

00:41:39: Dann auch noch bis vier.

00:41:41: Ja, Mensa alleine also... Mensa ist auch immer laut.

00:41:44: das ist furchtbar von der Erkustin.

00:41:45: Das funktioniert einfach nicht ohne Lautstärke.

00:41:47: und vor allem hatten wir eine eigene Mensa für die Fünfer bis sieben.

00:41:50: da glaube ich man kann sich vorstellen wie laut die war.

00:41:53: Es war so ein Glasanbau Auch noch, das heißt da war es meistens sehr warm.

00:41:58: Es war praktisch kein Sauerstoff vorhanden und es war unglaublich laut!

00:42:02: Und ich war schon immer froh wenn ich das Mittagessen irgendwie überlebt hatte.

00:42:07: Wir hatten dann zum Beispiel so was wie einen Silenzium oben im Raum.

00:42:11: Das war ein großer Raum oben in unserer Schule Mit ganz vielen so schallschluckenden Sesseln und sowas.

00:42:20: Den durften wir aber nicht nutzen ohne Lehrkraft, die dabei standen.

00:42:23: Man stellte sich vor, ob irgendeine Lehrkraft Zeit hatte, sich da hinzusetzen mit uns natürlich nicht.

00:42:29: Das war auch einfach schwer umzusetzen an einer so riesigen Schule irgendwie Möglichkeiten zu finden.

00:42:35: Wann kam denn in diesem Zeitraum oder später die Diagnose-Autismus?

00:42:40: Oder wurde das erst mal noch gar nicht?

00:42:42: Noch gar nicht!

00:42:43: Also weit von entfernt.

00:42:45: Weit also ... wirklich Welten von entfernt, das hab ich bis dahin nie gehört.

00:42:50: Ich hab zu der Zeit in der fünften Klasse, glaub ich ... doch genau an dieser Schulverweigerungszeit, habe ich den ersten IQ-Test gemacht.

00:42:58: Das war das, was dann mal aufkam einfach weil es so sehr auffällig war.

00:43:02: Dann die Hochbegabung?

00:43:04: Genau, die Hochbekabung, das war einfach sehr aufällig, dass sich auch sprachlich einfach Welten weiter war als die meisten anderen Kinder in meiner Klasse.

00:43:13: Allerdings war die ... Psychiaterin oder Psychologin, die diesen Test durchgeführt hat.

00:43:19: Eine unglaublich schwierige Person, die mir auch diverse schwierige Gespräche irgendwie eingebracht hat.

00:43:25: und der Test fand mit Blick auf die Schule statt in die ich nicht gehen konnte.

00:43:29: zu der Zeit also man muss sich vorstellen Ich habe zurzeit wo ich ja in der fünften nicht in die schule gehen konnte hab ich Im prinzip angefangen zu weinen wenn wir mit dem auto an der schule vorbei mussten.

00:43:39: so schlimm war das.

00:43:40: Und dann sollte ich ein test machen mit blick auf die schuhe.

00:43:43: Dementsprechend ist der Test ausgefallen.

00:43:45: Der war immer noch weit über Durchschnitt, aber knapp unter der Hochbegabung und dann war damit das Thema im Prinzip auch abgehakt.

00:43:52: Also da war wieder keiner auf die Idee gekommen, dass es daran liegen könnte, dass ich krank war oder zu dem Zeitpunkt, wo der Test gemacht wurde oder an der Schule lag, der viel halt knapp unter Hochbegarbungen ... Ich glaub, das waren die Q-Fundhundertzwanzig, der daraus kam.

00:44:07: Viel knapp drunter und damit war das Thema erledigt.

00:44:11: Okay, aber das heißt du hast dann im Prinzip da jetzt auch wirklich schwierige Phasen durchgemacht.

00:44:18: In der ersten Zeit hast viele Unterstützungsmöglichkeiten bekommen in dem Rahmen, indem sie machbar waren.

00:44:25: Vieles wurde auch wieder gekippt.

00:44:27: Wann war für dich da so ... Der große Bruch wurde gesagt dass es geht gar nicht mehr.

00:44:31: also Schule funktioniert einfach nicht mehr.

00:44:33: für mich Den gab's tatsächlich in dem Sinne gar nicht.

00:44:38: Manchmal frage ich mich, wie es gewesen wäre, wenn dieser Bruch gekommen wäre.

00:44:43: Wenn dieser Moment gekommen wäre von jetzt geht gar nichts mehr weil ich glaube der hätte nicht länger auf sich warten lassen.

00:44:49: aber als ich in der sechsten Klasse war kam dann im zweiten Schulhalbjahr Corona und bei mir war das so dass ich kurz bevor Corona ausbrach lag ich drei Wochen flach.

00:44:59: Ich weiß nicht ob das schon Corona war.

00:45:01: vielleicht habe den Verdacht.

00:45:03: Auf jeden Fall hab ich wirklich ein ganz schlimmen Husten gehabt und lag über wochen zuhause im Bett.

00:45:08: Und als ich langsam wieder gesund wurde, stand die Welt auf einmal still.

00:45:11: Corona-Schule fällt aus erst mal für zwei Wochen und dann ja sehr viel länger.

00:45:17: Das war meine Rettung tatsächlich.

00:45:19: Also so schlimm Corona war und so viel Schlechtes in der Welt passiert ist.

00:45:24: Mir ging es auf einen Schlag besser.

00:45:26: Ich hatte keine Migränen mehr.

00:45:28: Ich hätte keine Bauchschmerzen mehr.

00:45:31: All diese Überlastungssymptome, die ich zu der Zeit hatte, die sich zu dem Zeitpunkt auch wirklich auf ein Level hochgeschraubt hatten.

00:45:38: Wie gesagt, wirklich sagen muss ich es.

00:45:39: Es ist ein Wunder dass sich überhaupt noch stehen konnte Aber das war auf einen Schlag alles weg und ich konnte zu Hause arbeiten.

00:45:47: Ich konnte in meinem Tempo arbeiten Und ich habe auf einmal eine ganz andere Idee vom Leben gekommen Nämlich bekommen nämlich wie das leben laufen kann wenn man nicht in Dauerüberlastung lebt Nicht die ganze Zeit mit einem hoch angespannten Nervensystem durch die Gegend läuft.

00:46:03: Das ging dann eine halbe Jahr Die sechste Klasse hab ich dazu Ende gemacht Und dann fing das auch wieder an.

00:46:09: Mit Wirhaueln holen zweimal die Woche, die Hälfte der Klasse für zwei Stunden in die Schule um das so ganz langsam wieder aufzubauen und dann ging es so dass wir irgendwie durchs andere Treppenhaus laufen mussten und fünfmal hände desinfizieren und dann saß man da für eine Stunde mit die ganze Zeit lüften.

00:46:25: Da war die Klasse ruhig, weil alle Masken aufhatten.

00:46:27: Und einfach klar war, da wird jetzt ein wenig groß rumgealbert und wir saßen super weit auseinander.

00:46:33: Weil wir ja in alle Richtungen, die ganze Zeit anderthalb Meter Abstand haben mussten ... Ein Träumchen für mich natürlich!

00:46:39: Wie für dich gemacht?

00:46:40: Das rückte mir auf einmal keiner mehr ständig auf die Pelle.

00:46:43: Es gab diese ganzen Sachen nicht mehr.

00:46:46: Dann kamen die Sommerferien.

00:46:48: Und dann war Schule wirklich mal ganz weg und kein Thema mehr.

00:46:53: Ungefähr in der Mitte der Sommerfans hat sich immer mehr herauskristallisiert.

00:46:57: Es gab nicht den einen großen Bruch, aber es gab irgendwann dieses Gefühl von ich kann da nicht wieder hin zurück.

00:47:02: das macht mich kaputt.

00:47:03: Dieses System geht für mich einfach so nicht und Das war auch für meine Eltern relativ klar.

00:47:11: das haben die ja auch gemerkt.

00:47:13: Die haben ja gesehen wie ich war als ich noch in den Kindergarten gegangen bin Und sie haben gesehen wie Ich mich verändert habe und wie ich einfach immer mehr meinen Glanz verloren habe und immer mehr von meiner Persönlichkeit, weil ich einfach nicht mehr konnte.

00:47:25: Die Energie war nicht

00:47:26: da.".

00:47:27: Und das war ihnen auch bewusst.

00:47:29: nur was ist die Alternative?

00:47:31: Wir haben eine Schulpflicht in Deutschland und es gibt offizielle Alternativen einfach nicht.

00:47:36: Und da auch keine Awareness für ... Also es gab ja keinerlei Idee von Da.

00:47:40: gibt es Möglichkeiten mit irgendwelchen anderen Beschulungsformen oder sonst was.

00:47:44: Das gab's einfach nicht!

00:47:52: Das hört sich für mich auch, was du jetzt die ganze Zeit geschildert hast.

00:47:55: Du hast ja gesagt an der Schule gab es Lehrerinnen, die dich unterstützt haben aber das war alles so unkoordiniert.

00:48:04: Also jeder hatte irgendwie eine Idee drauf und hat sich gedacht achja dann vielleicht achte Klasse wäre ne gute Idee oder so ne Möglichkeit in der Pause sich zurückziehen ist ne gute idee.

00:48:15: Aber irgendwie waren das alle so Einzelinitiativen.

00:48:19: so hört sich das für mich an und es gab nie sowas.

00:48:22: Und du bist auch nicht richtig mit ins Boot geholt worden, oder?

00:48:25: Das ging dann ... Die Gespräche waren eher mit deinen Eltern oder wurden einfach mal ausprobiert?

00:48:31: Ich würde sagen meine Schule hat sich Mühe gegeben damit mich in's Boot zu holen.

00:48:34: also das war schon die Idee auch hinzugucken was brauche ich tatsächlich und was würde mir helfen?

00:48:42: viel von dem was geholfen hätte wurde aber tatsächlich einfach durch den schulalltag verunmöglicht oder beziehungsweise dann zerschossen.

00:48:48: also es gab zum beispiel wir hatten bei uns hatte jeder klassenraum einen sogenannten diffraum ein differenzierungsraum wo man dann ein paar kinder in arbeitsphasen hinschicken konnte dass die da lernen konnten.

00:49:00: nur war das auch immer sowas wo dann die lauten Kinder hingeschickt wurden, die in der Klasse störten um sich abzureagieren.

00:49:06: Natürlich haben sie sich nicht abreagiert sondern eher die Stühle durch die Gegend geworfen.

00:49:09: Metaphorisch oder auch tatsächlich mal bildlich gemeint je nach Situation und solche Sachen waren dann einfach Dinge, die es unmöglich gemacht haben das ernsthaft unzusetzen.

00:49:18: Das war auch an meiner geliebten Leserecke das Problem Und das sind tatsächlich auch Sachen da kann ich der Schule keinen Vorwurf machen.

00:49:26: dass ist einfach unmöglich in einem Schulalltag mit dreißig Kindern und ich hatte auch mehrere Kinder, mit einem Förderbedarf in meiner Klasse.

00:49:33: Ich hatte zum Beispiel auch einen Jungen der auch ... Mit einer diagnostizierten Hochbegabung und ADHS in meiner klasse war.

00:49:41: Ähm... Der hat tatsächlich zu der Zeit mich manchmal komplett für mich aus dem Nichts kommend angesprochen Und schien irgendwie sich verbunden mit mir zu fühlen.

00:49:54: Das habe ich zu derzeit überhaupt nicht verstanden und rückblickend hab ich dann so gedacht natürlich Der hat's begriffen, der hat gemerkt, dass da irgendwo was ähnlich war.

00:50:03: Aber auch da ist keiner auf die Idee gekommen, weil es war so ... der typische unausgelastete sehr zappel-filipige ADHSler, der dann einfach unruhig wurde und der irgendwie ... dann auch immer jemandem danebensitzen hatte, weil er allein nicht klarkam.

00:50:21: Das ist natürlich wenn man mich im Vergleich daneben hatte das ruhige, unauffällige Nichtstürmchen.

00:50:25: So warst du ja nicht genau?

00:50:26: Nein, so war ich nicht.

00:50:28: Ja, und dadurch ist es nie jemandem aufgefallen.

00:50:32: Und ich glaube die Schule war einfach ratlos.

00:50:34: tatsächlich.

00:50:34: also Es war irgendwie wahr denen klar dass man was hätte tun müssen.

00:50:38: Das ist aber keiner auf die Idee der Diagnostizierung gekommen weil ich zu unauffällig war tatsächlich.

00:50:44: Also ich glaube ich bin einfach zu angepasst quasi gewesen um so zu wirken, als würde ich was brauchen.

00:50:52: Ja wie du schon gesagt hast, dass vorhin einmal die Leistungen waren ja dementsprechend und das ist ja das woran Schule immer auch misst.

00:50:59: und wenn es da keinen Anhaltspunkt für gibt irgendwie zu intervenieren dann wird's schwierig, auch wenn die Schule natürlich wirklich vieles versucht hat.

00:51:07: Das muss ich ja schon sagen.

00:51:09: Da stimmt irgendwas nicht und wir müssen nach einer Lösung suchen.

00:51:12: aber die liegt jetzt auch nicht so nahe auf dem Tisch Nee, und die sind auch bei jeder.

00:51:16: Ich erinnere mich noch an Elterngespräche, wo die aus allen Wolken gefallen sind, dass ich jeden Samstag da mit Migraine im Bett liege.

00:51:23: Weil die Leistung nicht entsprechend war.

00:51:24: Das ist oft das was man hat, dass die Kinder in der Schule super angepasst hyperfunktional ihre ganzen Sachen machen dann zu Hause zusammenklappen weil es nicht mehr geht.

00:51:34: Und das hatte ich auch ganz stark, dass sich einfach in der Schule ultraangepasst war und nach Hause gekommen bin.

00:51:40: Es ging nichts mehr!

00:51:42: Und dann sind wir jetzt im siebten Schuljahr und du kannst nicht mehr in die Schule gehen.

00:51:47: Ja, das war der Moment wo dann einfach klar war es geht nicht mehr.

00:51:50: ja und wohl jetzt eine alternative herzaubern.

00:51:54: da hat den großen knackpunkt meiner geschichte tatsächlich meine gesangst lehrerin ausgelöst.

00:52:02: Jetzt kommt der große plot twist.

00:52:05: Ich hatte seit ich weiß gar nicht wann Erste, zweite Hälfte sechste Schuljahr wird das gewesen sein.

00:52:11: Seit ich so in etwa zwölf war, hatte ich Gesangsunterricht hier in unserer Musikschule bekommen und diese Gesangslehrerin machte auch nebenher irgendwie arbeitete an einer Beratungsstelle und hatte eine Ausbildung zur Autismustherapeutin unsere Familientherapeuten alles mögliche und hat sich beim ersten Gespräch sofort mit meiner Mutter angefreundet.

00:52:30: die waren sind seit her.

00:52:31: heute ist es eine ganz enge Freundin der Familie tatsächlich Und sie hat damals zu uns gesagt Geht mal mit der Elisa in eine Diagnostik.

00:52:40: Da ist was, da stimmt irgendwas.

00:52:42: Irgendwas ist da, wo ihr nachforschen solltet und uns einen Praxis empfohlen.

00:52:46: Und dann sind wir dahin gegangen!

00:52:48: Nur ist ja so ne Diagnostic nichts, was schnell geht.

00:52:51: Im Gegenteil, das zieht sich gerne wie Kaugummi in die Länge.

00:52:55: So war es auch in meinem Fall.

00:52:57: Das hat sich über fast die gesamte siebte Klasse gezogen.

00:53:02: Diese Zeit in der siebten Klasse ... Da hab ich tatsächlich dann auch wieder Erinnerungen dran.

00:53:06: Da war ich dann aus dem System Schule komplett raus, da habe ich keine ... Also krankgeschrieben oder wahrscheinlich nicht?

00:53:13: Ja, krankeschrieben genau.

00:53:16: Auch immer in Absprache mit der Kinderärztin die immer gesagt hat Ich weiß ja auch nicht!

00:53:20: Die hat das auch nicht so richtig begriffen.

00:53:22: Ja also ja Aber das kann man doch nicht für die Ewigkeit machen und macht es mit.

00:53:26: Wir waren immer so, wir wissen's nicht.

00:53:28: Aber wir können auch nichts anderes machen!

00:53:30: Es geht nicht mit diesem

00:53:31: Kind.".

00:53:32: Wir waren dann noch mal bei besagter Psychologin, die damals den ersten IQ-Test gemacht hat.

00:53:37: Die schlug mir einen Kuhhandel vor, dass ich bitte in die Schule gehen sollte.

00:53:41: Währenddessen würde sie eine Diagnostik machen.

00:53:45: Wenn ich währenddessen brav in die Schule gegangen bin, könnte sie vielleicht dafür sorgen, Und dieses Gespräch lief für mich, ich hab da bestimmt anderthalb Stunden mit Mama in diesem Raum gesessen und irgendwann habe ich wirklich bin ich komplett zusammengebrochen.

00:54:01: Ich hab mir lange Mühe gegeben und irgendwann bin ich wirklich weinend da zusammen gebrochen und hab geschrien und war völlig fertig mit der Welt weil ich mir einfach nicht zu helfen wusste, weil ich irgendwie hatte so ein loses Gefühl dafür dass diese Frau wahrscheinlich beeinflussen kann ob ich zur Schule gehen muss oder nicht.

00:54:19: Weil die natürlich da, als die Psychologin, die damals einen Gutachten wahrscheinlich auch geschrieben hat, hatte die einen gewissen Einfluss.

00:54:25: Das war mir klar!

00:54:27: Und deswegen hatte ich einfach Angst vor ihr und das hat sie meiner Meinung nach einfach ausgenutzt, das war ihr klar... ...und sie hat dann einfach da wirklich irgendwie auch nichts nachgelassen und nichts anders gemacht und nichts geändert.

00:54:40: Ja, und dann sind wir da rausgegangen ohne neuen Plan.

00:54:44: danach habe ich dann auch lange tatsächlich mich sehr schwer getan mit irgendwelchen psychologisch angehauchten Ärzten und habe mich da ganz schwer getan, mich da fallen zu lassen einfach weil diese Erfahrung so furchtbar war.

00:54:55: Dann war aber klar von der war keine Hilfe zu erwarten Und dann haben wir uns durchgewurschtelt Mit weiterhin vielen runden Tischen mit weiter hin jeden Tag der Angst irgendwie dass irgendwer kommt und mich in die Schule schleppt jeden tag dem Gefühl von ich kann doch jetzt nicht mit dem Hund gehen.

00:55:11: eigentlich ist Schulzeit sehr vielen Ausreden gegenüber Leuten, die ich getroffen hab.

00:55:16: Nee nee wir haben heute frei, weil also die Lehrer haben eine Fortbildung.

00:55:21: Was hätte ich sagen sollen?

00:55:22: Also ... Schwierig!

00:55:24: Ja, das ist ein zwölf- dreizehnjährigen glaubt man dann auch nicht unbedingt wenn sie sagt ja was soll ich sagen es funktioniert halt nicht.

00:55:32: Ich hab zu der Zeit sehr viele Dokumentationen geguckt, weil ich auch nicht wusste, was ich sonst für die Schule hätte tun sollen.

00:55:38: Ich habe mit meinem Großvater Mathe gemacht, weil der Physiker war und gesagt hat, wir machen das jetzt zusammen.

00:55:44: Das hat ganz gut funktioniert tatsächlich.

00:55:46: Ansonsten hab ich rumgesessen, sehr viel.

00:55:49: Ich hab sehr viel Zeit gehabt in diesem Jahr.

00:55:52: Und es prägt mich bis heute, dass man als Schüler immer diese Idee von Ewig Ferien ... Das wär ja total cool!

00:55:59: Ich hatte nun Ewig-Ferien.

00:56:01: Irgendwann ist es nicht mehr cool.

00:56:03: Wenn man nichts tun kann, das ist nix.

00:56:07: Das merke ich bis heute, wenn ich zu lange rumsitze.

00:56:11: Man braucht was zu tun und ein Ziel.

00:56:14: Ich habe mich sehr ausgeliefert zur Zeit, weil man abhängig ist von den Meinungen erwachsener.

00:56:21: Ob man fähig ist in die Schule oder nicht.

00:56:25: Das hat mir Angst gemacht, dass sich das Gefühl hatte, da hatte ich wenig Einfluss drauf.

00:56:30: Und diese Diagnostik nahm dann so ihren Lauf.

00:56:33: Ich musste da immer mal zu irgendwelchen Tests in dieser Praxis.

00:56:37: netterweise hatte, die Psychologin, die die Diagnastik gemacht hat zwei Hunde.

00:56:42: Da war ich ganz glücklich weil ich einen von den beiden entweder unter dem Tisch oder neben dem Tisch auf meinem Schoß hatte und währenddessen mit der anderen Hand meinen Tests geschrieben habe.

00:56:51: Den Hochbegabungstest hab ich dann wiederholt in einer anderen Praxis allerdings, weil das da noch mal für eine Verzögerung von zwei Monaten irgendwie gesorgt.

00:57:01: Und wir wussten ja, wir müssen so schnell wie möglich ne Diagnose haben um mit der Schule weiterarbeiten zu können, weil es da ja ne Lösung brauchte.

00:57:10: und der IQ-Test ist dann dementsprechend guter Ort und Elisa in guter Verfassung sehr viel höher ausgefallen.

00:57:18: Dann ging die Diagnostik weiter Der Mai.

00:57:23: Und die abschließende Diagnose.

00:57:25: Das war damals noch die Diagnosa, atypischer Autismus.

00:57:29: Meine jetzt spätere Autismustherapeutin hat sich da immer furchtbar drüber aufgeregt weil sie meinte du bist ein so klassischer Asperger.

00:57:36: kann mir keiner erzählen dass du ratypische Autistin bist?

00:57:41: Jetzt gibt's ja diese Unterscheidung sowieso nicht mehr.

00:57:43: Genau wir gehen ja in die ICD-Elf und das ist eben der Spektrum.

00:57:47: Deswegen ist es sowieso die Diagnose ASS.

00:57:51: Ich glaube, ich war zu angepasst für die Diagnostik.

00:57:53: Weil ich natürlich auch in der Diagnastik da Highly-Maske saß und die ganze Zeit meine Maske auf hatte.

00:57:59: Wegen schlechten Erfahrungen mit irgendwelchen Leuten, die mir irgendwas diagnostizieren wollten.

00:58:05: Deswegen habe mich schwer getan, mich fallenzulassen.

00:58:07: Ich glaub, ich hab das Konzept damals noch nicht so ganz begriffen wie es gedacht ist.

00:58:13: Nun hatte ich eine Autismusdiagnose, mit der ich nie gerechnet hätte, die mich völlig auseinandergenommen hat.

00:58:20: bisher nicht wirklich aktiv gehört.

00:58:23: Das war mir völlig unbekannt, und da haben sich neue Welten aufgetan.

00:58:28: Und ich bin dann durch die verschiedenen Phasen gegangen, durch die man so geht, wenn man eine Diagnose bekommt, nämlich zuerst irgendwie die Phase der Euphorie ... Oh mein Gott!

00:58:36: Endlich mein ganzes Leben macht Sinn?

00:58:39: Diese erleichterung von ... Bei mir war das ein regelrechter Euphorie auch, dass ich gedacht hab, endlich habe ich eine Erklärung, endlich macht all das

00:58:49: Sinn.".

00:58:50: Dann hab ich mich angefangen einzulesen.

00:58:51: Wir haben einen Schattenspringer gekauft und solche Sachen, dann hab ich angefangen auf Social Media nach Leuten zu suchen und hab mich total verstanden gefühlt.

00:59:01: Dann hatte auch eine Phase von ... Ich hab ein bisschen mehr darüber gelesen und habe mich in keiner Fachzeit wiedergefunden so richtig.

00:59:08: Weil einfach die Kombination, die ich hab, so ungewöhnlich ist dass die selten auftaucht gefühlt.

00:59:17: Also meine Art von Autismus habe ich selten irgendwo wirklich wiedergefunden oder mich verstanden, gefühled bei Auch das hat gedauert bis sich da war, dass ich gemerkt hab es ist ein Spektrum und man findet sich nie komplett irgendwo wieder.

00:59:29: Man findet sich immer zu teilen irgendwo wieder Und daraus setzt man irgendwann das Bild zusammen Von dieser Mensch bin ich.

00:59:36: Die Vorstellung hatte ich damals noch nie.

00:59:37: Ich hatte eine Vorstellung von, man findet das magisch irgendwo.

00:59:41: Du warst ja auch dreizehn oder vierzehn?

00:59:43: Das wollte ich jetzt fragen.

00:59:44: Also, das müssen wir mal sehen ... Es ist schon sehr jung mit dreizehn.

00:59:50: Ja, ich war sehr jung und ich war überfordert damit.

00:59:53: Ich war da einfach in so einer ... Auch wirklich, ich sag immer, dreizehnt ist das schlimmste Alter!

00:59:58: Weil man hat ne Ahnung von, dass man kein Kind mehr isst.

01:00:01: Man ist aber auch vom Erwachsensein weit entfernt.

01:00:04: ein komisches Zwischengefühl von weiß überhaupt nicht, wer man eigentlich ist.

01:00:09: Man hängt völlig im Luftleinraum.

01:00:11: Zumindest war das bei mir so und ich kenne das von vielen anderen Leuten, dass sie mir das ähnlich erzählt haben, dass es ein ganz komisches Zwischenalter irgendwie ist.

01:00:20: auch glaube ich nicht das beste Alter für eine Diagnose.

01:00:22: Genau!

01:00:23: Das ist auch so mit Sicherheit und dein Empfinden ist da richtig?

01:00:26: Ja.

01:00:26: Jetzt ist das ein komisches Zwischenalter wie du sagst und du bekommst aber jetzt plötzlich so ne Diagnos mit der du gar nicht gerechnet hast vorher schon immer da gewesen ist, gefüllt mit etwas und zwar riesig großem.

01:00:41: Sodass du erst mal selber strukturieren musstest was... Was is das überhaupt?

01:00:45: Und du hast jetzt gerade schon gesagt ich konnte mich damit identifizieren es gab so eine Phase der Euphorie, oh super!

01:00:50: Ich schaute her, ich hab Autismus, dass bin ich.

01:00:53: Ja und dann gab's aber verschiedene Phasen und auch die wo du dich gar nicht mehr so wiedergefunden hast.

01:00:59: Wann wurdest du denn so Oder konntest du dich selbst so akzeptieren und klarer werden damit?

01:01:05: Sehr viel später.

01:01:06: Es hat bestimmt zwei, drei Jahre gedauert, bis ich mich wirklich wohlgefühlt hab.

01:01:10: Auch heute ist es so, dass ich mir sehr gut überlege, wem ich von welcher Diagnose erzähle ... Okay!

01:01:18: Weil ich oft die Erfahrung gemacht habe das mit den Leuten meinen Autismus nicht glauben.

01:01:23: Das hört sich so doof an aber ich bin nicht das Bild was die meisten Leute im Kopf haben wenn sie an die Autistin denken.

01:01:30: Das erfülle ich nicht.

01:01:31: Das sind so Sachen wie, mir hat mal eine Schulärztin allen Ernstes gesagt, ich könne so toll in die Augen

01:01:36: schauen.".

01:01:38: Da hab' ich auch wirklich eine kleine Krise drüber gehabt, dass ich dachte okay alles klar, soweit sind wir dann doch noch gekommen!

01:01:44: Ich glaub, das war unser erster Podcast.

01:01:46: Wo gesagt wurde, kennst du eine Autistin?

01:01:48: Das ist die Klassische, genau so!

01:01:51: Ja und das ist aber wirklich ... auch heute zieht es oft noch ein Rattenschwanz nach sich mit diesen typischen Sachen.

01:01:56: Aber du siehst doch gar nicht aus und so hätte ich dich ja gar nicht eingeschätzt.

01:02:00: Und ich überlege mir wirklich, ob's mir mehr bringt wenn die Person das weiß oder wenn sie's nicht weiß.

01:02:04: Also ähm... Ich hab das Privileg, dass ich mir das überlegen kann weil auf die meisten Leute Auf den ersten Blick ersichtlich Neurodivergent-Wirke.

01:02:15: Eher wie jemand, der sich sehr eloquent ausdrückt.

01:02:19: Das ist das, was ich häufig zu hören bekomme und meine Sprachauswahl besonders sei.

01:02:25: Aber tatsächlich ist das was ich gelernt hab, dass ich nur weil ich die Diagnose habe nicht gezwungen bin, jede mitzuteilen.

01:02:34: Das war auch eine wichtige Erfahrung für mich, weil ich so dachte ... Jetzt hab ich diese Diagnose, jetzt ist es ein Teil meiner Persönlichkeit.

01:02:41: Also muss das ja auch immer und überall dabei

01:02:43: sein.".

01:02:44: Und auch das war ein Prozess.

01:02:46: Auch das zu merken ... Es ist völlig in Ordnung, wenn ich das Leuten nicht erzählen möchte.

01:02:50: Das ist absolut mein Ding!

01:02:52: Und vor allem auch tatsächlich mehr zu überlegen, wem will ich's überhaupt erzählen?

01:02:56: Ist absolut Valide.

01:02:58: Aber das hat gedauert.

01:02:59: Du hast dich ja in der Zeit so bisschen auf die Suche gemacht, hast du gesagt ... Online über alle möglichen Portale.

01:03:08: Im Grunde hast du so Rollmodels oder irgendwie.

01:03:12: wie könnte das aussehen, wenn man so ist?

01:03:15: Wie wäre das?

01:03:16: Das war ja was für dich wahrscheinlich eine ganze Zeit gedauert hat, weil du da überhaupt die Idee davon bekommen hast ... Ja ich mach mich damals auf die Suche.

01:03:27: Welche Menschen, wie sind sie denn so?

01:03:29: Ja, genau.

01:03:30: Und das war wirklich schwierig für mich, weil ich auch ... Ich bin dann nach dem Sommer in eine Autosmaßtherapie-Gruppe gekommen und hab auch da wieder gesessen nach dem ersten Termin und dachte, ach schön hier finde ich mich nicht wieder!

01:03:45: Die sind ganz anders?

01:03:47: Die waren zumindest ähnlicher als sie mir ähnlich anders waren.

01:03:53: Das ist meine Frage.

01:03:54: Genau, das ist ... schwierig zu beschreiben, aber ich hatte das Gefühl viele von denen hatten sehr viel mehr Überschneidung als ich mit ihnen hatte.

01:04:01: Und dass ist tatsächlich was, das geht mir bis heute so, dass sich mich in einem sehr großen Teil der neurodivergenten Community immer noch überhaupt nicht so gehörig fühle und das war eine bittere Erkenntnis, dass ich nicht ausschließlich oder nicht automatisch weil ich diese Diagnose hab jetzt auf einmal einer Community habe auch das war ne Erkenntniss die ich machen musste die magische Antwort auf alles ist und dass das nicht die einzigen Menschen sind, mit denen ich klarkomme.

01:04:30: Auch das war eine Erkenntnis.

01:04:31: Das war am Anfang sehr schmerzhaft für mich ... Weil es eine Hoffnung war?

01:04:35: Ja, es war eine Hoffnungen und die ist dann verpufft.

01:04:36: Es war so ein Gefühl von toll, wenn ich mich hier auch nicht wiederfinde, wo soll ich mich denn dann wiederfinden!

01:04:43: Wirklich so dachte was für einen Alien bin ich jetzt bitte, dass ich mich nicht mal in dieser winzigen Gruppe quasi irgendwie zugehörig fühle.

01:04:51: Und auch das hat gedauert bis ich irgendwann wirklich sagen konnte Man nimmt immer nur ein Teil mit.

01:04:56: Und man ist, glaub ich ... Ich weiß nicht, ob man jemals irgendwo hundertprozentig zugehörig sein wird?

01:05:01: Ich glaube grade als neurodivergenter Mensch aber auch als neuetypischer Mensch muss man diese Idee zumindest teilweise aufgeben, dass man irgendwann den einen Ort findet wo man hundert prozentig sagt ja hier bin ich jetzt absolut irgendwie sind alle gleich wie.

01:05:17: ich wär ja auch irgendwie nicht schön wenn man auf einmal irgendwo landet und auf einmal sind alle.

01:05:24: Also ich glaube, das darf nicht das Ziel sein was man sich selber setzt.

01:05:28: Suchst du denn noch nach dem Ort wo du sagst hier bin ich ja unter meines gleichen oder da fühle ich mich glücklich?

01:05:36: Ist das so etwas was dich auch noch treibt oder wo du sagt den wird es vielleicht auch gar nicht geben.

01:05:41: also irgendwo muss ich auch immer nur ein Stückchen bei mir bleiben.

01:05:45: Ich glaub, das ist immer was, was einen antreibt.

01:05:47: Dass man ein Ort finden will, wo man sich zugehörig fühlt oder wohlfühlt und so sein kann wie man selber isst.

01:05:54: Tatsächlich hab ich dann noch mal ein Jahr später eine Autismus-Therapeutin bekommen auch an dem gleichen Ort.

01:06:02: Und die hatte exakt die gleichen Diagnosen als ich.

01:06:05: Und war tatsächlich ein absolutes ... Man würde sagen, ein Matchmade in Heaven!

01:06:10: Wir waren uns unglaublich ähnlich mir unglaublich geholfen durch viele Dinge einfach wegen der Erfahrung blind verstanden zu werden, ohne irgendwas erklären zu müssen.

01:06:21: Weil das tatsächlich die erste und bisher einzige Person war, wo ich gesagt hätte, es passt so hundertprozentig.

01:06:28: Und auch das hat mich gelehrt, dass es selten ist, dass aber möglich ist.

01:06:33: Das war eine sehr schöne Erkenntnis, einfach so zu merken, okay ... Es scheint kein Ding der Unmöglichkeit zu sein, Menschen zu finden, die mir ähnlich sind Und die war eine unglaublich prägende Person dann auch für mich, für die kommenden Jahre.

01:06:50: Mittlerweile guck ich da eher wie so ein Mosaik drauf.

01:06:55: Also ich hab mittlerweile einige unterschiedliche Freundesgruppen oder einzelne verschiedene Freunde und bei jedem kann ich ne andere Seite ausleben.

01:07:05: Ich habe die Freunde wo ich hundertprozentig bin, wie ich bin, mit denen ich bestimmte Dinge teile, andere aber nicht.

01:07:13: war für mich auch regelrecht befreiend, nicht mehr zu suchen nach der einen Person.

01:07:18: Weil ich glaube, das wird grade Leute in meiner Generation so eingetrichtert, man braucht diesen einen besten Freund und das war für me ganz bitter weil ich zwei sehr toxische beste Freundschaften hatte in meinem Leben und dann eine die sich irgendwann einfach, ich würde aber eher sagen verlaufen hat, weil wir uns einfach auseinander gelebt haben und damit hatte ich jetzt schon längere Zeit nicht mehr diese eine Freundin wo's so einfach hundertprozentig ist.

01:07:43: Und das hab ich aber irgendwann dann auch gemerkt, dass es vielleicht gar nicht so sehr braucht diese eine Person, solange man genug andere Leute hat, wo man immer einen Mosaik-mäßig sich da

01:07:54: wohlfühlt.".

01:07:55: Ja, das ist so ne Art gesellschaftlicher Anspruch ja fast.

01:07:57: Auch so ein Bestie und ... Das erzeugt Druck!

01:08:02: Jetzt hast du die Diagnose bekommen.

01:08:04: Ja!

01:08:05: Hat sich die Schule dann so ein bisschen entspannt?

01:08:08: und mit der Diagnosautismus-Spektrum, oder ... Du hast ja gesagt, atypische Autismus.

01:08:13: damals zu dem Zeitpunkt hat sich das so ein bißchen entspannt?

01:08:17: Oder war denn trotzdem weiterhin der Druck so?

01:08:20: sie muss jetzt aber mal hier ... Siebte Klasse Corona ist vorbei.

01:08:24: Ich weiß tatsächlich nicht mehr wirklich.

01:08:28: Wir haben ja die Diagnose Anfang Mai bekommen Und dann war Ende Juli, Anfang Juli war das Schuljahr ja schon vorbei.

01:08:35: Dann warst du diese Idee von ... Ja okay jetzt ist es irgendwie auch wurscht?

01:08:39: Jetzt haben wir schon ein Dreivierteljahr geschafft, dass dieses Kind nicht in die Schule geht.

01:08:44: Dann ist das jetzt irgendwie auch noch möglich und dann bin ich für das restliche Schuljahr nicht mehr in die Schule gegangen.

01:08:50: Das wäre auch völlig irrezig gewesen.

01:08:51: Ich hatte einen dreiviertelt Jahr verpasst.

01:08:53: was hätte ich da tun sollen.

01:08:55: Da kann ich mich zumindest nicht erinnern, Okay.

01:09:01: Und wie kam diese Möglichkeit der Online-Schule ins Spiel?

01:09:05: Durch meine Mama, die sich auf die Socken gemacht hat und einfach wusste, wir brauchen eine Lösung.

01:09:12: Damals waren so ... die eine große andere Möglichkeit, von dem man auch immer mal durch Zeitungsartikel gelesen hatte, waren die sogenannten Freilärner, die oft mehr oder weniger illegal ihre Kinder komplett aus jeglichen Schulen genommen haben.

01:09:28: Auch ohne rechtliche Grundlage.

01:09:30: Und zu Hause beschult haben, wie man das irgendwie ... in Amerika zum Beispiel vom Homeschooling kennt.

01:09:37: Da gibt's dann auch so Tricks, wie wir meldet in einem anderen Land Wohnsitz an, dass die Kinder da angeblich wohnen würden, wo keine Schulpflicht ist und wo man zu Hause beschulen darf.

01:09:46: Dann umgeht man damit quasi so das System.

01:09:50: Und dann sind wir auf die Online-Schulen getroffen.

01:09:53: Und es gibt auch da, glaub ich... Gab's zu dem Zeitpunkt zwei in Deutschland, die zur Möglichkeit gestanden hatten.

01:10:01: Beide netterweise nicht so weit weg von uns, auch rein räumlich gesehen und dann haben wir sie angeschrieben.

01:10:06: Die eine hatte keine Plätze mehr, die andere hatte aber gerade ihre Online-Schule erst seit zwei Jahren eröffnet und befand sich grade noch total im Aufbau.

01:10:16: Und die haben gesagt ja nehmen wir können machen, wir brauchen aber nach Paragraf thirty A. ist das glaub ich, dass sie nun lassen der Schulpflicht?

01:10:26: Das musst du bescheinigt haben.

01:10:27: Dann sind wir mit der Diagnose zur Schulärztin bei uns hier irgendwie im Rathaus gedackelt und haben versucht zu erklären, warum das geht.

01:10:35: Und ich habe, das weiß ich noch in diesem Gespräch aktiv auch autistisch

01:10:39: gespielt.".

01:10:41: Ich habe wirklich quasi meine eigene Diagnose wie ein Cosplay angesehen und das gespielt, weil ich Angst hatte dass es mir nicht abgekauft wird.

01:10:48: Das finde ich jetzt ganz spannend!

01:10:49: Wie spielst du das denn?

01:10:51: Ich spiele das in dem was erwartet wird.

01:10:53: Kein Glick-Kontakt.

01:10:54: Und auch den Boden schaue und ich versuche das gerade mal nachzustellen.

01:10:58: Ganz unauffällig einfach die ganze Zeit weggucke und auf meine Finger gucke und irgendwie die ganze zeit mit irgendwas rumfüttete.

01:11:04: Auf keinen Fall in die Augen schauen und mich da ganz zurückziehe und raushalte irgendwie.

01:11:11: Es kam dann tatsächlich hinterher von der Schulärztin die Info, dass es so toll sei wie wenig autistisch ich wirke.

01:11:16: Weil ich so toll in die Augen geguckt hätte.

01:11:19: Das war auch ein Moment ... Hast du mich richtig gemacht?

01:11:22: Ja, wahrscheinlich!

01:11:24: Wo ich wirklich sehr drüber lachen musste einfach weil das irgendwie so lustig fand, dass sich mir dann extra Mühe gäbe Autistisch zu wirken und immer noch nicht autistische genug Wirke in großen Anführungszeichen.

01:11:35: Aber da merkt man auch mal wie tief diese Vorurteile in der Köpfe und selbst in Köpfen, wie Leute dieser Schulärztin sitzen.

01:11:43: Die ja eigentlich auch viel mit Leuten zu tun haben sollten zumindest.

01:11:47: Auch das war irgendwie da in diesem Amt unglaublich.

01:11:51: Da haben wir lange gewartet.

01:11:52: dann haben die mich noch zu irgendeinem unangekündigten Tester einfach eingesammelt und auf irgend ein höher Test oder sowas mit mir gemacht sind auch meine Eltern absolut offenbaum gewesen hinterher.

01:12:03: Und Dann haben wir aber tatsächlich das ruhen lassen der schulpflicht bekommen dann aber erst mal nur für ein Jahr.

01:12:09: Das kriegt man ja nie über einen längeren Zeitraum ausgestellt, sei denn es ist wirklich einfach ... Also wenn man körperlich erkrankt ist und das ist klar, dass wird nicht in den nächsten drei Jahren oder so besser, dann wird das in seltenen Fällen auch länger ausgestellt.

01:12:24: Dann hatten wir das erstmal vor einem Jahr.

01:12:26: Dann war die nächste Hürde die Finanzierung dieser Online-Schule Weil das in Deutschland, in den Bereich der Privatschule fällt und dementsprechend teuer ist.

01:12:35: Dann kommt also das Jugendamt ins Spiel weil das in meinem Fall... Ich habe eine Freundin die körperlich erkrankt hat bei der bezahlt dass das Gesundheitsamt tatsächlich die online Schule weil sie aus körperlichen Gründen nicht in die schule gehen kann.

01:12:48: Auch da ist mal hinzustellen wie sinnvoll das ist.

01:12:50: aber in meinen fall war es das jugendamt was ich darum kümmern musste.

01:12:54: dann war das das nächste große Thema.

01:12:55: Wie bekommt man jetzt überhaupt einen Jugendamtsmitarbeiter irgendwie da mal ins Telefon?

01:12:59: Weil die natürlich alle hundertprozentig immer die ganze Zeit überlastet sind, auch das war schwierig und auch das hat gedauert.

01:13:08: und noch diese Gespräche fand ich unglaublich unangenehm immer weil ich einfach nie wusste was wird von mir erwartet.

01:13:15: es gab keinen Skript für diese Termine und ich hatte immer ein Gefühl von Ich kann nicht so sein wie ich bin.

01:13:23: Ich hatte immer das Gefühl, wenn ich so bin wie ich bin wird mir nicht geglaubt.

01:13:27: Dass sich das nicht kann weil ich ja immer in Gesprächen, Situationen wo ich wusste ich muss liefern konnte ich ja liefern.

01:13:34: Das war ja das Problem dass es glaube ich bei Leuten die das stärker ausgeprägt haben dass sie zum Beispiel einfach dieses Masking gar nicht erst beherrschen ist zumindest das wahrscheinlich einfacher dass zumindest die Gefahr nicht besteht dass es ihnen nicht gegraubt wird.

01:13:47: das war einmal so ein bisschen fluch und sägen Weil es natürlich für mich den Vorteil hat dass ich nicht direkt angeguckt und abgestempelt werde.

01:13:55: Es hat aber auch den Nachteil, dass dann eben wirklich Jugendamtsmitarbeiter vor einem sitzen und sagen ... Aber du wirkst noch gar nicht autistisch!

01:14:02: Das heißt auch die Situation hast du dir gut überlegt?

01:14:03: Wie gehe ich da rein?

01:14:04: Wie will ich wirken?

01:14:06: Weil ich hab ja einen Ziel vor Augen.

01:14:08: Absolut, ja.

01:14:10: Ja, auch das war ... gefühlt immer Arbeit.

01:14:12: Und ich war auch noch diesen Gesprächen völlig fertig, weil ich das Gefühl hatte, ich spiel die ganze Zeit eine Rolle.

01:14:17: Ich hab mich gefühelt als würde ich Spielern eigentlich ... Es wird ja für deine Eltern sehr anstrengend gewesen.

01:14:27: Dann war klar, wenn so ein Gespräch kommt oder wenn so ne Anforderungssituation kommt dann ... gehen wir in den Spielmodus.

01:14:36: Ja, und man hört ja auch immer mal wieder einfach Horrorgeschichten von Jugendamtsmitarbeitern die einfach selbst den Leuten, die es wirklich am dringendsten brauchen da einfach auf Teufel kommen raus keine Mittel geben wollen oder das verweigern und sagen nein ist nicht da geht nicht funktioniert nicht klappt nicht.

01:14:51: Da haben wir auch tatsächlich immer großes Glück gehabt.

01:14:53: also wir hatten nie das Problem, dass es wirklich ernsthaft auf der Kippe gestanden hätte.

01:14:57: Ob irgendwelche Sachen bewilligt werden auch so was wie jetzt dieser Autismustherapie stand nie zur Debatte, dass das bewillicht wird weil wir da einfach unglaublich kooperative Jugendamtsmitarbeiter hatten.

01:15:07: Auch das großes Glück und auch ein Privileg was nicht jeder hat.

01:15:11: Ja Das heißt, dann wurde aber die Finanzierung stand und die Online-Schule konnte stattfinden?

01:15:18: Die Finanzierungsstand des Rohnlassen der Schulpflicht war da.

01:15:22: Die Diagnose war da, die Online Schule startete.

01:15:25: Und dann hab ich nach dem Sommer meinen ersten Schultag gehabt seit zwei Jahren und hatte sofort an zwei Lehrer und sechs Fächer, die mich durch meinen Alltag begleitet haben.

01:15:36: Das sah so aus, dass ich drei Stunden Einzelunterricht hatte am Tag noch nie bis dahin in meinem Leben so produktiv gefühlt.

01:15:45: Weil ich wirklich in diesen drei Stunden, ich habe im ersten halben Jahr der achten Klasse, hab' ich den Stoff der achte Klasse gemacht und die komplette siebte klasse nachgeholt war dann irgendwie damit innerhalb kürzester Zeit fertig und hatte einfach das erste mal... Ich hatte ja auch das erste Mal seit einem Jahr wieder eine Aufgabe!

01:16:01: Ich hatte was zu tun, ich hatte was wo ich auch zeigen konnte was sich drauf hatte.

01:16:05: Ja, und der Tag hatte ja auch eine Struktur.

01:16:07: Der Tag hatte eine Struktur zwar ne etwas dürftige weil ich irgendwie ganz komische Zeiten immer hatte also ich hatte ... Ich weiß noch, ich hatte mal am Donnerstag von zwölf bis drei Unterricht Und dann am Freitag von acht uhr vormundvierzig Bis dann irgendwie elf uhrvormund vierzig Weil die Lehrkräfte immer quasi in diesen drei Stunden hätte ich jederzeit denen schreiben können und mit denen ins Gespräch gehen können.

01:16:29: Ich hätte auch drei Stunden mit denen sprechen können theoretisch wenn ich das gebraucht hätte.

01:16:33: Die begleiten aber immer gleichzeitig mehrere SchülerInnen.

01:16:37: Dadurch ist das immer so ein bisschen schwierig damit in unterschiedlichen Urzeiten, dass man zusammen einsteigt morgens und sich begrüßt und dann irgendwie bespricht was man jetzt macht an dem Tag.

01:16:47: Und diese Online-Schule war meine Rettung wirklich, das kann ich nicht anders sagen.

01:16:53: Ich glaube auch ohne diese drei Jahre wäre ich niemals jetzt in der Lage zur Schule zu gehen wie ich das jetzt tue.

01:17:00: Das hat mich wirklich gerettet, weil ich einfach ... Ich konnte produktiv sein.

01:17:03: Ich konnte so in meinem Tempo arbeiten wie mir das gut getan hat.

01:17:06: Ich hab einfach so gearbeitet, wie ich wollte.

01:17:10: Ich mochte auch meine Lehrer total gerne und bin mit denen immer sehr gut ausgekommen.

01:17:15: Ich konnte aber z.B.

01:17:16: die Fächer aufteilen, als ich wollte!

01:17:18: Also wenn ich gemerkt habe, boah, ich hab tolle Kopfschmerzen heute.

01:17:20: Ich kann heute keinen Mathe machen.

01:17:21: Habe ich halt stattdessen Bio- oder Geschichte gemacht.

01:17:25: Wenn ich gemärkt hab, heute ist ... Absolut die Schreibenergie da.

01:17:29: Dann hab ich das genutzt und eine Analyse für Deutsch oder Englisch geschrieben, statt eher Erdkunde zu machen.

01:17:35: Und so ging es dann zwei Jahre, habe ich meinen Schulalltag quasi bestritten, hab auch zu der Zeit dann das erste Mal wieder andere Sachen anfangen können.

01:17:46: Also das war ... Für mich dann auch so ne Zeit, wo ich das erste mal die Erfahrung gemacht hab, dass ich mehr machen konnte als einfach aus der Schule kommen und aufs Sofa fallen, und nichts mehr können.

01:17:59: Also ich hab zum Beispiel ... im Sommer habe ich einen Pflegepferd übernommen.

01:18:05: Die hab ich auch tatsächlich immer noch.

01:18:07: Das ist eine kleine Isländerstute, die ich begleite, bei der ich zweimal in der Woche bin.

01:18:12: Seitdem ist das so ne ganz feste Konstante in meinem Leben.

01:18:14: Im Jahr einundzwanzig hab ich's reiten angefangen.

01:18:18: Damals noch zu der siebten Klasse, wo ich nicht in die Schule gehen konnte.

01:18:22: Und dann kam ... Als ich grad in die neunte Klasse gekommen war, kam das Klettern dazu.

01:18:28: Was auch ein ganz großer Teil meinem Leben geworden ist.

01:18:31: Das singen nach wie vor und all diese Dinge wieder machen zu können, war für mich ... Da hab ich so das Gefühl gehabt, mein Leben fängt langsam an.

01:18:39: Weil einfach überhaupt das erste Mal Dinge gingen, die mir Spaß gemacht haben.

01:18:44: Und es ging nicht nur, dass was quasi unbedingt sein musste und dann nichts mehr, sondern es ging das, was sein musste, und auf einmal ging mehr!

01:18:52: Auf einmal hatte ich Energie für Dinge, die mir Spaß gemacht haben.

01:18:54: Die mir bei der Persönlichkeitsentwicklung geholfen haben und so.

01:19:01: Und du musst es auch nicht mehr mit dem Gefühl irgendwie dich illegal auf der Straße zu bewegen?

01:19:06: Weil du ja eigentlich in die Schule gehörst ... Das musstest du nicht mehr rechtfertigen!

01:19:11: Auch das war unglaublich befreiend, die Erfahrung machen zu können, mich einfach wieder frei bewegen zu können.

01:19:16: Jetzt hast du in diesen zwei Jahren sehr reduziert aber sehr produktiv ganz anders gelebt.

01:19:23: Was ist in der Zeit aus Freundschaften geworden?

01:19:25: Weil das ist ja auch schon eine prägende Zeit.

01:19:27: Ja, absolut!

01:19:28: Würde man dir so sagen für alle anderen... ... so einer Pulnerpupete und genau, ich seh nur, fifteen, sechzehn da hatten wir uns so seine prägenden Freundschafte, manche gute, manchen schwierige, auch toxische und man muss sich da einpendeln Das ist bei dir ja komplett anders gewesen.

01:19:41: Ja absolut, das ist tatsächlich was, was mir manchmal fehlt Aber eher selten, weil ich immer schon Leute in meinem Alter eher anstrengend als cool fand.

01:19:51: Zumindest die meisten.

01:19:54: Mittlerweile ist das anders, weil sich da auch einfach viel getan hat und ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl hab, ich kann wirklich mit ... Auch mehr Leuten als den Dreien, mit denen ich befreundet bin im Alter, kann ich was anfangen?

01:20:05: Ich habe zur siebten Klasse noch eine Freundin gehabt, die damals krank war, wo wir so ein bisschen connected waren dadurch quasi.

01:20:13: Und die ist tatsächlich dann meiner ... Ängste, beste Freundinnen geworden.

01:20:17: Also viele andere Freundschaften zum Beispiel mit der ... Mit dem Mädchen, mit dem ich immer gelesen hab, das hat sich komplett verlaufen und weil die irgendwie ... Das wurde eine ganz toxische Freundschaft irgendwann dann.

01:20:28: Und mit der war ich aber tatsächlich, wir haben uns auch fast jeden Tag gesehen und es war ne ganz enge prägende Freundschaft.

01:20:34: Und das war auch unglaublich gut für mich!

01:20:37: Da habe ich viel erlebt.

01:20:40: Damals in der sechsten Klasse ist meine ... Damalige beste Freundschaft von zehn Jahren in die Brüche gegangen, weil meine Freundin einfach zu eifersüchtig war.

01:20:51: Zu der Zeit hab ich aber ... Ich hab zwei Nachbarskinder bei mir, die dann quasi wie meiner kleinen Geschwister wurden.

01:20:57: Ich hab ja keine Geschwisters und die waren wirklich drei- und fünf Jahre jünger als ich.

01:21:04: Und die sind auch immer noch so ... Am ehesten das, was ich als meine Besties bezeichnen würde.

01:21:09: Wir sind einfach sehr eng, weil wir da quasi zusammen aufgewachsen sind.

01:21:13: Wir haben diese ganze Corona-Zeit, immer bei denen im Garten gespielt und ... Das war unglaublich gut, weil ich eine neue Seite an mir entdeckt hab, so ne Caretakerseite die ich nie hatte.

01:21:24: In meiner ganzen Familie bin ich von meinen Cousins und Cousinars immer die Jüngste.

01:21:31: Und dann kommen quasi die nächsten sehr weit drunter.

01:21:33: Die sehe ich aber auch total selten, weil sie wegwohnen.

01:21:36: Und das war eine ganz neue Erfahrung für mich, dass ich da auch jemandem was geben kann.

01:21:41: Der irgendwie von mir ... Was lernt und da neue Erfahrungen macht und so.

01:21:46: Das war irgendwie auch prägend und sehr schön.

01:21:49: Tatsächlich hab ich zu der Zeit ansonsten wenig andere Freunde gehabt.

01:21:53: Ich hab eine noch gehabt, die ich früher vom Sport kannte mit, der ich dann gut war.

01:21:59: Aber ansonstens hat sich das zu derzeit sehr dezimiert an Freunden.

01:22:03: Weil ich halt nicht mehr ... Man sieht sich Daily in der Schule, wenn man das verliert.

01:22:08: Dann fehlt einfach ganz viel weil man unglaublich viele Dinge nicht mehr miterlebt.

01:22:12: also dieses ganze diesen ganzen Schulgossip.

01:22:14: was ist irgendwie passiert?

01:22:17: Wer hat jetzt da welchen Lehrer genervt?

01:22:19: Wer ist wem auf den Senkel gegangen?

01:22:21: Wer es irgendwie?

01:22:22: gerade dann fing das an dass wir auch einmal Klassenpaare hatten So dieses in der siebten Klasse, man hält mal Händchen auf dem Schulhof und Gottes willen wir aufregend.

01:22:31: Das waren so die ganzen Sachen, das hab ich verpasst, dass es mir komplett vorbeigegangen.

01:22:35: Muss aber auch sagen, dass ich das praktisch gar nicht vermisse.

01:22:38: Auch zu der Zeit hat mir das nicht gefehlt.

01:22:40: Ich fand Leute in meinem Alter bis auf meine Freunde immer anstrengend laut und zu viel.

01:22:44: Da hat mir eigentlich nichts gefehlte.

01:22:47: Würdest du sagen, diese zwei Jahre ... Online-Schule geholfen haben, so ein bisschen zu heilen.

01:22:53: Weil du hast ja vorher gesagt, dass du wirklich komplett zusammengebrochen bist nach dem Schultag oder am Wochenende und ... so viele Dinge so schwierig und so viel Kampf bedeutet haben?

01:23:08: Ja!

01:23:09: Es hat für mich sehr viel Heilung bedeutet.

01:23:11: Das hat vor allem für mich Selbstfindungen bedeutet.

01:23:14: Ich hab das erste Mal mich selber als Person erlebt die ... capable ist, die Sachen machen kann.

01:23:21: Die sich um sich selber kümmern kann und die Möglichkeiten hat, die Welt zu erobern.

01:23:26: Das waren alles Erfahrungen, die ich bis dahin nie gemacht hatte.

01:23:29: Drucksam?

01:23:29: Ja genau!

01:23:30: Einfach so eine Selbstwirksamkeit zu erfahren und auch so einen Selbstvertrauen zu finden.

01:23:34: also da waren auch vor allem meine Lehrerin war dann natürlich sehr involviert und dann auch meine Klettertrainerin.

01:23:41: das ist bei der Zeit auch oft fast mehr Mentalcoaching gewesen oder Wirklich hatte regelrecht therapeutische Züge, das war auch eine unglaublich wichtige Person für mich.

01:23:53: Die sehr viel von diesem Selbstvertrauen mir geschenkt hat weil ich mit der viele Sachen quasi mehr erobert hab.

01:23:59: also ich bin zum Beispiel bis bestimmt Anfang vierundzwanzig bin ich nie alleine Bahn gefahren.

01:24:05: Ich konnte das nicht!

01:24:05: Ich habe da totale Angst vor gehabt obwohl ich zweimal in der Woche in Köln klettern war oder zumindest hier irgendwie dann in der Nähe und dass eigentlich nicht weit weg ist.

01:24:14: aber mich musste immer jemand bringen Weil ich einfach nicht alleine fahren konnte.

01:24:19: Und das waren so Sachen, dass sie dann irgendwann gesagt hat, wir treffen uns mal im Café und du kommst mit der Bahn!

01:24:24: Ich warte direkt am Bahnsteig auf dich.

01:24:26: Du fährst die halbe Stunde kannst du durchfahren und dann wart ich da auf

01:24:29: dich.".

01:24:30: Und solche Erfahrungen zu machen, das war unglaublich hilfreich.

01:24:34: Das hat mir wirklich viel gegeben.

01:24:36: Ansonsten diese drei Jahre Online-Schule waren auch geprägt.

01:24:39: davon ist es bei uns Zuhause immer schwieriger wurde weil's meinem Vater nicht gut ging.

01:24:44: Und nun saßen wir alle drei im Homeoffice, weil meine Eltern beide auch Homeoffices gearbeitet haben und ich ja mit meiner Online-Schule den ganzen Tag zu Hause saß.

01:24:51: Ich glaube für den Familienfrieden hat das nicht geholfen, weil ich nicht weg konnte.

01:24:55: Ich hatte nichts wo ich hin konnte, ich war nicht tagsüber weg und habe bestimmte Dinge nicht mitbekommen.

01:25:00: Ich war einfach den ganzen tag da.

01:25:02: Und ich glaube für die Familie an sich war das oft nicht so gut oder ein bisschen hat zumindest nicht gehofft, aber für mich diese drei Jahre Online Schule Ich glaub, ohne wer ich nicht die Person bin.

01:25:17: Weil ich Zeit hatte, mich selber zu finden und selber zu entdecken.

01:25:21: Jetzt wissen wir ja schon nach dieser Geschichte ... wo du eigentlich von Tag eins in der Grundschule nicht regelmäßig zur Schule gegangen bist oder in diesen drei Jahren Online-Schule.

01:25:34: Du gehst jetzt zur Schule!

01:25:36: Wie machst du das?

01:25:38: Erstaunlich!

01:25:39: Das ist mir manchmal auch selber ein Mysterium.

01:25:43: Ich muss auch sagen, da steckt sehr viel Vorbereitung drin.

01:25:46: Das ist nichts, was einfach auf einmal so da war.

01:25:49: Ironischerweise bin ich wieder auf der gleichen Gesamtschule gelandet, wo ich früher war.

01:25:54: Vielleicht ja nicht, weil du gesagt hast ... War auch die beste Entscheidung, die ich treffen könnte.

01:26:00: Es war nicht so, dass es keine Alternativen gehabt hat.

01:26:03: Aber das war die beste Entscheidung, weil ich das immer noch für eine der besten Schulen aller Zeiten halte und jedem empfehle, der mir über den Weg läuft.

01:26:15: Die Arbeit, die die machen, finde ich unglaublich gut!

01:26:17: Jetzt würde ich mal eine Frage stellen ... Das ist ja eigentlich die Schule an der du gescheitert bist?

01:26:24: Würde man jetzt so landläufig sagen, das hat da irgendwie nicht funktioniert Im Prinzip so die Erfahrung gemacht, es geht gar nicht.

01:26:31: Es funktioniert nicht.

01:26:32: und trotzdem bist du an diese Schule zurückgegangen?

01:26:34: Ja!

01:26:36: Was ist da innerlich bei dir abgegangen?

01:26:38: Also ich glaube in gewisser Weise war das der letzte Schritt zurück zur Selbstteilung und der letzte schritt das Kapitel abzuschließen und dass rund zu machen.

01:26:50: An dieses Gebäude zurückzukommen war schwierig.

01:26:52: also wir haben das große Glück und das war auch einer der entscheidenden Punkte Tatsächlich, warum ich jetzt da bin und nirgendwo anders ist das bei uns die Oberstufe ein eigenes Gebäude hat.

01:27:02: Die Schule ist auch unglaublich gewachsen.

01:27:04: also mittlerweile haben wir glaube ich hundertzwanzig Lehrkräfte und tausend dreihundert Schüler.

01:27:07: es ist wirklich eine große Schule.

01:27:09: Wir haben aber für die Ober Stufe ein komplett eigenes gebäude ungefähr fünf minuten fußläufig entfernt Und da sind wir immer zwischen zweihundert und dreihundert Leuten.

01:27:17: Es ist tiefenentspannter.

01:27:19: Ich liebe dieses Gebäud überall.

01:27:20: Das ist total toll.

01:27:22: Es hatte super schöne Atmosphäre.

01:27:25: So das Konzept der Open Dores sind immer alle Türen offen.

01:27:28: Man kann sich in jeden Klassenraum einfach reinsetzen und dieser Spirit, dieser Schule lebt da so.

01:27:34: Ich muss allerdings sagen ... Als ich da schon ungefähr ein halbes Jahr war, hatten wir Tag da auf dem Tür.

01:27:39: Und ich hatte zwischendurch Zeit, weil ich keine Schicht hatte beim Getränkeverkauf.

01:27:43: Dann bin ich einmal durch die ganze Schule gelaufen.

01:27:45: Weil ich wusste, das hatte ich noch nicht gemacht.

01:27:47: Das wird schwierig für mich!

01:27:49: Das war auch schwierig.

01:27:51: eine Nummer, weil ich ja ... Nach der sechsten Klasse hab ich mich nicht verabschiedet.

01:27:56: Ich wusste nach der Sechstenkasse nicht, dass ich wiederkommen werde und bin einfach gegangen!

01:28:01: Von einem Tag auf den anderen weg gewesen.

01:28:03: Und hab dadurch auch nie mit diesem Gebäude so richtig abgeschlossen, weil immer wusste das ist noch im Hintergrund.

01:28:11: Da lang zu laufen war schwer, weil dieser Gang, wo mein Klassenraum dann auch war Das war schon schwierig.

01:28:17: Da hab ich gemerkt, hab ich Herzklopfen gehabt und war wirklich ... Also das war nicht einfach aber auch sehr heilend da mein jüngeres Ich an die Hand zu nehmen und zu sagen wir können das, wir sind jetzt groß, wir können uns darum kümmern.

01:28:32: Das muss dir keine Angst mehr machen.

01:28:34: Das war eine sehr heillende Erfahrung, glaub

01:28:37: ich.".

01:28:38: Hast du die Entscheidung selber getroffen?

01:28:41: Du hast drei Jahre Online-Schule gemacht, hast auch Prüfungen abgelegt.

01:28:47: Das ist deine mittlere Reife, ne?

01:28:49: Ja genau!

01:28:50: Das ist die mittlere Reife, das ist der Abschluss nach der zehnten Klasse, den man macht ... In den Schulen nennt man das mittlerweile dann Set Up Peace oder Set Peace.

01:28:58: Von früher noch.

01:28:59: Ja, ich kenne das auch unter mittlere Reife oder bei den Leuten meinem Alter heißt es irgendwie ZDAP.

01:29:06: Das war ein Erlebnis an sich, weil das als externen Schülerin ... Als die ich diese Prüfung machen musste, weil ja meine Schule nicht prüfen darf.

01:29:12: Ach so!

01:29:13: Ja genau.

01:29:14: Muss man sie als externer Schüler machen und dann sitzt man in einer Aula, in irgendeiner zufällig ausgewählten Realschule.

01:29:20: In meinem Fall war die irgendwo, also wir sind eine ganze Weile dahingefahren.

01:29:26: Okay, für jemandem im Autospektrum ganz schön schlimm?

01:29:30: Ja natürlich.

01:29:31: Und dann sitzt man in einer riesigen Aula mit hundertzwanzig Menschen die ich nicht kannte das erste Mal wieder überhaupt in einem Schulgebäude ... Ich hatte ja drei Jahre keinen Schulgebüede mehr getreten.

01:29:42: Allein das war schon eine Erfahrung an sich.

01:29:46: und dann sind diese Prüfungen auch nicht nur eine halbe Stunde lang.

01:29:49: Man schreibt ja, ich glaube Deutsch habe ich drei oder vier Stunden geschrieben Und irgendwie habe ich es geschafft, diese Prüfung auch nicht nur zu bestehen sondern wirklich gut zu bestehnen.

01:29:58: Dann ist das aber mit den vier schriftlichen statt drei Schriftlichen die man schreibt.

01:30:02: Normale Schüler schreiben dreischriftliche nur.

01:30:04: Nicht getan.

01:30:05: als externen Schüler muss man nämlich um die fehlenden und mündlichen Noten auszugleichen.

01:30:09: Mündliche Prüfungen machen!

01:30:12: Das sind dann sechs und die finden alle an einem Tag statt.

01:30:16: Mir meinten dann auch, wir haben jetzt auch Lehrer von meiner neuen Schule gesagt.

01:30:20: Dass es tatsächlich eigentlich gar nicht erlaubt wäre oder zumindest sei das absolut unverantwortlich den armen Schülern gegenüber.

01:30:26: Also ich hab sieben Stunden, ich habe wirklich sechs Prüfungen hintereinander weg gehabt.

01:30:31: Ich hatte immer zwanzig Minuten Vorbereitung und zwanzige Minuten Prüfung.

01:30:37: Drei solche, dann hat ich zwanzigen Minuten Pause.

01:30:43: Das wird auch nie wieder so schlimm, weil selbst Abitur ist nicht so stressig.

01:30:47: Ich weiß noch nicht was der Sinn davon ist, weil die externen Schüler sind ja fast alles Leute, die es nicht so einfach hatten im Leben und viele schwere Sachen schon irgendwie schaffen mussten.

01:30:58: Und die werden dann da müssen solche Sachen machen.

01:31:01: also ... Er schließt sich mir auch nicht so ganz der Sinn.

01:31:05: Okay, mir jetzt gerade auch nicht?

01:31:06: Nee, hört sich katastrophal an!

01:31:08: Also ... Ja, war auch keine schöne Erfahrung.

01:31:11: Das war wirklich nicht schön.

01:31:13: Dann hab ich aber diese Prüfung bestanden und hatte meine Quali für die Oberstufe.

01:31:18: Man muss allerdings um dahin zurückzukommen noch mal... Es fängt sehr viel früher an, meine Entscheidung wieder auf die Schule zu kommen.

01:31:25: Das ging so Anfang in der zehnten Klasse los, dass ich mich überlegen musste.

01:31:29: Ich geh jetzt von der Schule, ich bin fertig mit der zehnten Klasse.

01:31:32: Was kommt denn jetzt?

01:31:33: Dann muss ja irgendwas

01:31:34: kommen.".

01:31:35: Weil man nicht mehr schulpflichtig zwangsläufig ist und dann muss sich überlegen, was man machen möchte.

01:31:40: Ich hätte an meiner Online-Schule Abitur machen können.

01:31:43: Das hätte aber so ausgesehen, dass ich jeden Tag sechs Stunden in einer Gruppe vor meinem Computer gesessen hätte.

01:31:49: Und ich habe auch nach diesen drei Jahren ... So gut sie waren irgendwann einen Hüttenkoller bekommen.

01:31:55: Irgendwann kann man das nicht mehr.

01:31:56: Irgendeinmal kann man nicht den ganzen Tag Alleine in seinem Zimmer sitzen und nichts anderes sehen, als die gleichen zwei Lehrkräfte.

01:32:03: Und irgendwie da seine Sechs Fächer ... das geht irgendwann nicht mehr!

01:32:07: Bei mir war der Punkt dann erreicht, dass ich gesagt habe, ich will das nicht mehr.

01:32:10: Ich will nicht mehr in meinem Zimmer sitzen.

01:32:12: Was wäre meine Perspektive gewesen?

01:32:13: Ich hab gedacht was soll denn werden wenn ich stiere?

01:32:16: Ich kann ja auch dann... Das war für mich klar, dass sich daraus muss so schwer es auch war.

01:32:23: Und dann habe ich einen Berufskolleg noch angeguckt, tatsächlich wo man nämlich auch ein Vollabitur hätte machen können aber mit bestimmtem Fokus irgendwie auf Sprache und sowas.

01:32:31: Was ja immer schon mein Feld war.

01:32:33: und dann bin ich aber schon da in Kontakt gegangen Mit der Lehrkraft die jetzt die Stufenleiterin meiner Stufe ist und mit der hab' ich damals schon viel geschrieben.

01:32:43: Ich war mehrmals hospitieren in meiner Schule jetzt, an der Oberstufe und habe mir das angeguckt.

01:32:47: Ich hab da sogar meine Klausur mitgeschrieben.

01:32:49: Ich hatte so super vielen Gesprächen.

01:32:52: Da haben wir überhaupt eine Tuchfühlung aufzunehmen und einen Gefühl für die Schule zu bekommen.

01:32:55: Und zu merken kann ich dahin gehen, überhaupt schaffe ich es in dieses Gebäude reinzugehen?

01:33:00: Das hat lange gedauert und dann stand aber irgendwann die Entscheidung fest – ich will dahin zurück!

01:33:04: Und dann war ja auch mein Zeug das total in Ordnung dafür.

01:33:07: Dann muss man einen bestimmten Notenschnitt haben, um die Quali zu schaffen.

01:33:11: Das war aber alles erfüllt und dann stand also fest ich gehe da in die Oberstufe ab dem nächsten Sommer.

01:33:18: Ich hatte sehr lange Sommerferien.

01:33:21: Ab Mitte Juni hatte ich frei bis dann ... ganz spätes Ende August.

01:33:27: Also das waren die letzten fünf August-Tage noch, wo dann Schule war.

01:33:31: Das war wirklich auch eine ganz lange Phase, wo bei uns in der Familie noch mal viel passiert ist.

01:33:36: Da haben sich meine Eltern getrennt und es war ein einschneidender Moment, wo ganz viel passiert war.

01:33:43: Dadurch war aber dieses Gefühl von einem neuen Lebensabschnitt beginnend nur noch stärker bei mir weil ich da einen ganz klaren Krat dann einfach hatte und wirklich diese Schule auch ein kompletter Neuanfang für mich war.

01:33:55: Und das habe ich immer so gesehen, dass ich gesagt hab, okay, ich fange jetzt hier komplett neu an.

01:34:03: Dann kamen die ersten Kennenlandtage.

01:34:06: Der erste Tag war eine Info-Veranstaltung, die mich völlig überfordert hat.

01:34:09: Weil dann kriegt man Probeklausurpläne vorgelegt.

01:34:13: Da muss man wissen ... In welchem Fachmann, bei welchem Lehrer in welchem Kurs es ist und wann man seine Klausur wo schreibt.

01:34:19: Es ist unglaublich kompliziert die ganzen Stundenpläne.

01:34:23: das hat mich wirklich ein bisschen überfordert.

01:34:27: Und dann hatten wir so kennenlernen Tage als Stufe und dass war schon Anstrengend weil ich auf einmal mit eighty-fünf Menschen in einem Pulg durch die nächste Großstadt gelaufen bin und irgendwie Dann auf einmal gucken musste, wir waren in irgendeinem Museum und haben uns das angeguckt.

01:34:43: In so einem Sportmuseum.

01:34:44: Und dann tut man ja unglaublich viel!

01:34:46: Ich war damit mit eighty-fünf Menschen, die ich nicht kannte.

01:34:48: Und ich hab sehr schnell am ersten Tag tatsächlich eine Freundin da gefunden, mit der ich auch jetzt super eng befreundet bin.

01:34:56: Das ist einer meiner besten Freunde denn jetzt.

01:35:01: Es war am Anfang schon wirklich viel ... Also es ist unglaublich viele Schule.

01:35:07: Wer sind ja immer noch eine Ganztagsschule?

01:35:08: Das heißt, wir haben bis vier Unterricht.

01:35:10: Ich damals zu Glück nur einmal in der Woche, jetzt hab ich das zweimal.

01:35:14: Allerdings haben wir im Gegensatz zu den kleinen, keine Mittagspause mehr.

01:35:17: Weil wir sonst bis halb sechs Unterricht hätten und deswegen wurde unsere Mittags Pause gestrichen.

01:35:21: An manchen Tagen habe ich von acht bis vier durchgehend Unterricht mit zwei Frühstückspausen, aber es ist einfach keine Mittagspause da.

01:35:30: Und das ist schon sehr viel was mich am Anfang sehr überfordert hat, glaub ich ... wo ich auch oft wirklich in den Pausen saß und dachte, um Gottes willen das kann nicht alles hier.

01:35:40: Allerdings muss ich sagen ist mir das Grundkonzept der Oberstufe unglaublich entgegen kommt weil die Kurse sind im allerschlimmsten Fall zwanzig Menschen groß.

01:35:49: es sind schon mal einfach an sich zehn Menschen weniger als früher.

01:35:54: dann sind diese Räume komplett reizarm.

01:35:56: In unseren Klassenräumen ist nichts, weil wir keine festen Räume mehr haben.

01:35:59: Wir haben jetzt ein Kurssystem und dadurch mixt sich das ständig irgendwie durch und man hat in diesen Räumen nichts außer einer Tafel und den ganzen Stühlen und Tischen.

01:36:07: So auch das kommt mir total entgegen.

01:36:09: dieses ganze Konzept von Man macht sehr viel alleine zu Hause.

01:36:13: Auch das hilft mir.

01:36:15: Und dann muss ich sagen haben tatsächlich auch diese Schule einfach unglaublich gute Lehrkräfte.

01:36:20: Also dass es auch wirklich was, was mir unglaublich geholfen hat.

01:36:23: Ich habe so viele tolle Menschen da kennengelernt und so viele tolle Lehrer, mit denen auch jetzt irgendwie ... Auch wenn ich keinen Unterricht mehr bei denen hab, die ich regelmäßig in der Schule sehe.

01:36:34: Mit denen ich mich unterhalte, mit dem ich irgendwie im Kontakt bin.

01:36:38: Über Inhalte dann?

01:36:39: Also wirklich über die Fekter- ... Über die Schulinhalte!

01:36:44: Auch aber viel Privates also ... Hab ich ganz anders noch mal gelernt, mich irgendwie ... Leuten auch anzuvertrauen.

01:36:50: Das war was, was sich viel vorher gebildet hat.

01:36:52: Das hat besagte Klettertrainerin maßgeblich mitgeprägt.

01:36:57: also ich glaube wenn es diese Person nicht gegeben hätte dann wäre ich heute immer noch sehr verschlossen.

01:37:02: Sehr viel verschlossen als ich bin und auch da zu merken wenn ich ein Problem habe gehe ich einfach zur nächsten Lehrkraft und frage mir wird geholfen?

01:37:11: das ist auch etwas was ich in der online Schule gefiel Weil man da einfach dieses Gefühl von, auch man leidet in Anführungszeichen mit Menschen zusammen.

01:37:20: Wenn man zum Beispiel eine Matheklausel nächste Woche hat und man hat irgendwie voll Stress, weil keiner das Thema versteht, dann leidet man mit zwanzig anderen Menschen darunter.

01:37:28: Und man hat ein ganz anderes Gefühl dafür.

01:37:31: Ich hab gemerkt, dass ich mich in dieser Zeit der Oberstufe das erste Mal wieder eingeschätzt habe im Kontext von den Menschen meines Alters.

01:37:42: Das war mir ja komplett abhanden gekommen!

01:37:44: Dieses ganze Gefühl für wie gut oder schlecht ist meine Leistung.

01:37:48: Am Anfang konnte ich nicht einschätzen, wie gut meine mündliche Mitarbeit war.

01:37:51: Woher auch?

01:37:52: Ich hatte ja keinen Bezug mehr dazu.

01:37:55: Wie verhalte ich mich?

01:37:57: Wie wirke ich auf andere Leute wirklich typisch für Menschen in meiner Generation und da überhaupt nicht typisch bin ich vielen davon ähnlich.

01:38:04: Bin ich denen überhaupt nicht ähnlich!

01:38:06: Diese ganzen Sachen, das habe ich ja vier Jahre im Prinzip nicht gehabt.

01:38:09: jetzt, das Jahr wo in der siebten Klasse mit einberechnet Aber das war nicht schon wichtig.

01:38:17: Also, dass wieder zu erfahren ... Ja, weil ich glaube, wenn man funktioniert in einer Gesellschaft, ist es nicht gut, wenn wir das nicht haben.

01:38:24: Ich glaub, es ist sehr schwer in der Gesellschaft klarzukommen, wenn sich gar nicht einsortieren kann, wo man steht.

01:38:32: Wenn man z.B.nicht einsortilen kann, ist meine Leistung außergewöhnlich oder total durchschnittlich so.

01:38:41: Das, was ich sage, finden die Leute ... seltsam, oder finden die das schlau?

01:38:46: Oder finden die es total normal.

01:38:48: So diese ganzen Sachen einfach da... Ganz sich auszuloten!

01:38:52: Genau, diese ganzen sozialen Grenzen und Regeln irgendwie auszulloten ganz neu.

01:38:56: Und dann muss ich natürlich auch sagen, war das sehr witzig weil ich teilweise die gleichen Leute wieder getroffen habe.

01:39:01: Ich bin ja jetzt mit einigen Leuten aus meiner damaligen Klasse in einer Stufe.

01:39:05: Die gleiche Stufe auf der gleichen Schule Und das war schon auch sehr witzig, weil ich einfach vier Jahre zwischendurch verpasst hab und dann sind zum Beispiel die Jungs auf einem Jahrzehntimeter größer als man selbst.

01:39:14: Man ist so hoppla!

01:39:15: Du bist

01:39:16: gewachsen.".

01:39:18: Diese ganzen Sachen einfach ... Die Leute wieder ganz anders wahrzunehmen.

01:39:22: Ich habe aber z.B.

01:39:23: meine Klassenärerin von damals wieder getroffen, was ganz schön war.

01:39:28: Die einfach irgendwie ganz neu kennenzulernen.

01:39:31: Die haben mich alle überhaupt nicht widerkannt.

01:39:33: Ich hab mich auch sehr verändert, aber ich glaub auch Persönlichkeits- Technisch ist da viel passiert.

01:39:39: Aber sich da wieder einsortieren zu können einfach in dieses Gefühl, in diese ganze soziale Gefüge... Das hat mir sehr geholfen und meinen Blick auf die Gesellschaft total verändert.

01:39:50: Was eigentlich ein schönes Gefühl ist im Gegensatz zu dem, auch wenn es anstrengend ist vielleicht?

01:39:56: Im Gegensotz zu dem was früher war weil die Strukturen haben sich zwar etwas verändert aber das ist ja das was dir früher auch Schwierigkeiten geschafft hat immer noch da

01:40:04: d.h.,

01:40:05: die Räume des Unbekannte die vielen Menschen auch wenn sich das reduziert hat Aber vielleicht über die Jahre hast du einfach die richtigen Schritte in sind die Richtung für dich gemacht, auch für dich noch mal selbst reflektiert und da jetzt anzukommen wo du bist?

01:40:21: Ja.

01:40:22: Also ich glaube was ich zu dem ganzen Sozialgefüge noch sagen wollte das ist dann ein schönes Gefühl wenn man mit sich selbst sicher genug ist.

01:40:31: also ich glaube sich so einzusortieren es nur ein angenehmes gefühl wenn man sich seiner selbst so sicher ist und so viel Selbstvertrauen hat dass das einen nicht rauskickt.

01:40:40: wenn man zum Beispiel merkt ich trage total andere Klamotten stört mich nicht weil ich genug Selbstvertrauen hab und sagen kann, das ist aber mein Stil.

01:40:48: Ich find das schöner.

01:40:49: Wenn man das Selbstvertrauen nicht hat, ist es viel schwerer, wenn man sich daran anfängt zu messen.

01:40:55: Das ist das, was man ... nicht tun sollte.

01:40:59: Zumindest wenn man auf sich selbst verlassen möchte.

01:41:03: Was war die andere Frage?

01:41:05: Die überspringen wir jetzt!

01:41:07: Oder so.

01:41:07: Wir sind ja die ganze Zeit... Jetzt an dem Punkt, wo du ja wieder in die Schule gehst.

01:41:14: Wenn du jetzt zurückguckst auf deine gesamte Schulaufbahn inklusive Online-Schule ... wenn du dir Schule so malen und ausdenken könntest wie es für dich gut gewesen wäre?

01:41:29: Was müsste anders sein?

01:41:31: An welchen Punkten?

01:41:32: vielleicht auch schon in der Grundschule?

01:41:35: Das ist eine sehr schwere Frage.

01:41:38: Ich glaube Rückblickend würde ich sagen, es war zwar sehr schwer alles.

01:41:44: Aber irgendwo war's auch gut, weil ich genau dadurch jetzt nur an dem Punkt gelandet bin, wo ich jetzt bin.

01:41:49: Ich glaube, ich wäre langweiliger und weniger selbst.

01:41:53: Und ich würde viel mehr unter meinem Leben leiden, wenn nicht diese Chance quasi ausdrücken möchte.

01:42:01: Das ist ein bisschen optimistisch gesagt.

01:42:04: Irgendwo war eine große Chance zur Persönlichkeitsentwicklung, die ich bekommen habe mich unglaublich geprägt.

01:42:10: Ich bin der festen Überzeuger, weil ich viele Freunde habe die das bestätigen.

01:42:13: Das Menschen, die durch sehr schwere Erlebnisse gehen anders auf die Welt gucken als Leute, die das nicht tun.

01:42:20: Ich hab bisher nur Leute getroffen, die es bestätigend können tatsächlich.

01:42:24: Irgendwas verändert sich in dem Blick den man auf das Leben hat wenn man solche Geschichten hat mit der ganzen Schullaufbahn.

01:42:33: Ich glaube Es bräuchte sehr viel mehr Wissen einfach.

01:42:38: Ich finde, das passt auch sehr gut zu ihrem Podcast.

01:42:40: ich glaube die Leute bräuchten so viel mehr Wissen über Divergenz.

01:42:47: Ich glaube dass es nicht nur Neurodivergänz sondern generell Menschen nie so gleich waren wie wir uns das gerne denken.

01:42:55: also wir sind nie so durchschnittlich gewesen.

01:43:00: unsere Gesellschaft uns das manchmal glauben lassen möchte.

01:43:02: Wir sind immer schon alle individuell gewesen, und ich glaube ... Das ganze Schulsystem ist darauf nicht ausgelegt.

01:43:08: Also, das ganze Schulystem versucht nicht Individualität zu fördern, es versucht Messbarkeit zu erzeugen durch Normen- und durch scheinbare objektive Dinge.

01:43:17: Mir kann auch keiner erzählen, dass Noten objektiv sind!

01:43:22: Es glaub ich nicht.

01:43:23: Da helfen die Erwartungshorizonte nicht?

01:43:26: Nein, das is ... Tatsächlich so, aber ich glaube es bräuchte mehr Akzeptanz.

01:43:32: Ich glaube das wäre der erste Schritt in die richtige Richtung.

01:43:35: dann muss immer noch was dafür getan werden dass es den Leuten besser geht.

01:43:38: Aber ich glaube Die akzeptanz unserer andersartigkeit wär der erste schritt.

01:43:43: Sehen auch Hinschauen sehenden schritten ja doch keine angst davor haben.

01:43:48: also ich glaube Es braucht auch einen umdenken dafür dass nur die kindern Förderbedarf haben die auffallen in gänse füßchen.

01:43:56: Also Dass nur das Kind was Stühle durch die Gegend wirft, ein Problem hat ist einfach falsch.

01:44:02: Das stimmt nicht und ich glaube auch, dass müsste im Schulsystem ankommen.

01:44:06: Dass wir so viel übersehen?

01:44:08: Ja!

01:44:08: Dass so viele Kinder oder Jugendliche ... Mit den unterschiedlichsten Problemen ja.

01:44:13: Und das will niemand gerne sehen weil es immer einen eingestehen von eigenen Fehlern bedeutet man kann nicht alles sehen.

01:44:19: Gerade unser Schulsystem ist mit den teilweise zweiunddreißig bis fünfund dreißig Kindern ist nicht darauf ausgelegt, dass man das einzelne Kind wahrnimmt.

01:44:30: Das ist unglaublich schwer und ich habe großen Respekt davor was Lehrkräfte leisten jeden Tag.

01:44:35: Und dennoch glaube ich bräuchte es da mehr Akzeptanz aber dafür müsste sich das ganze System im Prinzip ändern.

01:44:45: Fazit am Ende, sag ich mal.

01:44:46: Das würde ich gerne am Ende so stehen lassen.

01:44:49: jetzt können wir leider den Podcast nicht so schneiden, dass wir sagen so dem Block debocken jetzt hinten dran.

01:44:59: Aber das ist ganz wichtig was du sagst also diese Perspektiven zu entwerfen und auch den Fokus zur öffnen.

01:45:07: Ich glaub schon, dass das in den letzten Jahren deutlich mehr passiert.

01:45:10: Und deshalb sitzen wir auch hier und machen diesen Podcast, weil der auch so ein Nerv natürlich trifft.

01:45:15: Wir viel darüber diskutieren, was ist Neurodivergänz?

01:45:20: Wie hab ich das einzuschätzen?

01:45:21: und muss dem Fokus auf das einzelne Kind merichten?

01:45:24: Das passiert deutlich ... deutlich mehr als zu unserer Schulzeit, die schon her ist.

01:45:30: Wo man versucht, alles im Bahnen zu pressen.

01:45:32: Also hat man heute mehr Möglichkeiten.

01:45:34: Aber es fehlt noch ganz viel.

01:45:36: Das hast du schon wirklich gut gesagt.

01:45:38: Es war natürlich so ein diagnostischer Weg für dich, ein ganz wichtiger auch als Voraussetzung für die Online-Schule, dass du da überhaupt die Möglichkeit bekommen hast.

01:45:47: jetzt steht aber auch noch ADHS im Raum.

01:45:50: Ja das stimmt.

01:45:52: Also um das neurodivergente Bild mal komplett zu machen?

01:45:56: Wie schön!

01:45:56: Genau.

01:45:57: ja ja das ist tatsächlich auch was was seiner Zeit gebraucht hat bei mir weil ich Auch als ich anfing, mich zu informieren war mehr von den Sachen, die man fand.

01:46:08: Da war auch Hochsensibilität noch ein größerer Begriff.

01:46:10: Das ist nämlich das, was ich als Erstes bekam zu meiner Hochbegabungsdiagnose.

01:46:16: Ich bekam quasi die Hoch- sensibilität gratis mit dazugeschoben.

01:46:20: Ich gehöre jetzt tatsächlich zu den Leuten, die sagen, dass es immer irgendwo dranhängt.

01:46:24: Also ich glaube, dass's keine Hoch-Sensibilität gibt ohne ADHS oder Autismus dazu.

01:46:30: Also das kann ich mir tatsächlich nicht ... Vorstellen, dieser ADHS-Diagnose hat eine Weile gedauert.

01:46:36: Weil ich auch noch gestartet bin mit der Idee, dass wenn man das eine hat, dass man das andere nicht haben kann ... Das steht ja immer noch in vielen fachliterarischen Sachen irgendwie drin.

01:46:46: So ein bisschen hatte ich als meine besagte Autismus-Therapeutin, die das erste Mal sagte, Elisam mach, nee, ADHS Diagnose bitte macht es du erfüllst so viele Merkmale dafür!

01:46:58: Okay wie lange ist das her?

01:47:01: Das ist eine gute Frage, das wird ne Weile schon her sein.

01:47:03: Ich hab gesagt die Therapeutin jetzt leider seit einem Jahr dauerhaft erkrankt ist und irgendwie auf einen Schlag als Ressource für mich wegfiel.

01:47:11: Ja.

01:47:11: Das wird wohl irgendwann ... ... dass sie das sagte.

01:47:17: Eben weil sie ja die gleichen Diagnosen hat wie ich plus ADHS.

01:47:21: Und da eben auch immer sagt ihr schau du siehst ja auch, dass wir uns so ähnlich sind und es nicht nur Autismus bei dir wärst du nur Autistin Sehe das ganz anders aus.

01:47:31: Eine ganze Selbstorganisation, sehr ganz andersaus und ... Das ist tatsächlich hab ich mich dann auch angefangen einzulesen.

01:47:39: und bisher ist auch dieses AudiHS, dieses Überschneidungsding von beiden, dass wo ich mich am meisten zu Hause fühle also ich fühl mich weder bei so den klassischen ADHS-Land wirklich Zuhause noch beim klassischen Autismus Spektrums Ding sondern in der Mitte ist das wo ich nicht wieder finde es gibt So ein ganz nettes Meme irgendwie zur Autismus.

01:48:00: Ich habe Ice Huffer mit New Things und ADHS Ice Huffle with Routines.

01:48:09: Und dann steht der Audio-HS-Länder mit und sagt Eishuffer.

01:48:12: Das beschreibt mein Leben sehr gut, dass ich regelmäßig das Gefühl hab, die beiden fressen sich gegenseitig auf.

01:48:17: Es verträgt sich einfach nicht.

01:48:19: Das ist auch ein großes Problem, was ich habe.

01:48:22: Es hat aber eine Weile gedauert, weil ich immer dachte ... Ich weiß nicht!

01:48:26: Passt es wirklich?

01:48:27: Brauche ich überhaupt die Diagnose, um mich damit wohl zu fühlen?

01:48:30: Jetzt hab ich doch mal eine Diagnostik angefangen.

01:48:37: Mittlerweile auch sehe ich das mit als Teil meiner Persönlichkeit.

01:48:40: Also, ich bin da mittlerweile recht fester Überzeugung von und es prägt auch sehr meinen Blick auf mein eigenes Verhalten und meinen Alltag so.

01:48:49: Brauchst du die Diagnostik für dich selbst?

01:48:52: Hat das ein Mehrwert für dich?

01:48:55: Ich glaube am meisten ja!

01:48:56: Also, ich wüsste nicht.

01:48:57: Ich hab jetzt keinen äußeren Umstand wie damals mit der Autismusdiagnose.

01:49:01: Das war was ganz anderes.

01:49:02: Die war ja von äußerem Umständen wirklich gefordert quasi.

01:49:07: Das habe ich in dem Sinne jetzt nicht.

01:49:09: Es ist tatsächlich gehört das eher zur Selbstfindung und ich stehe auch so ... Selbstdiagnosen eher kritisch gegenüber weil ich tendenziell zu der Art von Menschen gehöre, der dann nicht mehr geglaubt wird Weil es so viele Leute gibt, die sich selbst diagnostizieren und ich dann zu diesem eher unauffälligen Spektrum gehöre.

01:49:28: Wo dann irgendwie kommt.

01:49:28: aber du wirkst ja eigentlich gar nicht so richtig so als hättest Du XY.

01:49:33: Deswegen glaube ich wenn ich das für irgendwelchen brauche Dann bin das am ehesten Ich.

01:49:38: dass heißt auch Das Als Die Autismus Diagnostik abgeschlossen war, hattest du die erste Euphoriephase?

01:49:46: Hast du erzählt und ich kann mich mit etwas identifizieren.

01:49:50: Da gibt es vielleicht so eine Gruppe und die sind so wie ich.

01:49:53: Dann ist ja festgestellt, nie so ist das aber gar nicht!

01:49:56: Wie ist das jetzt wenn du siehst... Es ist AudeHS.

01:50:00: auch da gibt es ja jetzt sage ich mal doch ne Community, die sich damit identifiziert.

01:50:06: Ist das etwas was dir dann auch nahe liegt?

01:50:08: oder sagst du eigentlich habe ich doch Okay, nicht eigentlich habe ich damit abgeschlossen.

01:50:13: Und das ist eher für mich.

01:50:14: aber doch eigentlich brauche ich diese Community auch so ein bisschen?

01:50:17: Ein bisschen klar.

01:50:18: also ich glaube dass es sehr menschlich immer noch etwas zu suchen wo man sich zugehörig fühlt Auch ein schönes Gefühl.

01:50:25: Und auch was, was man immer sucht.

01:50:28: Tatsächlich ist das schon so ein Ding und es ist wirklich so ... Als ich angefangen hab, mich explizit für ADHS zu interessieren und danach zu suchen und Social-Media-Inhalte zu suchen oder Artikel zu lesen, dass ich da einen Gefühl hatte von ah, da macht was Klick, da passt was!

01:50:44: Weil es einfach weder ADHS noch Autismus ist, wo's diesen Klickmoment hatte.

01:50:49: Das ist tatsächlich jetzt das, wo ich sage am ersten Da find ich mich wirklich wieder und fühl mich verstanden.

01:50:55: D.h.,

01:50:56: da bist du auf dem Weg aber auch noch in der Diagnostik?

01:51:00: Ja, genau.

01:51:01: Da bin ich jetzt ... mach' ich mich gerade auf die Sockenhaber beim Vorgespräch.

01:51:05: Ich meinte direkt schon so ja, könnte hinkommen, könnte passen.

01:51:09: Seht ihr so gewisse Dinge nicht was?

01:51:10: Ja!

01:51:11: Ich hab mich ein bisschen eingelesen.

01:51:14: Kleine Lüge.

01:51:15: Also es ist viel los gewesen in den letzten Jahren bei dir.

01:51:19: Und die letzten Jahre, das hört sich so an wie ... Oh, das war jetzt die letzten zwanzig-dreißig Jahre.

01:51:23: Da war viel los!

01:51:25: Ist es ja gar nicht.

01:51:26: Also wenn man wirklich den Blick drauf wirft sind das die letzten vier, fünf, acht Jahre?

01:51:33: Ja, wenn ich jetzt ... kommt darauf an wo man ansetzt also je nachdem.

01:51:38: Ich glaube so die.

01:51:40: Es ging ja immer so phasenweise und ich glaube zwischen durch die online Schule war Achtundneunte Klasse sehr ruhig dass sehr wenig passiert in meinem Leben im Verhältnis zu dem, was jetzt danach so passiert ist.

01:51:52: Ja ich frag deshalb wollt wir vorhin draufgekommen sind, das ist ein paar Minuten her, dass du gesagt hast Ich als dreizehnjährige und das ist sage ich mein überschaubarer Zeitraum.

01:52:01: Das stimmt ja.

01:52:02: wenn Du mit all Deinen Erfahrungen, Erlebnissen die Du hattest und das sind eine Menge gewesen also echten Füllhorn an Dingen, die da begegnet sind.

01:52:13: Positive, ganz viele negative Erfahrungen.

01:52:17: Ganz viel wo du dich auch vielleicht ein bisschen neu erfinden musstest und dich neu entdecken musstest Wenn jetzt ein vierzehnjähriges Mädchen vor dir stehen würde Und dem es so ähnlich geht wie dir damals Was würdest du diesem Mädchen sagen wollen?

01:52:34: Gute Frage Ich glaube ich würde ihr raten Auch wenn das oft ein bisschen platterat ist für eine Vierzehnjährige, weil die meisten Vierzen damit wenig anfangen können.

01:52:48: Nicht zu versuchen sich zu ändern sondern stolz zu sein auf diese Andersartigkeit.

01:52:53: Weil irgendwann wird das die größte Superkraft!

01:52:55: Das glaubt man nicht.

01:52:56: aber irgendwann kommt der Moment wo man sagt und genau das ist jetzt der Punkt.

01:53:01: wisst ihr so in diesem Podcast würde ich nicht sitzen wenn ich nicht stolz wäre auf meine andersartigkeit?

01:53:05: Und das sind so Sachen dass muss man sich immer mal glaube ich bewusst machen Dass man dadurch auch Erfahrungen macht, die man nie machen würde ansonsten und dass man da irgendwie irgendwo auch zufrieden mit sein kann.

01:53:17: Ich glaube ich würde ihr raten wollen keine Angst zu haben weil es immer irgendwann besser wird Auch wenn das zwischendurch nicht so aussieht.

01:53:24: Ich mag den Spruch am Ende wird alles gut.

01:53:26: Wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.

01:53:28: Den mochte ich als Kind schon total gerne Weil das irgendwie... dass es immer sich so durch mein Leben gezogen hat.

01:53:35: Es ist immer, hast du einen Auf und Ab?

01:53:37: Und immer wird das irgendwann mal schlechter, dann wird's aber auch wieder besser!

01:53:40: Das ist glaube ich ... was ich am ehesten raten würde.

01:53:44: Vertraue auf die Zeit und Vertrau vor allem auf dich.

01:53:47: Es wird irgendwann gut, solange man bei sich bleibt und auf sich vertraut und glaubt, dass man für sich selber einstehen kann.

01:53:55: Man ist selber, glaube ich, immer die wichtigste Person, die man braucht.

01:54:00: Wenn das was du jetzt ... gesagt, dass ein Word-Dokument wäre.

01:54:03: Ich würde das Fettmarkern oder in dicken Lettern zeigen, damit es jeder sehen kann.

01:54:09: Liebe Elisa vielen Dank für deine Offenheit!

01:54:14: Du warst jetzt eine komplette Bereicherung für uns weil wir dir sehr gerne zugehört haben.

01:54:18: manchmal viel ist uns glaube ich schwer die richtigen Fragen zu stellen unglaublich, umfassend geantwortet hast.

01:54:26: Aber dadurch so einen tiefen Einblick in dich und deine Persönlichkeit ... Und ich fand auch in Deine Seele gegeben.

01:54:34: Vielen Dank dafür!

01:54:35: Danke, dass ich hier sein durfte.

01:54:36: Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und vielen Dank, dass Ich solange über mein Leben reden durfte.

01:54:43: aber mir hat es auch sehr viel Spass gemacht.

01:54:45: man resumiert ja irgendwo auch immer über sich selber und manchmal bei dem Alltag, den ich jetzt hab.

01:54:51: Ein Alltag ist, wo ich manchmal selber vergesse wie viel dahinter steht ... Wie viele Leben schafft das?

01:54:57: Dass das mein Alltag isst.

01:54:59: Und tatsächlich hatte ich irgendwann in der elften Klasse so ein I Made It Moment.

01:55:05: So einen Moment, ganz normaler Schultag und dann haben wir abends irgendeinen Fest vorbereitet für die Stufenkasse, irgendwie Einschulung der neuen Fünfer oder sowas.

01:55:13: Und standen da zusammen mit unseren Stufenleitungen und haben Pop-Comfort bereitet.

01:55:17: Was war so ein Gefühl von ... Ich hab's geschafft, ich bin da!

01:55:21: Ja, ich bereite Pop-Confort, juhu!

01:55:24: Ich bin jetzt da, wo ich vor einem Jahr am liebsten gewesen wäre.

01:55:28: Wo ich wahrscheinlich auch vor fünf oder zehn Jahren gewesen

01:55:31: wäre.".

01:55:32: Das ist ein schöner Moment, wenn man merkt, jetzt bin ich da, als ich immer sein wollte.

01:55:48: Wenn euch das Gespräch gefallen hat, abonniert unseren Podcast auf Spotify, Apple-Podcast oder wer auch immer ihr gerne hört.

01:55:55: Schreibt uns gern eure Kommentare Meinungen und Anregungen!

01:55:58: Wir freuen uns wenn ihr dabei bleibt beim Zuhören mit Denken und Perspektiven wechseln bis zur nächsten Folge von bunte Horizonte.

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